Wenn Lebensmittel krank machen – Von der Last zur Lösung Welttag der Lebensmittelsicherheit am 7. Juni 2026
Darum geht es:
Weltweit erkrankt einer von zehn Menschen jährlich durch Lebensmittel, die beispielsweise mit Bakterien, Viren, Parasiten oder Giftstoffen (Toxinen) verunreinigt (kontaminiert) sind. Dabei lassen sie sich durch gezielte Maßnahmen entlang der Lebensmittelkette auf Basis wissenschaftlicher Daten größtenteils vermeiden. Zum Welttag der Lebensmittelsicherheit am 7. Juni 2026 weist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung) auf sein digitales Werkzeug „Contaminant Transfer Predictor“ (ConTrans) hin. Es unterstützt das Risikomanagement dabei, Übergänge von unerwünschten Stoffen aus Futtermitteln in tierische Lebensmittel vorherzusagen. Auch Kontaminationsszenarien können so leichter simuliert werden. „Verlässliche Daten sind die Grundlage für wirksamen gesundheitlichen Verbraucherschutz“, sagt BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-Präsident Professor Dr. Dr. Dr. h.c. Andreas Hensel. „Instrumente wie ConTrans zeigen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse dazu beitragen können, gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen und gezielte Maßnahmen abzuleiten – ganz im Sinne des Welttags der Lebensmittelsicherheit.“
Das diesjährige Motto des Aktionstages lautet „From burden to solutions – safe food everywhere“ und macht somit auf die Wichtigkeit von zuverlässigen Daten bei der Bekämpfung von lebensmittelbedingten Krankheiten aufmerksam. Wie hoch ist der Gehalt an unerwünschten Stoffen, die von Futtermitteln in tierische Lebensmittel übergehen? Wie lange dauert das überhaupt? Und wann ist damit zu rechnen, dass Fleisch, Eier oder Milch nach der Umstellung auf nicht verunreinigtes Futter wieder „sauber“ sind? Die BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-Software ConTrans hilft abzuschätzen, ob Höchstgehalte von Substanzen in Lebensmitteln überschritten werden und dadurch gesundheitliche Risiken zu erwarten sind. Dies ermöglicht es beispielsweise, den Gehalt von Aflatoxinen in Kuhmilch zu ermitteln.
Aflatoxine sind Schimmelpilzgifte, die insbesondere in pflanzlichen aber auch in tierischen Lebensmitteln wie Milch auftreten können. Sie weisen ein hohes krebserregendes Potential auf und sind genotoxisch, also erbgutschädigend. Daher gelten für sie Höchstmengen in Lebensmitteln. Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen, dass diese Höchstmengen in von ihnen produzierten Lebensmitteln nicht überschritten werden. Behördliche Untersuchungsämter kontrollieren dies regelmäßig.
Kühe können durch Futtermittel Aflatoxin B1 (AFB1) aufnehmen. Dieses wird dann in der Leber zu Aflatoxin M1 (AFM 1) umgewandelt. Zwar wird dies in erster Linie durch Galle und Urin ausgeschieden, ein Teil kann jedoch auch in die Milch gelangen. Kühe, die vergleichsweise viel Milch geben, geben dadurch anteilig mehr AFM 1 in die Milch ab. Es gibt also eine höhere Transferrate.
Mit Hilfe von ConTrans konnten Forscherinnen und Forscher des BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung nun ein Modell entwickeln, das ermöglicht, den Zusammenhang zwischen Milchleistung und Transferrate genauer vorherzusagen. Dies hilft Anwendern herauszufinden, wie viel AFB1 im Futter höchstens vorhanden sein darf, um die Aflatoxin M1-Höchstgehalte in der Milch einzuhalten. Auch für die Überwachungsbehörden der Bundesländer und für Managementbehörden weltweit kann dies ein hilfreiches Tool sein, um einzuschätzen, wie hoch der Gehalt an Aflatoxinen in Futtermitteln sein darf.
Auch die Auswirkungen des Klimawandels auf die Lebensmittelsicherheit werden im Rahmen des internationalen Mottotages diskutiert. Mit dem am BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung entwickelten Model können bereits jetzt für Regionen, in denen möglicherweise durch Aflatoxine kontaminierte Futterpflanzen erst durch veränderte klimatische Bedingungen eine Rolle spielen werden, vorbeugende Maßnahmen entwickelt werden. Ganz nach dem Motto „Von der Last zu gezielten Lösungen“ ist so vorausschauendes Handeln möglich.
Weitere Informationen zu ConTrans und dem Modell sind auf der Externer Link:Seite des BfR zu finden.
Welche Rolle lebensmittelsicherheitsrelevante Daten für die Umsetzung wissenschaftlich fundierter Maßnahmen spielen, wurde auch im Rahmen eines Treffens zum diesjährigen Welttag der Lebensmittelsicherheit diskutiert. Internationale Expertinnen und Experten tauschten sich vom 3. bis zum 4. Juni 2026 in Bosnien und Herzegowina zu Themen wie der Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Lebensmittelsicherheit aus.
Was ist der Welttag der Lebensmittelsicherheit?
Um auf die Bedeutung sicherer Lebensmittel aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen den 7. Juni zum „Welttag der Lebensmittelsicherheit“ (World Food Safety Day) bestimmt, der seit 2018 jedes Jahr unter einem neuen Motto steht.
Weitere Informationen: Externer Link:https://www.who.int/campaigns/world-food-safety-day/2026
Weitere Informationen auf der BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-Website zum Thema Lebensmittelsicherheit
BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-Presseinformation zum BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-Computerprogramm „ConTrans
https://www.bfr.bund.de/presseinformation/vom-trog-auf-den-teller-digital-berechnet/
BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-Mitteilung: Wie viel Schimmelpilzgift aus dem Kuhfutter gelangt in die Milch?
https://www.bfr.bund.de/mitteilung/wie-viel-schimmelpilzgift-aus-dem-kuhfutter-gelangt-in-die-milch/
BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-Presseinformationen zum Welttag der Lebensmittelsicherheit am 7. Juni 2025
https://www.bfr.bund.de/presseinformation/wissenschaft-in-aktion/
Über das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). Es schützt die Gesundheit der Menschen präventiv in den Tätigkeitsbereichen Public Health und Veterinary Public Health. Das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung berät die Bundesregierung und die Bundes-länder zu Fragen der Lebens- und Futtermittel-, Chemikalien- und Produkt-sicherheit. Das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.