Leuchtturmprojekte
Internationales auf einen Blick
Direkt einsteigen
Der globale Handel wächst rasant, und Lebensmittelkrisen machen vor Ländergrenzen keinen Halt. Das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung engagiert sich weltweit in diversen Projekten mit dem Fokus auf Stärkung der Kapazitäten im Bereich der Risikobewertung.
Hier einige Erfolgsbeispiele der internationalen Kapazitätsentwicklung.
Erfolgsbeispiele der internationalen Kapazitätsentwicklung
Wissen vernetzen. Vertrauen stärken. Risiken gemeinsam bewerten.
Das Latin American and Caribbean Risk Analysis Symposium (LARAS) ist eine vom BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung mitinitiierte, regelmäßig stattfindende Plattform für den fachlichen Austausch zu Lebensmittelsicherheit in der Region Lateinamerikas und der Karibik. Seit 2019 bringt LARAS Fachleute aus Behörden, Wissenschaft und Politik zusammen – mit dem Ziel, Risikobewertung gemeinsam weiterzuentwickeln und regionale Zusammenarbeit zu stärken.
LARAS ist ein beispielhaftes Modell dafür, wie das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung durch multilaterale Partnerschaften nachhaltige Impulse für die globale Lebensmittelsicherheit setzt – und wie regionales Wissen im internationalen Dialog gezielt gestärkt werden kann. Das Symposium wurde von Beginn an als ein Format von der Region für die Region konzipiert, fachlich getragen von lateinamerikanischen Institutionen und unterstützt durch das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung sowie europäische und internationale Partner. Es steht damit für gelungene Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Warum LARAS wichtig ist
In Zeiten von globalen Lieferketten, wachsenden Klimarisiken und neuen wissenschaftlichen Fragestellungen ist es entscheidend, dass Fachinstitutionen weltweit voneinander lernen und gemeinsam handeln können. Das LARAS trägt dazu bei, Strukturen der Risikobewertung auszubauen, Vertrauen zwischen Akteuren zu stärken und neue Kooperationen zu ermöglichen – für sichere Lebensmittel in der Region und darüber hinaus.
Das Symposium basiert auf Werten wie gegenseitigem Vertrauen, Multidisziplinarität, Transparenz und dem Austausch auf Augenhöhe. Es schafft Raum für:
- Wissenschaftlichen Dialog und Wissensvermittlung,
- Aufbau neuer Netzwerke zwischen Behörden, Hochschulen und Organisationen,
- Diskussion aktueller Risiken und regulatorischer Ansätze.
LARAS auf einen Blick
- 2019 – Montevideo, Uruguay
Erstes LARAS mit 152 Teilnehmenden aus sieben Ländern, organisiert vom uruguayischen Landwirtschaftsministerium (MGAP) mit Unterstützung des BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung. Fokus auf Risikobewertung, Netzwerke und strukturelle Grundlagen für sichere Lebensmittel.
Link Report: Externer Link:https://www.bfr.bund.de/cm/349/laras-latin-american-risk-assessment-symposium-report.pdf
Link BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung Academy: Externer Link:https://www.bfr-akademie.de/english/archive/2019/laras.html
- 2021 – Santiago de Chile, Chile (virtuell)
Digitale Veranstaltung mit bis zu 370 Teilnehmenden pro Tag, organisiert von der chilenischen Lebensmittelsicherheitsbehörde. Fokus auf Vertrauen, Methodentransfer und Netzwerke.
Link PM: Externer Link:https://www.bfr.bund.de/cm/343/latein-und-zentralamerikanisches-symposium-zur-staerkung-der-risikoanalyse.pdf
- 2024 – San José, Costa Rica
Präsenzveranstaltung mit mehr als 600 Teilnehmenden (virtuell und vor Ort), organisiert von der Universität von Costa Rica (UCR) mit Unterstützung des costa-ricanischen Wirtschaftsministeriums (MEIC). Beiträge aus 13 Ländern, 21 Poster und zwei Workshops.
Link PM: Externer Link:https://www.bfr.bund.de/presseinformation/lebensmittel-ueber-kontinente-hinweg-sicherer-machen/
Link BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung Academy: Externer Link:https://www.bfr-akademie.de/english/archive/2024/laras2024.html - 2026 – Belo Horizonte, Brasilien
Präsenzveranstaltung vom 30. Juni bis 3. Juli 2026 an der Universidade Federal de Minas Gerais (UFMG), organisiert von UFMG und der brasilianischen Gesundheitsbehörde ANVISA (National Health Surveillance Agency) unter dem Leitthema „Food Safety Based on Science". Beiträge des BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung zu KI in der Risikobewertung, Risikokommunikation, ILMERAC und regionalem Kooperationsbedarf; drei Mini-Kurse des BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung zogen jeweils mehr als 50 Teilnehmende an. Zum Abschluss wurde beschlossen, das Symposium künftig als „Latin American and Caribbean Risk Analysis Symposium" zu führen – die Abkürzung LARAS bleibt unverändert. Ein Zeichen dafür, dass das Format in der Region angekommen ist und von ihr weiterentwickelt wird.
Das LARAS-Symposium finden alle 2 Jahre statt und wird vom aktuellen zum nächsten Organisator übergeben.
Zusammenfassung
Tunesien verabschiedete 2019 das Gesetz Nr. 2019-25 über die gesundheitliche Sicherheit von Lebens- und Futtermitteln. Es schafft den rechtlichen Rahmen für eine umfassende Neuordnung staatlicher Zuständigkeiten. Ein zentrales Ziel der Reform ist die institutionelle Trennung von Risikobewertung und Risikomanagement. Das Projekt „Stärkung der Lebensmittelsicherheit und des gesundheitlichen Verbraucherschutzes in Tunesien“ unterstützte von Januar 2021 bis März 2026 die Umsetzung dieser Umstrukturierung. Im Mittelpunkt stand die Begleitung der beiden im Gesundheitsressort angesiedelten Behörden: der Nationalen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Instance Nationale de la Sécurité Sanitaire des Produits Alimentaires, INSSPA) für das Risikomanagement sowie der Nationalen Agentur für Gesundheits- und Umweltkontrolle von Produkten (Agence Nationale de Contrôle Sanitaire et Environnemental des Produits, ANCSEP). Letztere wird schrittweise in die Nationale Agentur für Risikobewertung (Agence Nationale d’Évaluation du Risque, ANER) überführt.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung) und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVLkurz fürBundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) begleiteten die tunesischen Partner bei der Organisationsentwicklung, der fachlichen Qualifizierung und dem Aufbau behördlicher Verfahren. Im Zuge einer strategischen Anpassung nach der Zwischenevaluation 2023 wurde der Partnerkreis erweitert. Eingebunden wurden das Nationale Institut für Ernährung und Lebensmitteltechnologie (Institut National de Nutrition et de Technologie Alimentaire, INNTA), die Generaldirektion Veterinärdienste (Direction Générale des Services Vétérinaires, DGSV) im tunesischen Agrarministerium sowie das Nationale Zentrum für Tiergesundheitsüberwachung (Centre National de Veille Zoosanitaire, CNVZ). Ein wesentliches Ergebnis dieser Neuausrichtung war zudem die Kooperation mit der Nationalen Verwaltungshochschule (École Nationale d’Administration, ENA) zur Qualifizierung von Führungskräften aus acht Ressorts.
Eckdaten zum Projekt
Geldgeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), finanziert aus Mitteln der Sonderinitiative „EINE WELT ohne Hunger“
Politischer Träger: Tunesisches Gesundheitsministerium
Budget: 5 Millionen Euro
Laufzeit: 1. Januar 2021 bis 31. März 2026
Hauptergebnisse: Fachliche Begleitung beim Aufbau von INSSPA und ANER; 611 erfolgreich abgeschlossene Weiterbildungen; 16 Dienstleistungen für kleine und mittlere Unternehmen; über 100 fortgebildete Fachkräfte in der Risikobewertung; 22 qualifizierte HACCP-Trainer; 29 fortgebildete Nachwuchsführungskräfte; 50 Personen mit beruflichem Fortkommen durch Projektmaßnahmen.
Kooperation auf Augenhöhe
Das Gesetz Nr. 2019-25 sieht vor, Risikobewertung und Risikomanagement institutionell zu trennen. Für diesen Prozess waren das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung und das BVLkurz fürBundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit besonders geeignete Partner: Beide Institutionen entstanden in Deutschland nach der BSE-Krise Anfang der 2000er Jahre aus einer vergleichbaren Neuordnung. Diese Erfahrung in der Trennung von wissenschaftlicher Bewertung und administrativem Management konnten sie gezielt in die Beratung der tunesischen Behörden einbringen.
Die Nationale Behörde für Lebensmittelsicherheit (INSSPA) ist nun für das Risikomanagement zuständig, was amtliche Kontrollen, Laborstrukturen und ein Schnellwarnsystem umfasst. Parallel dazu soll die Nationale Agentur für Risikobewertung (ANER) – hervorgehend aus der ANCSEP – unabhängige wissenschaftliche Gutachten erstellen. Da rechtliche und organisatorische Voraussetzungen bis Projektende noch nicht vollständig vorlagen, konnte die ANER ihre Aufgaben noch nicht in vollem Umfang wahrnehmen. BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung und BVLkurz fürBundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit begleiteten INSSPA sowie ANCSEP/ANER beim Aufbau fachlicher und organisatorischer Kapazitäten.
Fachliche Zusammenarbeit über Ressortgrenzen hinweg
Ein Schwerpunkt im Projekt lag auf der Vernetzung der tunesischen Akteure. Im Bereich der Risikobewertung kooperierte die ANER ab 2023 verstärkt mit dem Nationalen Zentrum für Tiergesundheitsüberwachung (Centre National de Veille Zoosanitaire, CNVZ). Gemeinsam mit Expertinnen und Experten des BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung schulten sie mehr als 100 Fachkräfte aus Behörden, Forschungseinrichtungen und Universitäten zu chemischer und mikrobiologischer Risikobewertung.
Ebenso wurden das Nationale Institut für Ernährung und Lebensmitteltechnologie (INNTA) und die Generaldirektion Veterinärdienste (DGSV) eingebunden. Sie wirkten insbesondere an Schulungen zum HACCP-Konzept (Hazard Analysis and Critical Control Points) mit. Insgesamt 22 Beschäftigte aus INSSPA, INNTA und dem Agrarministerium wurden zu Trainerinnen und Trainern ausgebildet, die ihr Wissen anschließend landesweit an 440 Personen weitergaben.
Nachwuchsführungskräfte ressortübergreifend vernetzen
Gemeinsam mit der Nationalen Verwaltungshochschule (École Nationale d’Administration, ENA) und dem Gesundheitsministerium wurde ab 2023 das 29-wöchige Führungskräfteprogramm „Governance und Lebensmittelsicherheit“ (Gouvernance et Sécurité sanitaire des Aliments) entwickelt und umgesetzt.
29 Nachwuchsführungskräfte aus acht verschiedenen Ressorts nahmen teil. Das Programm vermittelte in über 400 Stunden Wissen zum Rechtsrahmen der Lebensmittelsicherheit sowie Kompetenzen in der Projektsteuerung und im Veränderungsmanagement.
Die WirksamkeitPositiver prädiktiver WertZum Glossareintrag der Projektmaßnahmen zeigt sich auch auf individueller Ebene: 50 Teilnehmende gaben an, durch das Projekt beruflich vorangekommen zu sein – sei es durch Beförderungen, erweiterte Verantwortungsbereiche oder eine gesteigerte berufliche Sichtbarkeit. Damit wurde eine wichtige Basis für die Verstetigung der tunesischen Lebensmittelsicherheitsreform geschaffen.
In Uganda halten ca. 70 % aller Haushalte lebensmittelliefernde Tiere (einschließlich Geflügel). Nutztierhaltung ist vor allem ein Familiengeschäft. Ein Großteil der Produktion wird auf lokalen, vorwiegend informellen Märkten vermarktet. Infektionserkrankungen beeinflussen die Tierhaltung negativ, was zum Verlust von Tieren, Einkommen und damit dem Lebensunterhalt der Personen führt. Zoonotische Erkrankungen wie Rift Valley Fever und Brucellose gefährden darüber hinaus die Gesundheit der Tierhalterinnen und Tierhalter, der in der Lebensmittelverarbeitung Tätigen sowie der Verbraucherinnen und Verbraucher. Eine verbesserte Tiergesundheit resultiert damit in einem besseren Lebensunterhalt, einer besseren Ernährung und weniger zoonotischen Erkrankungen. Die Kenntnisse über und das Bewusstsein für Tierkrankheiten, ihre Risiken und Interventionsmöglichkeiten in Uganda sind begrenzt. Für viele Erkrankungen gibt es effektive Gegenmaßnahmen, z. B. Impfungen. Allerdings führen Mängel in der Infrastruktur und institutionelle Mängel in "low and middle income countries" häufig dazu, dass die Lösungen nicht bei den Tierhalterinnen und Tierhaltern und ihren Tieren ankommen. Fehlendes Bewusstsein über die Möglichkeiten von z. B. Impfungen führen zu einer Weigerung, diese einzusetzen und zu bezahlen. Darüber hinaus gibt es wenig gut ausgebildete Leute, die sich um die tiergesundheitliche Versorgung kümmern könnten. Im Bereich der Lebensmittelgewinnung und Verarbeitung gibt es unzureichende Bemühungen, für eine entsprechende Ausbildung zu sorgen und damit grenzüberschreitende und zoonotische Erkrankungen einzudämmen.
Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt “BUILD-Uganda” (Boosting Uganda‘s Investment in Livestock Development) entwickelt und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) als Förderer genehmigt und vom „International Livestock Research Institute“ (ILRI, in Nairobi/Kenia) der „Consultative Group on International Agricultural Research“ (CGIAR) koordiniert. Das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung hat sich als einer der Projektpartner stark engagiert zusammen mit der Freien Universität Berlin, dem Friedrich-Loeffler-Institut und den Tierärzten ohne Grenzen e. V.
Ziel des Projektes war es, die in Uganda existierenden Strukturen für Tiergesundheit und Zoonosenbekämpfung zu stärken. Dies erfolgt mittels Forschung, Beratung und durch den Ausbau von Netzwerken und Partnerschaften. Die vier Hauptbetätigungsfelder waren, Unterstützung aktueller Kampagnen zur Eradikation der Pest der kleinen Wiederkäuer (PPR), Kontrolle zoonotischer Erkrankungen (Schwerpunkt Rifttalfieber (RVF), Überwachung von Antibiotikaresistenzen sowie die Verbesserung der Gesundheitsfürsorge an Schlachtstätten.
Die Projektlaufzeit ging vom 2019 bis 2023 und wurde erfolgreich mit vereinzelten Aktivitäten in 2024 abgeschlossen.