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Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit haben in Deutschland eine lange Tradition

21/2001, 11.07.2001

Im Gegensatz zu den Themen hat sich die Kommunikation über Risiken in den letzten 125 Jahren deutlich verändert

Wer derzeit die Berichterstattung in den Medien verfolgt, könnte den Eindruck gewinnen, der Verbraucherschutz sei eine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Dabei enthält schon das Alte Testament Hinweise auf „Speise- und Schlachtgesetze“. Mit der Errichtung des Kaiserlichen Gesundheitsamtes im Jahre 1876 rückten Fragen der Hygiene der Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände endgültig in den Mittelpunkt staatlicher Arbeit. So galt es beispielsweise die Schlachtviehhygiene sicherzustellen und die wissenschaftlichen Grundlagen für das „Reichsgesetz über Nahrungs- und Genussmittel sowie Gebrauchsgegenstände“ zu erarbeiten. Manches Thema von damals hat nichts an Aktualität eingebüßt, wie die Frage „des Transportes lebender Tiere auf Eisenbahnen“ im Rahmen der Tierseuchenbekämpfung. Auch wenn von Neuartigen Lebensmitteln noch lange nicht die Rede war, hat sich an den zentralen Themen des Verbraucherschutzes über die Jahre wenig geändert. Ganz anders der Umgang mit dem Verbraucher: Erst das Konzept der Risikokommunikation als unverzichtbarer Bestandteil jeder Risikoanalyse hat ihn als aktiven Part in das Geschehen einbezogen. „Neben Unabhängigkeit und wissenschaftlicher Kompetenz“, so Dieter Arnold, Leiter des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, „sind absolute Transparenz und der Dialog mit allen Beteiligten heute die Voraussetzung für einen effektiven, internationalen Ansprüchen gerecht werdenden Verbraucherschutz“.

Wie ein roter Faden zieht sich die Frage der sinnvollen Verteilung von Zuständigkeiten durch die Jahrhunderte, vom Heiligen Römischen Reich bis hin zur Kompetenzfrage zwischen Bund und Ländern. Bismarck machte Verbraucherschutz zur Reichssache. Mit der Aufgabe seiner Überwachung und Einhaltung wurden zahlreiche Institutionen im Reich und in den Ländern beauftragt. 1907 gab es allein in Preußen nicht weniger als 147 derartige Anstalten, staatliche, kommunale und private Laboratorien. Aber auch die „kriminellen Machenschaften“ lassen sich über Tausende von Jahren zurückverfolgen. Immer haben schwarze Schafe versucht, den Konsumenten durch Verfälschung und Verunreinigung von Produkten „hinters Licht“ zu führen, immer haben Verbraucherschützer versucht, ihnen das Handwerk zu legen. Verbraucherschutz wurde umso wichtiger, je weiter sich der Konsument im Zuge der Industrialisierung und Verstädterung vom Produzenten entfernte.

Eine vernünftige Rollenverteilung ist im gesundheitlichen Verbraucherschutz auch deshalb essentiell, weil immer wieder versucht wurde, den Verbraucherschutz für politische Interessen einzusetzen. Politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit muss die Institutionen auszeichnen, denen die wissenschaftliche Risikoabschätzung obliegt. Für risikomindernde Maßnahmen zu sorgen ist dagegen primär Sache der Politik. Welche Maßnahmen sie schließlich aufgrund wissenschaftlich fundierter, unabhängiger Bewertungen und Empfehlungen trifft, hängt von einer ganzen Reihe (wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer) Faktoren ab. Wesentlich ist, dass der Verbraucher durch ein Höchstmaß an Transparenz sowohl bei der wissenschaftlichen Bewertung als auch bei der politischen Entscheidung am Prozess beteiligt wird. Anders kann auf Dauer weder Vertrauen noch Akzeptanz erreicht werden.

Als eine der drei Nachfolgeeinrichtungen des Bundesgesundheitsamtes steht das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in der Tradition des Kaiserlichen Gesundheitsamtes. Auch heute, 125 Jahre nach dessen Errichtung, bilden Fragen der Lebensmittelsicherheit und des Verbraucherschutzes den Kern der Arbeit. Grund genug, für einen Blick zurück und in die Zukunft: Am 14. Juli 2001 lädt das BgVV zu einem Tag der offenen Tür ein, bei dem Sie Verbraucherschutz hautnah erleben können. Mit einem wissenschaftlichen Erlebnispfad durch Labors und Ställe, einer Diskussionsrunde, an der die Prozessbeteiligten von Land, Überwachung, Verbrauchereinrichtungen und Wissenschaft Fragen der Bürger beantworten, und mit Informationen zu zahlreichen Themen aus dem gesundheitlichen Verbraucherschutz möchten wir unsere Arbeit transparent gestalten.

Lassen Sie sich entführen in die Welt der Wissenschaft: Der Tag der offenen Tür beginnt um 14.00 Uhr auf unserem herrlichen Institutsgelände in Berlin-Marienfelde, Diedersdorfer Weg 1. Eingebettet ist er in ein Sommerfest. Auf die Kleinen wartet ein aufregendes Programm mit Sport, Spiel und Spannung, auf die Großen warten kulinarische Köstlichkeiten, Swing, Bossa Nova und andere brasilianische Rhythmen. Und etwas dazu lernen kann man auch noch bei unserem kleinen Quiz!

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