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BgVV warnt vor gesundheitlichen Risiken durch jodreiche Algenprodukte

13/2001, 03.04.2001

Institut empfiehlt Höchstmengenfestsetzung auf EU-Ebene und Kennzeichnung

Weltweit werden jährlich mehr als neun Millionen Tonnen marine Makroalgen geerntet. Haupterzeugerländer sind China, Japan, die Philippinen sowie Nord- und Südkorea. Zu den Makroalgen, die überwiegend in Aquakulturen angebaut werden, gehören Braun-, Rot- und Grünalgen. Während Algenerzeugnisse in asiatischen Ländern seit Jahrhunderten Bestandteil der traditionellen Küche sind, wo sie als Gemüse gekocht, für Salate verwendet oder als Würzmittel angeboten werden, haben sie auf dem deutschen Markt erst in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Ein Problem kann sich aus dem zum Teil extrem hohen Jodgehalt der Makroalgen ergeben, der auf den Produkten allerdings nur selten angegeben ist. Besonders hoch kann der Jodgehalt in getrockneten Algen- und Seetangprodukten sein. Die Lebensmittelüberwachung der Bundesländer wies in beanstandeten Algenerzeugnissen bis zu rund 6.500 mg Jod pro kg Trockengewicht nach. Nach Ansicht des BgVV können Lebensmittel und Würzmittel aus Algen oder Seetang mit mehr als 20 mg Jod pro kg Trockenmasse die Gesundheit schädigen.

In Ländern mit ausreichender Jodversorgung, wie z.B. dem asiatischen Raum, wo die Makroalgen traditionell verwendet werden, ist ein plötzliches Überangebot an Jod kaum mit einem gesundheitlichen Risiko verbunden. Anders in sogenannten endemischen Jodmangelregionen, zu denen Deutschland zu rechnen ist: Hier bilden sich als Folge einer Fehlanpassung an den chronischen Jodmangel in der Schilddrüse vor allem bei älteren Menschen häufig kleine autonome Zentren (autonome Adenome) aus. Werden diese autonomen Zentren durch ein plötzliches Überangebot an Jod aktiviert, kann dies zu einer lebensbedrohlichen Überfunktion der Schilddrüse führen. Andererseits kann ein Überangebot an Jod bei Vorliegen einer normalen Schilddrüsenfunktion die Synthese von Schilddrüsenhormonen hemmen, aus der eine kompensatorische Unterfunktion und die Ausbildung eines Kropfes resultieren können. Gefährdet sind auch Patienten mit einer Dermatitis herpetiformis Duhring - einer seltenen, entzündlichen Hauterkrankung, bei der es durch ein Jodüberangebot zur Auslösung von Krankheitsschüben kommen kann.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt Jugendlichen und Erwachsenen eine tägliche Jodzufuhr von insgesamt 180-200 Mikrogramm (µg). Als oberer tolerabler Zufuhrwert werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1000 µg pro Tag benannt. Aufgrund der genannten Umstände in dem Jodmangelgebiet Deutschland sollte eine Zufuhr von 500 µg Jod pro Tag hier aber aus Vorsorgegründen nicht überschritten werden. Für Nahrungsergänzungsmittel hat das BgVV deshalb eine Obergrenze für Jod von 100 µg pro Tag empfohlen und auch für die rezepturmäßige Verwendung von jodiertem Speisesalz wurden Höchstmengen festgesetzt. Aus demselben Grund hält das BgVV Algenprodukte mit mehr als 20 mg Jod/kg Trockenmasse aus Gründen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes nicht für verkehrsfähig. Es plädiert für die Festsetzung von Höchstmengen auf europäischer Ebene und die obligatorische Kennzeichnung des Jodgehaltes.

Eine ausführliche Stellungnahme des BgVV zur Verkehrsfähigkeit von jodreichen Algenerzeugnissen finden Sie auf der Website (www.bgvv.de) unter dem Stichwort "Lebensmittel".

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