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Belastung der Bevölkerung mit Dioxinen und anderen unerwünschten Stoffen in Deutschland deutlich zurückgegangen

15/2000, 10.08.2000

Daten aus der Frauenmilch- und Dioxin-Humandatenbank jetzt auf der BgVV-Homepage

Die Belastung der deutschen Bevölkerung mit Dioxinen und anderen Organochlorverbindungen hat deutlich abgenommen. Das zeigen Analysen von mehr als 30000 Frauenmilchproben, deren Ergebnisse die Untersuchungsämter der Länder seit Mitte der 80iger Jahre auf freiwilliger Basis dem Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin übermitteln. Die Auswertung dieser Daten ergab, dass Frauenmilchproben 1997 im Mittel ungefähr 60% weniger Dioxine und Furane enthielten als noch 1990. Auch die Gehalte weiterer schwer abbaubarer Organochlorverbindungen sind drastisch gesunken. So enthielten Proben von 1997 im Vergleich zu 1980 nur noch ca. 30 % der Gehalte an polychlorierten Biphenylen (PCB) und ca. 5-15 % der Gehalte an chlorierten Pflanzenschutzmitteln wie z.B. DDT und Hexachlorbenzol (HCB). Um 70% zurückgegangen ist seit 1993 auch der Gehalt an Moschus Xylol in Frauenmilch, während der Anteil an Moschus Keton vergleichsweise konstant blieb. Beide Stoffe wurden bzw. werden in Waschmitteln und kosmetischen Mitteln in großem Umfang als Duftstoffe eingesetzt.

Das BgVV baut zusammen mit den Bundesländern eine Frauenmilch- und Dioxin-Humandatenbank auf, in der die in den Bundesländern ermittelten Gehalte zu persistierenden Rückständen in Frauenmilch zusammengefasst und dokumentiert und mögliche Einflussfaktoren ermittelt werden können. Die Dokumentation verfolgt verschiedene Ziele:

Zum einen ist Frauenmilch ein gut geeigneter Bioindikator, an dem die reale Belastung der Bevölkerung mit unerwünschten fettlöslichen Stoffen verfolgt werden kann. Die rückläufigen Trends für die angeführten Substanzen belegen, dass in der Vergangenheit getroffene Maßnahmen die Belastungssituation der Bevölkerung verbessert haben. Zu nennen sind hier z.B. das Verbot der Herstellung und Anwendung zahlreicher Organochlorverbindungen als Pestizide (Pflanzenschutzmittel), die PCB-Verbotsverordnung sowie die Regelungen und Maßnahmen zur Verringerung des Dioxineintrags durch Industrie, Kraftfahrzeuge und andere Quellen in die Umwelt und in die Nahrungskette.

Zum anderen werden die Daten der Frauenmilch- und Humandatenbank des BgVV genutzt, um die Belastungssituation des Säuglings mit unerwünschten Stoffe abzuschätzen, gesundheitlich zu bewerten und mögliche Gesundheitsgefahren im Vorfeld abzuwehren. Die aktuellen Daten zur Dioxinbelastung der Frauenmilch zeigen, dass auch hier ein deutlicher Rückgang um ca. 60 % zu verzeichnen ist. Ein vier Monate alter, vollgestillter Säugling nimmt heute in Deutschland im täglichen Durchschnitt rund 57 pg I-TEQ (Internationale Toxizitäts-äquivalente) je Kilogramm Körpergewicht mit der Muttermilch auf. Damit liegt die Aufnahme über das Stillen zwar kurzfristig immer noch deutlich über der von der Weltgesundheitsorganisation WHO für Dioxine und dioxinähnliche Verbindungen festgelegten duldbaren Menge. Diese wurde aber für eine lebenslange tägliche Aufnahme abgeleitet. Nach dem Stand des Wissens ist deshalb durch die Dioxinaufnahme während der relativ kurzen Zeit des Stillens kein gesundheitliches Risiko zu erkennen. Sowohl nach Auffassung der Nationalen Stillkommission als auch der WHO ist Stillen die beste Form der Ernährung des Säuglings und wird uneingeschränkt empfohlen.

Wegen des hohen Fettanteils von Frauenmilch lassen sich darin auch andere Stoffe, die sich im Fettgewebe des Menschen anreichern, identifizieren. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass es sinnvoll ist, das Spektrum der z.Z. in Frauenmilch untersuchten Stoffe zu erweitern und die Entwicklung zu beobachten. So wurden in den letzten Jahren neue Verbindungen, wie Flammschutzmittel (polybromierte Diphenylether, PBDE - Untersuchungen aus skandinavischen Ländern) und hautgängige Substanzen aus kosmetischen Mitteln (synthetische Duftstoffe wie z.B. polyzyklische Moschusverbindungen) nachgewiesen. Aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes ist es geboten, solche Kontaminanten zu vermeiden oder zu minimieren. Um die weitere Verbreitung von Flammschutzmitteln zu verhindern, lehnt das BgVV die Verwendung für Bekleidungs- und andere Haushaltstextilien wie Bettwäsche ab.

Der Bericht "Trends der Rückstandsgehalte in Frauenmilch der Bundesrepublik Deutschland - Aufbau der Frauenmilch- und Dioxin-Humandatenbank am BgVV" ist auf der Homepage des BgVV als PDF Dokument abgelegt und kann mit Acrobat Reader 4.0 gelesen werden.

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