Futtermittelzentrum: Futtermittelsicherheit, Stofftransfer in der Nahrungskette

Das Futtermittelzentrum "Futtermittelsicherheit, Stofftransfer in der Nahrungskette" am Standort Berlin-Alt-Marienfelde befasst sich mit der Bewertung gesundheitlicher Risiken für Mensch und Tier, die im Zusammenhang mit der Aufnahme von Stoffen über Futtermittel und deren Transfer in Lebensmittel tierischer Herkunft stehen.

Hintergrund

Stoffe, die in Futtermitteln vorkommen, können in die vom Tier stammenden Lebensmittel wie Milch, Fleisch, Eier, Fisch oder Honig übergehen – man spricht vom Transfer. Bei einigen Stoffen ist dieser Übergang grundlegend erwünscht, beispielweise bei essenziellen Nährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Aber auch Fettsäuren und Aminosäuren aus dem Futter werden im tierischen Stoffwechsel umgesetzt und finden sich anschließend in Fleisch und anderen Lebensmitteln tierischer Herkunft wieder. Dennoch kann sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss mancher, essenzieller Nährstoffe im Futter die tierische Gesundheit nachteilig beeinflussen oder beim Verzehr der tierischen Lebensmittel ein Risiko für die Verbraucherinnen und Verbraucher darstellen.

Weiterhin gelangen auch sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, unerwünschte Stoffe und Kontaminanten über das Futter in die Lebensmittel tierischer Herkunft. Die Aufnahme von Pflanzentoxinen, wie beispielsweise Alkaloiden, und Kontaminanten, wie beispielsweise Dioxinen und PFAS, stellt nicht nur ein gesundheitliches Risiko für das Tier selbst dar, sondern auch für den Verbraucher, wenn diese Stoffe via Transfer in die tierischen Lebensmittel gelangen.

Aufgaben

Die Aufgaben des Futtermittelzentrums konzentrieren sich auf die Durchführung experimenteller Versuche zum Transfer von Stoffen in der Nahrungskette, wobei die BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-eigene Haltung lebensmittelliefernder Tiere die Grundlage für unabhängige Transferstudien bildet. Im Mittelpunkt der Arbeit des interdisziplinären Teams aus wissenschaftlichen Mitarbeitenden mit Expertise aus den Bereichen Veterinärmedizin, Agrarwissenschaften, theoretische Chemie und Mathematik sowie Tierpflegenden steht das Prinzip „vom Acker auf den Teller“ („from stable to table“). Dieses besagt, dass die Sicherheit und Qualität von tierischen Lebensmitteln direkt von der Qualität des Futters abhängen. Gleichzeitig legt das Futtermittelzentrum im Rahmen der am Standort durchgeführten Forschungsarbeiten besonderes Augenmerk auf die Entwicklung und Validierung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden sowie Refinement-Maßnahmen für Nutztiere im Sinne des 3R-Prinzips. 

Die Arbeiten des Futtermittelzentrums dienen als Grundlage für die Erstellung von Gutachten und Stellungnahmen für die Bundesregierung in Bezug auf die Sicherheit von Futtermitteln sowie im Hinblick auf die Tiergesundheit und die Sicherheit von Lebensmitteln tierischer Herkunft wissenschaftlich beraten wird. Die wissenschaftlichen Bewertungen dienen als Grundlage für politische Entscheidungen, die den Verbraucherschutz betreffen. 

Die Aufgaben des Futtermittelzentrums umfassen:

  • Risikobewertung unerwünschter Stoffe in Futtermitteln und deren Einfluss auf die Sicherheit von Lebensmitteln tierischer Herkunft und die Tiergesundheit
  • Erarbeitung von Gutachten und Stellungnahmen zur Kontamination von Futtermitteln und Lebensmitteln aufgrund des Transfers aus Futtermitteln im Rahmen der Beratung von Bundes- und Landesbehörden
  • Stellungnahmen zu speziellen Fragen der Futtermittelsicherheit sowie der Fütterung und Ernährungsphysiologie von Heim- und Nutztieren
  • Leitung/Durchführung von tierexperimentellen Versuchen an landwirtschaftlichen Nutztieren zum Stofftransfer in der Nahrungskette
  • Entwicklung und Validierung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden für tierexperimentelle Versuche an landwirtschaftlichen Nutztieren
  • Entwicklung und Erprobung von Refinement-Maßnahmen für landwirtschaftliche Nutztiere im Tierversuch (Medical Training, KI-gestützte Belastungserkennung)
  • Erstellung von toxikokinetischen Computermodellen für den Transfer unerwünschter Stoffe auf der Grundlage von Datensätzen aus in vivo-, in vitro-, ex vivo- und in silico-Versuchen
  • Bewirtschaftung des landwirtschaftlichen und milcherzeugenden Betriebes inkl. Haltung und Zucht von landwirtschaftlichen Nutztieren, Generierung von Referenzmaterial sowie Aus- und Weiterbildung von Tierpflegern

Forschungsprojekte des Futtermittelzentrums

  • Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS): Transferversuche an Milchziegen und Masthühnern, Untersuchung zur Verteilung von PFAS in Milchfraktionen, Erweiterung des toxikokinetischen Modells zum Transfer von PFAS in laktierende Wiederkäuer
  • Pflanzentoxine: Fütterungsstudien zum Transfer von Chinolizidinalkaloiden aus Lupinen in Kuhmilch, Meta-Studie zum Effekt der Lupinenfütterung auf Schweine, Untersuchungen zum Verhalten von Pflanzentoxinen aus Nachtschatten und Stechapfel im Silierprozess, Detektion von Frühlings-Greiskraut in Heu durch Hunde
  • Halogene: Untersuchungen zum Transfer von Bromid aus Algen in Kuhmilch
  • Weiterentwicklung des digitalen Programms „Contaminant Transfer Predictor“ (ConTrans) zur Vorhersage des Stofftransports in der Nahrungskette
  • Entwicklung und Validierung von in vitro-Verdaumethoden (3R)

Gremien

Bei seiner Arbeit wird das Futtermittelzentrum durch die BfR-Kommission für Futtermittel und Tierernährung unterstützt, deren Geschäftsführung vom Futtermittelzentrum wahrgenommen wird.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fachgruppe sind in verschiedenen nationalen und internationalen Arbeitsgruppen und Gremien aktiv, beispielsweise in der Arbeitsgruppe "Carry over unerwünschter Stoffe in Futtermitteln" beim BMLEH, in verschiedenen Bund-Länder Arbeitsgruppen wie der LAV-AFU oder in der EU Member States Initiative Group on PFAS. Durch ihre wissenschaftliche Expertise unterstützen sie die Erarbeitung praxisrelevanter Lösungs- und Handlungskonzepte. Zudem arbeitet die Fachgruppe in nationalen und internationalen Forschungsprojekten.

Kontakt

PDkurz fürPrivatdozent Dr. Robert Pieper Leitung (kommissarisch) Abteilung Lebens- und Futtermittelsicherheit in der Nahrungskette Besucheranschrift: Max-Dohrn-Str. 8-10
10589 Berlin
Deutschland
Postanschrift: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung)
Max-Dohrn-Str. 8-10
10589 Berlin
Deutschland
Telefon: 030-18412-78001 030-18412-78001 E-Mail: 8fz@bfr.bund.de