Studie über Zusammenhänge zwischen der frühkindlichen Aufnahme von Dioxinen und PFAS und der Samenqualität bei jungen Männern
Darum geht es:
Es gibt Hinweise darauf, dass die frühe Aufnahme von Chemikalien aus der Gruppe der Dioxine und der per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) im Mutterleib und in der Säuglingszeit die Samenqualität im Erwachsenenalter beeinträchtigen könnte. Diesem Zusammenhang ist nun auch ein Wissenschaftlerteam des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung) und der Universität Ulm nachgegangen. Bei den 98 Mutter-Sohn-Paaren der Untersuchung handelte es sich um eine Untergruppe der im Jahr 2000 gestarteten Ulmer Geburtskohortenstudie.
Ergebnis: Ein Zusammenhang zwischen früher Aufnahme (ExpositionExpositionZum Glossareintrag) von PFAS und der Samenqualität im späteren Leben war nicht nachweisbar. Bei Dioxinen zeigte sich zwar ein negativer Trend, der jedoch nicht statistisch abgesichert werden konnte. Die Autorinnen und Autoren heben hervor, dass diese Studie aufgrund der kleinen Stichprobe, möglicher systematischer Fehler (BiasUnter Bias wird jegliche(r) systematische(r) Fehler bzw. Verzerrung im Design, in der Durchführung…Zum Glossareintrag) und Störfaktoren (Confounder) einen Zusammenhang nicht mit Sicherheit ausschließt.
Die Studie wurde im „Journal of Hazardous Materials Advances“ veröffentlicht.
Link zur Studie: Externer Link:https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2772416626005474
Da sich beide Verbindungsgruppen in der Nahrungskette anreichern, werden sie hauptsächlich über Lebensmittel tierischer Herkunft wie Fleisch, Eier und Fisch aufgenommen. Über die Muttermilch gehen sowohl Dioxine als auch PFAS in erheblichem Maß auf das Kind über. Um die möglichen Folgen dieser Aufnahme auf die Samenqualität zu erforschen, musste die Exposition durch beide Stoffgruppen gleichzeitig gemessen werden.
Bei der Geburt abgenommenes mütterliches Blutserum und sechs Wochen später gesammelte Muttermilch wurden zunächst tiefgefroren konserviert. Um die Konzentration von PFAS und Dioxinen zu ermitteln, wurden die Proben dann mehr als 20 Jahre später aufgetaut und analysiert. Gemessen wurden Dioxine (PCDD, PCFD und dioxinähnliche PCBs) in der Muttermilch und PFAS im Serum. Aus diesen Werten wurden die vorgeburtliche Aufnahme sowie die Gesamtaufnahme während der Stillzeit abgeschätzt. Die Samenqualität der männlichen Teilnehmer wurde ca. 20 Jahre nach der Geburt untersucht. Bei der Auswertung wurde geprüft, ob zwischen beiden Messparametern – Exposition und Samenqualität – ein Zusammenhang bestand.
Wie auch aus anderen Untersuchungen bekannt ist, ist die Aufnahme von Dioxinen und PFAS seit der Jahrtausendwende in Deutschland deutlich zurückgegangen. Bei der frühkindlichen Aufnahme von PFAS (vorgeburtlich und in der Stillzeit) zeigte sich kein negativer Zusammenhang mit Parametern der Samenqualität, beispielsweise der Spermienkonzentration. Damit wurden Ergebnisse einer im Jahr 2022 erschienenen dänischen Studie nicht bestätigt.
Bei den Dioxinen zeigte sich ein negativer Trend, der jedoch nicht signifikant war. Es ergaben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass kritisch niedrige Spermienkonzentrationen (unterhalb 15 Millionen pro Milliliter) mit hoher Dioxin-Belastung verbunden waren. Insgesamt kann die Studie jedoch aufgrund der kleinen Stichprobe und möglicher systematischer Fehler (Bias) und Störfaktoren (Confounder) einen negativen Zusammenhang bei den Dioxinen nicht ausschließen. Ein solcher Effekt ist bei höheren Aufnahmen (beispielsweise beim Seveso-Unfall im Jahr 1976) als sensitivste Dioxin-Wirkung anzusehen und wird durch Erkenntnisse aus tierexperimentellen Untersuchungen unterstützt. Bei der kürzlich erfolgten Aktualisierung der Dioxin-Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSAkurz fürEuropean Food Safety Authority (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit)) konnte die neue Studie noch nicht berücksichtigt werden.
Weitere Informationen auf der BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-Website zu PFAS und Dioxinen
- Fragen und Antworten zu PFAS Zu den FAQ
- Fragen und Antworten zu Dioxinen und PCB in Lebensmitteln Zu den FAQ