Kategorie Forschungsprojekt
  • Mikrobiologie

Stabilität und Inaktivierung von Hepatitis E-Virus bei der Lebensmittelherstellung und in der Umwelt

Projektstatus
Abgeschlossen
Projektstart
Jun 2018
Projektende
Sep 2021
Abteilung
Biologische Sicherheit

Beschreibung und Zielstellung

Das Hepatitis E-Virus (HEV) kann über Lebensmittel- und Umweltkontaminationen übertragen werden. Fehlende effiziente Methoden zur HEV-Infektiositätstestung erschwerten in der Vergangenheit die Identifizierung von Ansteckungsquellen und Inaktivierungsmethoden. Im Projekt soll ein von uns kürzlich entwickeltes HEV-Zellkultursystem hierfür verwendet werden. Der inaktivierende Effekt von pH-Werten und Salzen, die zur Haltbarmachung von Lebensmitteln verwendet werden, soll untersucht werden. Ein Modell, mit dessen Hilfe die HEV-Infektiosität bei verschiedenen Temperaturen, pH-Werten und Salzkonzentrationen zeitabhängig vorhergesagt werden kann, soll entwickelt werden. Bei einem HEV-kontaminierten Fleischprodukt soll die Infektiosität nach der Reifung ermittelt werden. Oberflächen sollen mit HEV kontaminiert werden und die Infektiosität nach Trockung ermittelt werden. Die Untersuchungen sollen helfen, Lebensmittel und Umweltsituationen zu identifizieren, bei denen ein hohes Risiko einer Virusübertragung besteht sowie wirksame Maßnahmen zur HEV-Inaktivierung HEV ermitteln.

Ergebnis

Ziel der StudieIn der Studie sollte die Stabilität des Hepatitis E-Virus (HEV) bei unterschiedlichen Bedingungen, wie sie während der Lebensmittel-Herstellung oder in der Herstellungs-Umgebung auftreten, untersucht werden. Weil die quantitative Untersuchung der Infektiosität von HEV direkt in der Lebensmittel-Matrix noch nicht möglich ist, sollte sich die Studie vor allem auf die HEV-Stabilität gegenüber pH, Salz und anderen physiko-chemischen Parametern in flüssigen Lösungen fokussieren. Die Umwelt-Stabilität sollte nach Trocknung von HEV auf unterschiedlichen Oberflächen untersucht werden. Die Untersuchungen sollten helfen, Bedingungen während der Lebensmittelherstellung zu identifizieren, die ein hohes Risiko der HEV-Übertragung bergen, sowie effektive Methoden zu dessen Inaktivierung vorschlagen.Materialien und MethodenEin Zellkultur-adaptierter HEV-Stamm wurde vermehrt, konzentriert und in Phosphat-gepufferter Kochsalzlösung gelöst. Nach der Behandlung der Lösung unter den jeweiligen physiko-chemischen Bedingungen  wurde die Rest-Infektiosität mittels Zellkultur und Immunofluoreszenz-Färbung infizierter Zellen ermittelt. Die gezählten floureszierenden Foci wurden anschließend zur Berechnung der Inaktivierungs-Rate genutzt. Die Daten wurden weiterhin benutzt, um Inaktivierungs-Modeklle zu etablieren.    Resultate und BedeutungDie Zellkultur-basierte Methode zur Titration der HEV-Infktiosität konnte optimiert werden und zeigte ein hohes Maß an Robustheit und Reproduzierbarkeit. Mit dieser Methode wurde eine hohe Stabilität von HEV bei pH 2-9 ermittelt; Inaktivierung wurde nur bei pH1 und pH10 erreicht. pH-Werte, wie sie während der Fermentation von Fleischprodukten auftreten, zeigten keine ausreichenden inaktivierenden Effekte. Auch Salz-Konzentrationen bis zu 20 % Kochsalz, mit oder ohne Zugabe von Natrium-Nitrit oder Natrium-Nitrat, führten nicht zur HEV-Inaktivierung, und Salzbedingungen, wie sie zur Fleischkonservierung verwendet werden, inaktivierten HEV nicht effektiv..Die Anwendung von hydrostatischem Hochdruck zeigte dagegen eine fast komplette HEV-Inaktivierung, jedoch nur bei extremen Konditionen von 600 MPa für 2 Minuten. Trocknung hatte nur einen geringen Effekt auf die HEV-Stabilität. Rest-Infektiosität konnte bei Lagerung von getrocknetem HEV bei 3 °Ckurz fürGrad Celsius auf Plastik- und Keramik-Oberflächen bis zu 8 Wochen nachgewiesen werden. Lagerung bei Raumtemperatur führte zu schnellerer Inaktivierung. Die HEV-Stabilität war abhängig vom Oberflächenmaterial und nahm von Plastik über Keranik und Stahl hin zu Holz ab. Die Ergebnisse zeigen eine sehr hohe Stabilität von HEV gegenüber verschiedenen physiko-chemischen Bedingungen. Die pH- und Salzbedingungen, die üblicherweise bei der Fermentation von Fleischprodukten auftreten, zeigten keine signifikanten inaktivierenden Effekte. Deshalb muss mit verbleibendem infetiösen Virus in solchen Produkten, z.B. Rohwürsten, gerechnet werden, wenn HEV-enthaltendes Ausgangsmaterial benutzt wurde. Die Nutzung von hydrostatischem Hochdruck kann als effiziente Technologie zur Inaktivierung von HEV angesehen werden; jedoch müssen die Inaktivierungs-Daten noch direkt in den jeweiligen Fleischprodukten validiert werden. Auf Obeflächen erscheint HEV sehr stabil. Deshalb müssen rigorose Reinigungs-Regimes bei Oberflächen angewendet wurden, die Kontakt zu Fleisch hatten, um das Risiko von  Kreuzkontaminationen zu senken. Die Nutzung von Oberflächen-Materialien, die eine stärkere HEV-Inaktivierungrate zeigten, kann zusätzlich das Risiko vermindern. Generell können die entwickelten Inaktivierungs-Modelle genutzt werden, um die HEV-Inaktivierung bei unterschiedlichen Bedingungen vorherzusagen sowie bei der weiteren Entwicklung effizienter Inaktivierungs-Methoden helfen.
Projekttyp

Drittmittelprojekt

BFR-Forschungsschwerpunkt

Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt (One Health) / Expositionsabschätzung und Bewertung biologischer Risiken

Organisationseinheiten und Partner

Federführende Fachgruppe: Viren in Lebensmitteln (46)
Kontaktpersonen: Prof. Dr. Reimar Johne, Matthias Filter
Externe Partner: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (Schweiz), Institut für Lebensmittelhygiene

Mittelgeber und Förderkennzeichen

Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (Schweiz)
4.18.01