Die MyToolBox-Projektpartner testeten verschiedene „Pre-Harvest“-Strategien
zur Mykotoxinreduzierung im Hinblick auf ihre . Diese Maßnahmen
umfassten: Biopestizide und Biofumigationstechniken, die in Feld- und
Gewächshausversuchen mit Weizen und Hafer in Großbritannien und Norwegen
getestet wurden; Resistenz von Maissorten gegenüber
Aspergillus flavus-Infektionen, die auf Feldern in Italien und
Serbien getestet wurden; sowie neue atoxigene
Aspergillus flavus-Isolate, die auf Feldern in Serbien getestet
wurden. Die Strategien zur Mykotoxinreduktion bei Mais, der in Südeuropa
angebaut wird, zeigten sehr vielversprechende Ergebnisse: Die Verwendung
resistenter Sorten führte bei normalen Erträgen zu einer bis zu 98%igen
Reduktion von Aflatoxin B1, während der Einsatz eines atoxigenen
Stammes eine Aflatoxin-B1-Reduktion von bis zu 73% zeigte. Die
Biokontrollstrategien für Weizen und Hafer in Großbritannien und Norwegen
wurden optimiert. Diese Bemühungen wurden durch die Entwicklung europäischer
Modelle ergänzt, die die Kontamination mit Deoxynivalenol in Weizen sowie die
Fumonisin- und Aflatoxin-Kontamination in Mais bis zu 4 Tage im Voraus
vorhersagen. Für die Biokraftstoffproduktion wurden rekombinante Enzyme zur
Bioethanolproduktion hinzugefügt. Damit konnten Fumonisin B1 und
Zearalenon in Labortests zeitgleich bis zu 99% bzw. 89% abgebaut werden. Die
Bildung von hydrolysiertem Fumonisin B1 und hydrolysiertem
Zearalenon als Abbauprodukte bestätigte die Biotransformation.
Um „Post-Harvest“-Kontaminationen mit Mykotoxinen während
der Lagerung vorzubeugen, wurden Sensoren entwickelt, um das potenzielle
Pilzwachstum – und damit die Mykotoxinkontamination – in Weizen und Mais, die
in europäischen Silos gelagert werden, vorherzusagen. Ihre Funktionalität und
die zugrundeliegenden Algorithmen wurden in Silos im Pilotmaßstab getestet und
verbessert. Durch die Einbeziehung von CO2 als
Frühwarnparameter konnte die Zearalenon-Kontamination in Weizen und die
Aflatoxin-B1-Kontamination in Mais 3–5 Tage früher vorhergesagt
werden, als wenn nur temperaturempfindliche Sensoren verwendet würden. Diese
Bemühungen wurden durch die Entwicklung ähnlicher Vorhersagemodelle für
Erdnüsse ergänzt, die in großen Silos in China gelagert werden.
Die Evaluierung von Mahl- und Backtechniken lieferte
ermutigende Ergebnisse für Lebensmittelhersteller und Aufsichtsbehörden:
Verschiedene Sortier-, Mahl- und Mikronisierungstechniken wurden untersucht und
kombiniert, um die Deoxynivalenol(DON)-Kontamination im Endprodukt zu
reduzieren. Das optimale Gleichgewicht von niedrigem DON bei hohem Fasergehalt
wurde durch die Verwendung der mittleren Kleiefraktion in Kombination mit
Hammermahlen und Sieben erreicht, was zu einem Endprodukt führte, in dem die
DON-Gehalte deutlich unter den Höchstwerten liegen und der
Gesamtballaststoffgehalt weit höher ist als in herkömmlichen Vollkornprodukten.
Die DON-Umwandlung während des Backens wurde mit Hilfe eines
LC-HRMS-Metabolomics-Ansatzes mit 12C/13C-Markierung bewertet,
der eine vollständige Massenbilanz des DON-Abbaus während der thermischen
Verarbeitung ermöglichte. Dabei zeigte sich, dass DON in Crackern um 6%, in
Keksen um 5% und in Brot um 2% abgebaut wurde, wobei isoDON (1,3–3,9%) das
Hauptabbauprodukt war. In-vitro-Translationsexperimente zeigten, dass isoDON
weniger toxisch ist als DON. Die Projektergebnisse bei der Optimierung von
Verarbeitungsverfahren zur Mykotoxinminderung wurden im Bericht des
BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung über
Verarbeitungsfaktoren in Getreidenahrungsmittelketten und Empfehlungen für
Regulierungsbehörden berücksichtigt.
Im Rahmen von MyToolBox wurde auch ein neuartiges
Sortiersystem für getrocknete Feigen entwickelt, das auf einer Kombination von
optischen Sortiertechnologien und Algorithmen basiert. Der Prototyp wurde im
Oktober 2019 den Endanwendern demonstriert und erreichte eine erhöhte
von bis zu 80 % unter UV-Licht.
Die E-Plattform MyToolBox wurde am 28. Februar 2020
offiziell eingeführt: Neben der Echtzeit-Prognose von Mykotoxinen auf Feldern
und in Silos wurden verfügbare Informationen, wie gute landwirtschaftliche
Praxis, Probenahmepläne, Szenarien für Anbausaisonen, Rechtsvorschriften usw.
analysiert, kombiniert und in leicht verständlichen Text umgewandelt, um
sicherzustellen, dass Endbenutzer entlang der gesamten Lebens- und
Futtermittelkette geeignete Informationen finden. In Fokusgruppensitzungen mit
potenziellen Endbenutzern, welche in den Niederlanden, Großbritannien, Serbien,
Italien, Norwegen und China stattfanden, wurden die Anwender die App informiert
und diese getestet.