Ziel der StudieIn der Studie sollte die Stabilität des Hepatitis E-Virus (HEV) bei unterschiedlichen Bedingungen, wie sie während der Lebensmittel-Herstellung oder in der Herstellungs-Umgebung auftreten, untersucht werden. Weil die quantitative Untersuchung der Infektiosität von HEV direkt in der Lebensmittel-Matrix noch nicht möglich ist, sollte sich die Studie vor allem auf die HEV-Stabilität gegenüber pH, Salz und anderen physiko-chemischen Parametern in flüssigen Lösungen fokussieren. Die Umwelt-Stabilität sollte nach Trocknung von HEV auf unterschiedlichen Oberflächen untersucht werden. Die Untersuchungen sollten helfen, Bedingungen während der Lebensmittelherstellung zu identifizieren, die ein hohes Risiko der HEV-Übertragung bergen, sowie effektive Methoden zu dessen Inaktivierung vorschlagen.
Materialien und MethodenEin Zellkultur-adaptierter HEV-Stamm wurde vermehrt, konzentriert und in Phosphat-gepufferter Kochsalzlösung gelöst. Nach der Behandlung der Lösung unter den jeweiligen physiko-chemischen Bedingungen wurde die Rest-Infektiosität mittels Zellkultur und Immunofluoreszenz-Färbung infizierter Zellen ermittelt. Die gezählten floureszierenden Foci wurden anschließend zur Berechnung der Inaktivierungs-Rate genutzt. Die Daten wurden weiterhin benutzt, um Inaktivierungs-Modeklle zu etablieren.
Resultate und BedeutungDie Zellkultur-basierte Methode zur Titration der HEV-Infktiosität konnte optimiert werden und zeigte ein hohes Maß an Robustheit und Reproduzierbarkeit. Mit dieser Methode wurde eine hohe Stabilität von HEV bei pH 2-9 ermittelt; Inaktivierung wurde nur bei pH1 und pH10 erreicht. pH-Werte, wie sie während der Fermentation von Fleischprodukten auftreten, zeigten keine ausreichenden inaktivierenden Effekte. Auch Salz-Konzentrationen bis zu 20 % Kochsalz, mit oder ohne Zugabe von Natrium-Nitrit oder Natrium-Nitrat, führten nicht zur HEV-Inaktivierung, und Salzbedingungen, wie sie zur Fleischkonservierung verwendet werden, inaktivierten HEV nicht effektiv..Die Anwendung von hydrostatischem Hochdruck zeigte dagegen eine fast komplette HEV-Inaktivierung, jedoch nur bei extremen Konditionen von 600 MPa für 2 Minuten. Trocknung hatte nur einen geringen Effekt auf die HEV-Stabilität. Rest-Infektiosität konnte bei Lagerung von getrocknetem HEV bei 3
°Ckurz fürGrad Celsius auf Plastik- und Keramik-Oberflächen bis zu 8 Wochen nachgewiesen werden. Lagerung bei Raumtemperatur führte zu schnellerer Inaktivierung. Die HEV-Stabilität war abhängig vom Oberflächenmaterial und nahm von Plastik über Keranik und Stahl hin zu Holz ab. Die Ergebnisse zeigen eine sehr hohe Stabilität von HEV gegenüber verschiedenen physiko-chemischen Bedingungen. Die pH- und Salzbedingungen, die üblicherweise bei der Fermentation von Fleischprodukten auftreten, zeigten keine signifikanten inaktivierenden Effekte. Deshalb muss mit verbleibendem infetiösen Virus in solchen Produkten, z.B. Rohwürsten, gerechnet werden, wenn HEV-enthaltendes Ausgangsmaterial benutzt wurde. Die Nutzung von hydrostatischem Hochdruck kann als effiziente Technologie zur Inaktivierung von HEV angesehen werden; jedoch müssen die Inaktivierungs-Daten noch direkt in den jeweiligen Fleischprodukten validiert werden. Auf Obeflächen erscheint HEV sehr stabil. Deshalb müssen rigorose Reinigungs-Regimes bei Oberflächen angewendet wurden, die Kontakt zu Fleisch hatten, um das Risiko von Kreuzkontaminationen zu senken. Die Nutzung von Oberflächen-Materialien, die eine stärkere HEV-Inaktivierungrate zeigten, kann zusätzlich das Risiko vermindern. Generell können die entwickelten Inaktivierungs-Modelle genutzt werden, um die HEV-Inaktivierung bei unterschiedlichen Bedingungen vorherzusagen sowie bei der weiteren Entwicklung effizienter Inaktivierungs-Methoden helfen.