Sie befinden sich hier:

Verbrauchersicherheit und Pflanzenschutzmittelrückstände

Pflanzenschutzmittel

Auch wenn Pflanzenschutzmittel vorschriftsmäßig angewendet werden, können Rückstände auf Erntegütern verbleiben.

Als Pflanzenschutzmittelrückstände werden Reste von Wirkstoffen und deren Abbauprodukten bezeichnet, die auf bzw. in einem Lebens- oder Futtermittel zurückbleiben. Abbauprodukte können im pflanzlichen Stoffwechsel gebildet werden oder z. B. durch Wärme, Feuchtigkeit oder Sonnenlicht entstehen. Pflanzenschutzmittel werden zu unterschiedlichen Zeiten während der Vegetationsperiode oder während der Lagerung eingesetzt. Ihre Wirkstoffe werden unterschiedlich rasch abgebaut. Insbesondere dann, wenn sie kurz vor oder sogar nach der Ernte eingesetzt werden oder wenn ihre Wirkstoffe langlebig sind, muss mit Rückständen gerechnet werden. Für Rückstände von Pflanzenschutzmitteln werden Höchstgehalte in Lebensmitteln festgesetzt.

Vor der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln werden die zu erwartenden Rückstände in rohen und verarbeiteten Lebensmitteln unter Berücksichtigung der vorgesehenen Anwendungsbedingungen experimentell ermittelt. Sobald ein Pflanzenschutzmittel zugelassen ist, werden von den Überwachungsbehörden der Bundesländer zusätzlich Informationen über tatsächlich auftretende Rückstände in Lebensmitteln erhoben.

Gesetzlich festgesetzte Rückstandshöchstgehalte

Ein Rückstandshöchstgehalt, früher auch Rückstandshöchst„menge“ genannt, gibt den maximal zulässigen Rückstand eines Pflanzenschutzmittelwirkstoffs in oder auf einem Lebens- oder Futtermittel an.

Bevor ein Rückstandshöchstgehalt festgesetzt oder geändert werden kann, muss sichergestellt sein, dass seine Einhaltung auch überwacht werden kann. Dazu müssen die Rückstände analytisch bestimmbar sein, nach Möglichkeit mit einem schnellen und einfachen analytischen Routineverfahren.

Rückstandshöchstgehalte werden so niedrig festgesetzt, dass sie kein Gesundheitsrisiko für Verbraucher darstellen. Gleichzeitig werden sie nie höher festgesetzt als es bei Befolgung aller für die beantragten Pflanzenschutzmittel-Anwendungen festgelegten Bedingungen nach den Regeln der „Guten Landwirtschaftlichen Praxis“ erforderlich ist. Damit wird dem Minimierungsgebot für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln Rechnung getragen.

Eine Grundlage für die Festsetzung der Rückstandshöchstgehalte bilden Rückstandsversuche, die entsprechend der beantragten und zur Bekämpfung des Schaderregers erforderlichen Anwendung eines Pflanzenschutzmittels durchgeführt werden müssen.

Rückstandsversuche

Die Versuche sind unter kontrollierten Bedingungen so angelegt, dass die kritischste vorgesehene Anwendung geprüft wird: die höchste zulässige Applikationsmenge, die höchste zulässige Zahl von Applikationen, der späteste zulässige Anwendungszeitpunkt sowie die kürzeste Wartezeit zwischen letzter Anwendung und Ernte. Aus den Versuchsergebnissen wird abgeleitet, welche (unvermeidlichen) Rückstände im Erntegut verbleiben und - wenn keine Hinweise auf ein Verbraucherrisiko bestehen - werden entsprechende Rückstandshöchstgehalt vorgeschlagen.

Das BfR wirkt an der Festsetzung, Überprüfung und Änderung von Rückstandshöchstgehalten mit. Seit dem 01. September 2008 gelten in allen EU-Staaten dieselben Rückstandshöchstgehalte für Pflanzenschutzmittelwirkstoffe in Lebensmitteln. Sie wurden mit der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 und den entsprechenden Folgeverordnungen in Kraft gesetzt. Es ist vorgesehen, zukünftig auch Rückstandshöchstgehalte für Futtermittel im Rahmen dieser Verordnung festzusetzen.

Expositionsschätzung für Verbraucher

Aus der Höhe eines Pflanzenschutzmittel-Rückstands im Lebensmittel und der üblicherweise verzehrten Menge des Lebensmittels wird die Exposition für Verbraucher, also die aufgenommene Menge, ermittelt. Informationen hierzu hat das BfR auf der Seite „Expositionsschätzung“ zusammengestellt.

Überwachung von Rückständen in Lebensmitteln

Für die Überwachung von Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln sind in Deutschland die Bundesländer zuständig. Die Antragsteller haben mit den Antragsunterlagen für die Genehmigung der Wirkstoffe und die Zulassung der Pflanzenschutzmittel auch entsprechende Analysenmethoden für die Überwachung von Rückständen in Lebensmitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs vorzulegen. Das BfR bewertet die eingereichten Analysenmethoden auch im Hinblick auf die Praktikabilität und stellt diese für die Überwachungseinrichtungen der Bundesländer bei Bedarf zur Überprüfung der gesetzlichen Rückstandshöchstgehalte zur Verfügung.

Zur Problematik der Bewertung von Überwachungsproben hat das BfR gemeinsam mit dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eine Publikation verfasst: Banasiak U, Herrmann M, Hohgardt K, Michalski B, Sieke C (2007) Abschätzung des akuten Risikos durch Pflanzenschutzmittel-Rückstände in Lebensmitteln auf der Basis von Daten aus amtlicher Überwachung und Eigenkontrollen. J. Verbr. Lebensm. 2: 54–60.

Auswirkung auf die Umwelt

Rückstände von Pflanzenschutzmittelanwendungen können auch im Boden verbleiben oder in das Oberflächen- oder Grundwasser eingetragen werden. Für die Bewertung möglicher schädlicher Wirkungen auf die Umwelt ist das Umweltbundesamt (UBA) zuständig. Die Antragsteller haben mit den Antragsunterlagen für die Genehmigung der Wirkstoffe und die Zulassung der Pflanzenschutzmittel auch Analysenmethoden für die Überwachung von Rückständen in den Umweltkompartimenten (Boden, Wasser, Luft) vorzulegen, die vom BfR geprüft werden.


 

 

nach oben

Stellungnahmen

 (10)
Datum Titel Größe
03.04.2019
Stellungnahme Nr. 008/2019 des BfR
Neue Meta-Analyse zu glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln ändert die Bewertung des Wirkstoffs nicht 39.3 KB
PDF-Datei
20.09.2013
Stellungnahme Nr. 026/2013 des BfR
Erste Einschätzung von Glyphosatfunden im Urin von Milchkühen 38.1 KB
PDF-Datei
29.07.2013
Aktualisierte Stellungnahme Nr. 023/2013 des BfR
Glyphosat im Urin - Werte liegen weit unterhalb eines gesundheitlich bedenklichen Bereichs 38.0 KB
PDF-Datei
19.10.2011
Stellungnahme Nr. 046/2011 des BfR
Neues BfR-Modell für die deutsche Bevölkerung im Alter von 14 bis 80 Jahren zur Berechnung der Aufnahme von Pflanzenschutzmittel-Rückständen mit der Nahrung 37.5 KB
PDF-Datei
02.08.2011
Aktualisierte Stellungnahme Nr.034/2011 des BfR
Organozinnverbindungen in verbrauchernahen Produkten 93.4 KB
PDF-Datei
28.02.2009
Stellungnahme 009/2009 des BfR vom
Nikotin in getrockneten Steinpilzen: Ursache der Belastung muss geklärt werden 107.3 KB
PDF-Datei
29.01.2009
Stellungnahme der „BfR-Kommission für Pflanzenschutzmittel und ihre Rückstände“
Veröffentlichungen über unsichere Höchstmengen von Pestizidrückständen in Lebensmitteln 60.2 KB
PDF-Datei
26.09.2008
Stellungnahme Nr. 040/2008 des BfR
Greenpeace-Bericht „Die unsicheren Pestizidhöchstmengen in der EU“ enthält keine belastbaren Aussagen über mögliche Gesundheitsrisiken von Verbrauchern 134.9 KB
PDF-Datei
27.03.2008
Stellungnahme Nr. 012/2008 des BfR
Analysenergebnisse von PAN Europe: BfR sieht keine gesundheitlichen Risiken durch die nachgewiesenen Pestizid-Rückstände in Wein 57.1 KB
PDF-Datei
09.10.2007
Stellungnahme Nr. 041/2007 des BfR
BfR hält die Aufnahme von Organophosphatverbindungen über Fruchtsaft für unwahrscheinlich 157.9 KB
PDF-Datei

nach oben

Fragen und Antworten

 (1)
Datum Titel Größe
17.07.2015
Aktualisierte FAQ des BfR
Fragen und Antworten zu Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln 67.1 KB
PDF-Datei

nach oben

Mitteilungen

 (21)
Datum Titel Größe
06.05.2019
Mitteilung 016/2019 des BfR
US-amerikanische Umweltbehörde EPA: Kein Krebsrisiko durch Glyphosat 23.8 KB
PDF-Datei
24.05.2018
Aktualisierte Mitteilung 012/2018 des BfR
Einschätzung zu Gehalten von Glyphosat in Bier 21.1 KB
PDF-Datei
22.12.2017
Mitteilung 036/2017 des BfR
Glyphosat: Neue epidemiologische Studie findet keinen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und der Anwendung von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln 84.1 KB
PDF-Datei
22.12.2017
Mitteilung 038/2017 des BfR
Glyphosat: Amerikanische Umweltschutzbehörde EPA veröffentlicht Entwurf zur Risikobewertung zur öffentlichen Kommentierung 38.1 KB
PDF-Datei
16.11.2017
Mitteilung 033/2017 des BfR
Ergänzungen zum Verfahren der Bewertung des Pflanzenschutzmittelwirkstoffes Glyphosat, zur Unabhängigkeit des BfR und den gesetzlichen Datenanforderungen in Bewertungsverfahren 45.7 KB
PDF-Datei
06.07.2017
Mitteilung Nr. 012/2017 des BfR
Glyphosat: EFSA und ECHA antworten Christopher Portier 43.0 KB
PDF-Datei
30.05.2017
Mitteilung 008/2017 des BfR
Keine neuen Erkenntnisse bei der Risikobewertung von Glyphosat 78.1 KB
PDF-Datei
17.03.2017
Mitteilung 002/2017 des BfR
ECHA klassifiziert Glyphosat als nicht krebserregend, nicht mutagen und nicht reproduktionstoxisch 169.4 KB
PDF-Datei
30.09.2016
Mitteilung Nr. 031/2016 des BfR
Mehr Transparenz bei Glyphosat: BfR unterstützt die Freigabe der wissenschaftlichen Rohdaten durch die EFSA 33.0 KB
PDF-Datei
19.05.2016
Mitteilung Nr. 013/2016 des BfR
Populäre Missverständnisse, Meinungen und Fragen im Zusammenhang mit der Risikobewertung des BfR zu Glyphosat 56.8 KB
PDF-Datei
04.03.2016
Mitteilung 006/2016 des BfR
Empfindliche Bevölkerungsgruppen, insbesondere Kinder, sind das Maß aller Dinge bei der wissenschaftlichen Risikobewertung 39.6 KB
PDF-Datei
12.11.2015
Mitteilung 042/2015 des BfR
Glyphosat: EFSA und Experten von EU-Mitgliedstaaten bestätigen wissenschaftliche Bewertung der deutschen Behörden 28.2 KB
PDF-Datei
23.10.2015
Mitteilung 040/2015 des BfR
Behörden der EU-Mitgliedstaaten bescheinigen der BfR-Bewertung der IARC-Monographie zu Glyphosat hohe wissenschaftliche Qualität und Aussagekraft 51.4 KB
PDF-Datei
08.09.2015
Mitteilung 028/2015 des BfR
BfR-Einschätzung der IARC-Monografie zu Glyphosat in den europäischen Bewertungsprozess eingebracht 63.9 KB
PDF-Datei
30.07.2015
Mitteilung 024/2015 des BfR
BfR prüft Monographie der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) zu Glyphosat - Divergenzverfahren innerhalb der WHO noch nicht aufgehoben 37.1 KB
PDF-Datei
29.07.2015
Mitteilung 023/2015 des BfR
BfR hat offen über alle vorliegenden Informationen zur Bewertung der Kanzerogenität von Glyphosat berichtet 30.7 KB
PDF-Datei
03.07.2015
Aktualisierte Mitteilung Nr. 020/2015 des BfR
BfR-Zuarbeit im EU-Genehmigungsverfahren von Glyphosat abgeschlossen - BfR empfiehlt, Bericht der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) im Verfahren zu berücksichtigen 24.3 KB
PDF-Datei
26.06.2015
Mitteilung Nr. 019/2015 des BfR
Einschätzung zu Gehalten von Glyphosat in Muttermilch und Urin 45.0 KB
PDF-Datei
08.06.2015
Mitteilung 016/2015 des BfR
Löst Glyphosat Krebs aus? - Divergierende Bewertungen innerhalb der WHO sollen durch Expertengruppe aufgeklärt werden 32.7 KB
PDF-Datei
23.03.2015
Mitteilung 007/2015 des BfR
Löst Glyphosat Krebs aus? 29.1 KB
PDF-Datei
14.01.2015
Mitteilung des BfR Nr. 002/2015
EU-Wirkstoffprüfung zu Glyphosat: Stand der Dinge und Ausblick 31.5 KB
PDF-Datei

nach oben

Offene Briefe

 (1)
Datum Titel Größe
14.01.2016
Mitteilung 003/2016 des BfR
Offener Brief zur Bewertung der Kanzerogenität von Glyphosat: EFSA und BfR antworten 36.9 KB
PDF-Datei

nach oben

Infografiken

 (2)
Datum Titel Größe
21.09.2016
Infografik
Zonales Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel in der EU 161.4 KB
PDF-Datei
14.06.2016
Infografik
EU-Genehmigungsverfahren von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen 246.0 KB
PDF-Datei

nach oben

Positionspapiere

 (1)
Datum Titel Größe
12.03.2007
Positionspapier
Nulltoleranzen in Lebens- und Futtermitteln 200.0 KB
PDF-Datei

nach oben

Publikationen - BfR-Wissenschaft

 (1)
Datum Titel Größe
27.07.2011
BfR-Wissenschaft 02/2011
Pesticide Residues in Food 582.6 KB
PDF-Datei

nach oben

Presseinformationen

 (18)
Datum Titel Schlagworte
15.03.2019
09/2019
Pflanzenschutzmittel-Zulassung: Vorsorge im Vordergrund Glyphosat, Pflanzenschutzmittel
15.01.2019
02/2019
Europäische Glyphosatbewertung erfolgt qualitätsgesichert und unabhängig - Berichte der Industrie sind zwangsläufig Teil der Bewertungsberichte Glyphosat, Pflanzenschutzmittel
15.05.2018
19/2018
Genehmigung von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen: Transparenz hat Vorrang Glyphosat, Pflanzenschutzmittel
08.02.2018
06/2018
BfR begrüßt Bestrebungen für verbesserte Pestizid-Gesetzgebung Glyphosat, Pflanzenschutzmittel
11.10.2017
41/2017
Europäische Glyphosatbewertung erfolgte qualitätsgesichert und unabhängig Glyphosat, Pflanzenschutzmittel
05.10.2017
40/2017
Haltlose Vorwürfe gegen wissenschaftliche Bewertungsbehörden Glyphosat, Pflanzenschutzmittel
20.09.2017
34/2017
Glyphosatbewertung: BfR weist Plagiatsvorwürfe zurück Glyphosat, Pflanzenschutzmittel
10.03.2017
09/2017
Kumulative Bewertung von Pflanzenschutzmitteln: BfR-Konzept wird Bestandteil der Zulassung Mehrfachrückstände, Pflanzenschutzmittel
04.03.2016
11/2016
Glyphosat im Urin: Werte liegen auch bei Kindern im erwartbaren Bereich und sind gesundheitlich unbedenklich Glyphosat, Pflanzenschutzmittel
01.03.2016
10/2016
Divergenz zwischen medialer Berichterstattung und wissenschaftlicher Bewertung führt zu Verbraucherskepsis Glyphosat, Pflanzenschutzmittel, Risikokommunikation, Risikowahrnehmung
11.02.2016
08/2016
BfR-Studie bestätigt: Kein Glyphosat in Muttermilch nachweisbar Glyphosat, Muttermilch, Pflanzenschutzmittel
28.09.2015
25/2015
Mehr Sachlichkeit in der Diskussion um die EU-Wirkstoffprüfung von Glyphosat gefordert Glyphosat, Pflanzenschutzmittel
30.06.2015
16/2015
Nationale Stillkommission und BfR empfehlen Müttern, weiterhin zu stillen Glyphosat, Muttermilch, Pflanzenschutzmittel
20.01.2014
03/2014
Glyphosat: Nicht giftiger als bisher angenommen, aber bestimmte Beistoffe sind kritisch zu betrachten Glyphosat, Pflanzenschutzmittel
22.04.2013
11/2013
Mehrfachrückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln sollten anhand klarer und einfacher Kriterien bewertet werden Mehrfachrückstände, Pflanzenschutzmittel
02.06.2008
B/2008
Analyse und Bewertung von Pflanzenschutzmittel-Rückständen Analytik, Lebensmittelsicherheit, Pflanzenschutzmittel
15.11.2005
36/2005
Pflanzenschutzmittel in Lebensmitteln: Risikobewertung von Mehrfachrückständen soll optimiert werden Mehrfachrückstände, Pflanzenschutzmittel
09.11.2005
A/2005
Bewertung von Mehrfachrückständen von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln - Hintergrundinformation Mehrfachrückstände, Pflanzenschutzmittel

nach oben