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Fragen und Antworten zu Tätowiermitteln

FAQ des BfR vom 1. Juni 2013

In Deutschland sind rund 9 % der Bevölkerung tätowiert, Tendenz steigend. In der Gruppe der 16- bis 29-Jährigen sind es bereits 23 %. Tätowiermittel können aus vielen unterschiedlichen Einzelsubstanzen bestehen, die für diese Anwendung nicht gesundheitlich bewertet sind. Für Tätowierungen werden meist organische Pigmente verwendet, die eine hohe Farbbrillianz aufweisen. In Permanent Make-ups kommen Eisenoxide und Ruße zum Einsatz. Problematische Inhaltsstoffe in Tätowiermitteln sind z.B. kanzerogene aromatische Amine als Spaltprodukte organischer Farbmittel oder als Verunreinigungen sowie Schwermetalle und Konservierungsmittel und eine Vielzahl an Inhaltsstoffen mit zum Teil unklarer Funktion wie Hexachlorbenzol, Schellack oder ätherische Öle. Ferner gibt es inzwischen Tätowiermittel mit Spezialeffekten wie z.B. „Glow-in-the-dark“, deren Inhaltsstoffe weitgehend unbekannt sind. Unerwünschte akute Reaktionen im Zusammenhang mit Tätowierungen sind Infektionen, Fremdkörperreaktionen, Narbenbildung oder allergische Reaktionen. Über die Langzeitwirkungen von Tätowiermitteln ist wenig bekannt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat Fragen und Antworten zu Tätowiermitteln zusammengestellt.

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Fragen

Was sind Tätowierungen und Permanent Make-ups?

Der Gesetzgeber versteht unter Tätowierungen bzw. Tattoos eine dauerhafte Beeinflussung des Aussehens durch Stoffe und Zubereitungen, die in oder unter die menschliche Haut gebracht werden. Hierzu zählen auch Permanent Make-ups. Dies ist geregelt in der „Verordnung über Mittel zum Tätowieren einschließlich bestimmter vergleichbarer Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen“, BGBl. I 2008, S. 2215

Während die Pigmente bei den Tätowierungen in die mittlere Hautschicht (Dermis) gestochen werden, sollen sie beim Permanent Make-up lediglich in die oberflächliche Hautschicht (Stratum papillare) gelangen. Da die Dicke der Hautschichten jedoch stark variieren kann, führt die technische Durchführung zu starken Variationen hinsichtlich der Tiefe der Einbringung.

Während Tätowierungen und Permanent Make-up unter dem Oberbegriff Tätowierung zusammengefasst werden, stellen Henna-Tattoos, auch als temporäre Tattoos oder Temptoos bezeichnet, im eigentlichen Sinne keine Tätowierung dar, sondern Körperbemalungen.

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Gibt es Farben, mit denen man sich unbedenklich tätowieren kann?

Über die Wirkungen von Farbpigmenten im Körper ist derzeit wenig bekannt. Somit kann keine Farbe als sicher bezeichnet werden.

Einige Farben, bei denen ein Gesundheitsrisiko bekannt ist, hat der Gesetzgeber reguliert in der „Verordnung über Mittel zum Tätowieren einschließlich bestimmter vergleichbarer Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen“, BGBl. I 2008, S. 2215 reguliert. Die dort genannten Farben dürfen nicht verwendet werden.

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Wo finde ich eine Liste der Farben, die unbedenklich sind?

Eine Positivliste mit gesundheitlich unbedenklichen Farben existiert bisher nicht.

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Woraus bestehen Tätowiermittel?

Tätowiermittel bestehen im Wesentlichen aus Farbmitteln (Pigmenten) und Suspensionsmitteln als Trägerflüssigkeit. Die Trägerflüssigkeit kann Verdicker, Konservierungsstoffe und andere Stoffe enthalten. Es wird eine Vielzahl an Einzelsubstanzen benutzt. Eine Liste, welche Substanzen derzeit verwendet werden, gibt es nicht.

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Welche rechtlichen Vorschriften gibt es für Tattoos?

In Deutschland unterliegen Tätowiermittel generell den Vorschriften des Lebens- und Futtermittelgesetzbuchs. Danach gilt, dass die Produkte für Verbraucher sicher sein müssen und nicht die menschliche Gesundheit schädigen dürfen. Für die Sicherheit der Mittel ist der Hersteller verantwortlich. Tätowiermittel und Permanent-Make-Up sind seit 2009 auch durch die deutsche Tätowiermittelverordnung („Verordnung über Mittel zum Tätowieren einschließlich bestimmter vergleichbarer Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen“, BGBl. I 2008, S. 2215 ) geregelt. Die Verordnung benennt in einer Negativliste Stoffe, welche nicht verwendet werden dürfen, wie beispielsweise krebserzeugende primäre aromatische Amine aus Azofarbstoffen und gesundheitsschädliche Pigmente.

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Werden Tätowiermittel von der amtlichen Überwachung geprüft?

Im Rahmen des Bundesweiten Überwachungsplanes 2007 wurden gezielt Tätowiermittel auf Schwermetalle, Konservierungsstoffe sowie auf ihre Keimbelastung untersucht. Eine Vielzahl an Proben wurde aus unterschiedlichen Gründen beanstandet. Die amtliche Überwachung der Bundesländer kontrolliert Tätowiermittel stichprobenhaft auf die Einhaltung der Rechtsvorschriften.

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Sind Tätowiermittel geprüft und zugelassen?

Es erfolgt keine Zulassung von Tätowiermitteln. Der Hersteller ist für die Sicherheit der Mittel verantwortlich. Allerdings ist für viele Stoffe, die in Tätowiermitteln verwendet werden, nicht bekannt, wie sie systemisch im Körper wirken. Hierzu fehlt aus Sicht der gesundheitlichen Risikobewertung noch eine Vielzahl an Daten.

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Wo sieht das BfR noch Forschungsbedarf?

Forschungsbedarf besteht aus Sicht des BfR vor allem hinsichtlich der Verteilung, Verstoffwechselung und Ablagerung/Ausscheidung der Farbpigmente sowie der weiteren Inhaltsstoffe von Tätowiermitteln im Körper. Es ist anzunehmen, dass die löslichen Bestandteile der Trägerflüssigkeit systemisch verfügbar sind und verstoffwechselt werden. Die Pigmente sind dagegen meist unlöslich. Sie lagern sich zunächst in der Haut ab. Einige Studien zeigten aber, dass sie nicht ausschließlich im Tattoo (in der Haut) verbleiben, sondern über Lymphgefäße z.B. in die Lymphknoten migrieren können.

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Welche Gesundheitsrisiken bestehen durch das Stechen eines Tattoos?

Farbmittel können Schwermetalle und allergieauslösende Substanzen enthalten. In der Trägerflüssigkeit können zahlreiche weitere Inhaltsstoffe wie Konservierungsmittel oder Verdickungsmittel enthalten sein. Es erfolgt derzeit keine systematische Prüfung, ob die Inhaltsstoffe von Tätowiermitteln krebserzeugende aromatische Amine bilden, die im Körper durch den Stoffwechselprozess oder durch Sonneneinstrahlung entstehen können. Weiterhin fehlen toxikologische Daten dazu, ob Farbmittel erbgutverändernde, krebserzeugende oder fruchtbarkeitsschädigende Wirkungen haben.

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Können Tätowiermittel krebserregende Stoffe enthalten?

In der Vergangenheit wurden schwarze Tätowierfarben untersucht und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) nachgewiesen. Da einige Vertreter dieser Gruppe an Chemikalien als krebserregend eingestuft sind, empfiehlt das BfR, PAK in Tätowiermitteln auf technisch unvermeidbare Gehalte zu reduzieren.

Weitere Informationen enthält die BfR-Stellungnahme „Tätowiermittel können krebserregende PAKs enthalten“.

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Sollten Tattoos vor der Sonne geschützt werden?

Erhöhte Empfindlichkeit von tätowierten Hautarealen gegenüber Sonneneinstrahlung ist häufig. Dabei kommt es zu Schwellungen, Juckreiz, Stechen, Schmerzen und Hautrötungen. Diese Reaktionen sind nicht auf bestimmte Farbtöne oder -pigmente beschränkt und können innerhalb von Sekunden aufflammen und auch wieder abklingen.

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Können durch das Stechen eines Tattoos Infektionen entstehen?

Dass Tattoos Entzündungen und Infektionen hervorrufen können, ist seit langem bekannt. Entzündungen sind die Folge der Abwehrreaktion des Körpers auf die Verletzung der Haut. Infektionen können folgen, da die Hautbarriere, die einen natürlichen Schutz vor dem Eindringen von Keimen darstellt, zerstört wird. Im ungünstigen Fall können Bakterien (z.B. Streptokokken, Staphylokokken oder Mycobakterien), Viren (z.B. Papilloma-, Herpes- oder Hepatitis-Viren) oder Pilze in die Wunde gelangen und nachfolgend zu ernsthaften Infektionserkrankungen führen.

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Kann Nickel in Tätowiermitteln enthalten sein?

Nickel wurde in Tätowiermitteln nachgewiesen. Dies ist gesundheitlich problematisch, da Nickel das Kontaktallergen mit der höchsten Sensibilisierungsrate ist. Menschen mit einer Nickelallergie können daher nach einer Tätowierung auch schwere Hauterkrankungen entwickeln.

Anders als für kosmetische Mittel, in denen Nickel bis auf Spuren nicht enthalten sein darf, ist der Stoff in Tätowiermitteln bislang nur teilweise reguliert. Aus Sicht des BfR sollte jedoch gerade in Tattoos und Permanent-Make-up kein Nickel enthalten sein, da die Hautbarriere als Schutz wegfällt, wenn die Mittel direkt in die Haut eingestochen werden. Das BfR empfiehlt, Nickel in Tätowiermittel auf das technisch geringst mögliche Maß zu beschränken.

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Was empfiehlt das BfR, um Tätowiermittel sicher zu machen?

Das BfR hat bereits 2009 mit Inkrafttreten der Tätowiermittelverordnung empfohlen, die Verordnung um eine Positivliste für Farbmittel zu ergänzen. In dieser Liste sollten alle Farbmittel aufgeführt sein, die in Tätowiermitteln verwendet werden können, ohne die Gesundheit zu beeinträchtigen (http://www.bfr.bund.de/cm/343/anforderungen_fuer_eine_sicherheitsbewertung_von_taetowiermitteln.pdf).

Damit Farbmittel in eine Positivliste aufgenommen werden können, müssen Hersteller anhand von bestimmten Sicherheitskriterien einen Unbedenklichkeitsnachweis erbringen. Das BfR hat Kriterien zusammengetragen, die im Rahmen einer Sicherheitsbewertung von Tätowiermitteln Anwendung finden sollten und die als Entscheidungsgrundlage für die Aufnahme der Einzelstoffe in Positivlisten dienen können. Neben der Positivliste für Farbmittel sind auch Listen für die weiteren Inhaltsstoffe denkbar.

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Sollte man ein bereits gestochenes Tattoo aus gesundheitlicher Sicht wieder entfernen?

Derzeit gibt es einige Verfahren, um Tattoos weitgehend zu entfernen. Allerdings sind auch diese Methoden mit gesundheitlichen Risiken wie Narbenbildung, Hautveränderungen und allergischen Reaktionen verbunden. Während die Entfernung mittels Laser zu toxischen Spaltprodukten führen kann, ist bei der chirurgischen Entfernung des entsprechenden Hautareals die Infektionsgefahr sehr hoch. Pigmente und Trägersubstanzen sowie entstehende Spaltprodukte, die aus dem Tattoo in den Körper gewandert sind, können auch nach Entfernung des Tattoos im Körper verbleiben.

Das BfR rät, Tattoo-Entfernungen nur mittels medizinisch anerkannter Verfahren und von geschultem Personal in entsprechenden Einrichtungen vornehmen zu lassen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten in jedem Fall über die möglichen Risiken der Tattoo-Entfernung umfassend aufgeklärt werden.

Dem BfR liegt keine umfassende Liste der Verfahren vor, mit denen Tattoos entfernt werden können. Es werden immer wieder neue Methoden entwickelt, eine Meldepflicht an Behörden oder eine behördliche Prüfung dieser Methoden gibt es nicht. Das BfR nimmt anlassbezogen eine gesundheitliche Bewertung dieser Verfahren vor. So wurde beispielsweise ein chemisches Verfahren mit flüssigem Tattoo-Entferner in der Stellungnahme Nr. 033/2011 vom 1. August 2011 bewertet.

Eine Beschreibung verschiedener Methoden zur Entfernung von Tattoos und damit verbundene gesundheitliche Risiken enthält auch die BfR-Stellungnahme Nr. 013/2013 „Anforderungen an Tätowiermittel“ vom 28. August 2012 unter Punkt 6.

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Stellen auch Henna-Tattoos ein Gesundheitsrisiko dar?

Die so genannten Temptoos oder Henna-Tattoos sind temporäre Tattoos, die auf die Haut aufgemalt werden. Sie sind bei Kindern und Jugendlichen beliebt und werden oft in Urlaubsländern angeboten. Häufig wird Henna verwendet, das mit dem Stoff para-Phenylendiamin (PPD) abgedunkelt wurde. PPD ist ein bekanntes Kontaktallergen, das starke allergische Reaktionen auslösen kann. Der Einsatz dieser Substanz in Henna-Tattoos ist in Europa verboten (EU-VO 1223/2009). Temptoos fallen, anders als Tätowiermittel, unter die europäische Kosmetikverordnung.

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Fragen und Antworten

 (1 Dokument)
Datum Titel Größe
01.06.2013
FAQ des BfR
Fragen und Antworten zu Tätowiermitteln 38.3 KB
PDF-Datei

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