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Glyphosat im Urin: Werte liegen auch bei Kindern im erwartbaren Bereich und sind gesundheitlich unbedenklich

11/2016, 04.03.2016

Aussagekraft der sogenannten Urinal-Untersuchung wegen nicht-wissenschaftlicher Probenahme und statistischer Mängel gering

Die in der Heinrich-Böll-Stiftung am 4. März 2016 vorgestellten Werte zum Glyphosatgehalt in Urin sind nach einer Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen gesundheitlich unbedenklich. „Diese sehr geringen Gehalte sind nach unserer Einschätzung erwartbar, da Glyphosat ein zugelassener Pflanzenschutzmittelwirkstoff ist und folglich Rückstände mit der Nahrung aufgenommen und somit auch ausgeschieden werden können“, kommentierte BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel die veröffentlichten Ergebnisse der Untersuchung. „Das BfR hat vergleichbare Urinwerte in der Vergangenheit bereits wissenschaftlich bewertet und die Ergebnisse veröffentlicht.“ Rechnet man die Urinwerte auf die täglich aufgenommene Menge an Glyphosat zurück, so zeigt sich, dass die untersuchte Person mit dem höchsten Glyphosatgehalt von etwa 4 ng je ml Urin weniger als ein Hundertstel der täglich duldbaren Aufnahmemenge von 0,5 mg je Kilogramm Körpergewicht aufgenommen hat. Die Daten bestätigen damit die abgeschätzten Aufnahmemengen, die das BfR in der Rückstandsbewertung im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung vorgenommen hatte.

Die auf Initiative einer Bürgerinitiative beauftragte Untersuchung weist grobe Mängel insbesondere im Bereich der Probenahme auf. So wurden die Proben nicht, wie bei wissenschaftlichen Studien üblich, überwacht gezogen und tiefgefroren an das Labor gesandt. Dies kann zu Verunreinigungen und Veränderungen in der Zusammensetzung der Proben z. B. auf dem Transportweg führen.

Insgesamt hatten die Auftraggeber über 2000 nicht repräsentativ ausgewählte Proben von Freiwilligen eingesammelt und analysieren lassen. Die Urinproben wurden mit einem biologischen Standardtest, der für die Analyse von Urin geeignet ist, untersucht. Allerdings wurden die Probenahmen nicht nach den in der Wissenschaft üblichen Verfahren vorgenommen, sondern die Probanden gaben ihren Urin in zugeschickte Röhrchen und verschickten diese zusammen mit einem ausgefüllten Fragebogen auf dem Postweg ungekühlt an das Analyselabor. Als mittlerer Gehalt wurden bei der Analyse der Proben 1,08 ng Glyphosat je ml im Urin nachgewiesen, der höchste Gehalt betrug 4,2 ng Glyphosat je ml Urin. Beim höchsten Gehalt ergibt sich bei der Umrechnung in die tägliche Aufnahmemenge eine Ausschöpfung weniger als von einem Prozent der täglich duldbaren Aufnahmemenge. Selbst Kinder würden bei diesem höchsten Gehalt weniger als ein Prozent der duldbaren täglichen Aufnahmemenge erreichen.

Das BfR sieht sich durch diese empirischen Daten trotz der Mängel der Untersuchung in seiner Auffassung bestätigt, dass selbst bei der empfindlichsten Gruppe der Kinder keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch die Aufnahme von Glyphosatrückständen über Lebensmittel zu erwarten sind. Auch der angedeutete Zusammenhang zwischen Glyphosatexposition und bestimmten Krankheiten der Probanden ist wissenschaftlich nicht nachzuvollziehen. Die ermittelten täglichen Aufnahmemengen liegen ein Vielfaches unter den abgeleiteten gesundheitsbezogenen Richtwerten (ADI und ARfD) für Glyphosat. Die Untersuchung trägt damit nichts Neues zu einer Abschätzung des gesundheitlichen Risikos der Glyphosat-Exposition für die in Deutschland lebenden Menschen bei.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

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