Die öffentliche Debatte über Mikroplastik als potenzielles Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt hat in den letzten Jahren an Dynamik gewonnen. Obwohl die Risikobewertung noch nicht abgeschlossen ist, deuten erste Hinweise aus Befragungsstudien darauf hin, dass die öffentliche Wahrnehmung von Mikroplastik durch Risiken geprägt ist und dass sie sich je nach Land unterscheidet. Es ist jedoch wenig darüber bekannt, welche Gründe die Menschen für ihre Besorgnis haben und inwieweit individuelle Variablen die Wahrnehmung von Mikroplastik beeinflussen. Dieses Verständnis würde es ermöglichen, die Risikokommunikation an die Bedürfnisse der Menschen anzupassen.
Das Projekt zielt darauf ab, das Verständnis der Wahrnehmung von Mikroplastik durch die Menschen zu erweitern. Es stützt sich auf den Ansatz der mentalen Modelle in der Risikokommunikation (Morgan
et al.kurz füret alii (lat. "und andere"), 2002) und kombiniert quantitative und qualitative Methoden zur Untersuchung der Risikowahrnehmung. Um die Rolle von bevölkerungsspezifischen Merkmalen zu untersuchen, vergleicht das Projekt Daten aus Deutschland und Italien und beinhaltet zwei Studien.
Studie 1 umfasste ausführliche Interviews mit 30 Teilnehmenden (Deutschland: n = 15; Italien: n = 15). Die Stichprobe wurde sowohl innerhalb der beiden Länder als auch zwischen den beiden Ländern nach Geschlecht, Alter und Bildung stratifiziert. Die Interviews enthielten sowohl offene als auch spezifische Fragen zu Mikroplastik, um die Risikowahrnehmung in Bezug auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt genauer zu untersuchen.
Studie 2 umfasste einen Online-Fragebogen, der von insgesamt n = 1.135 Befragten in Deutschland und n = 1.124 in Italien beantwortet wurde. Die Stichproben in beiden Ländern wurden nach Geschlecht, Alter, Bildung und Region stratifiziert. Der Fragebogen basierte auf den Ergebnissen von Studie 1 und umfasste Fragen zu Wissen, Bedenken, wahrgenommenen Quellen und Eintragswegen, Schädlichkeit, Verhaltensabsichten und Verantwortung.
Studie 1 zeigte, dass Schlüsselkonzepte die Wahrnehmung von Mikroplastik beeinflussen. Die Befragten äußerten ein hohes Maß an Unsicherheit und übertrugen ihr Wissen über Plastik häufig auf Mikroplastik. Das Konzept der Akkumulation stand im Vordergrund und war häufig mit der Vorstellung verbunden, dass Mikroplastik ab einer bestimmten Konzentration Schaden anrichtet. Die Aussagen der Befragten zu Lösungen für das Problem Mikroplastik waren geprägt von Hilflosigkeit und der ganzheitlichen Auffassung, dass diese Lösungen sowohl die menschliche Gesundheit als auch die Umwelt berücksichtigen müssten. Ländervergleiche ergaben ähnliche Gesamtmuster in den Wahrnehmungen mit einigen qualitativen Unterschieden.
Studie 2 lieferte Hinweise darauf, dass die oben beschriebenen Wahrnehmungen in der Allgemeinbevölkerung weit verbreitet sind. Die Teilnehmer zeigten sich besorgt über die Schädlichkeit von Mikroplastik für die menschliche Gesundheit und die Umwelt. Die Befragten gaben an, Mikroplastik ausgesetzt zu sein, wobei sie dies weitgehend auf ihr Konsumverhalten zurückführten. Länderspezifische Unterschiede ergaben sich bei der Bewertung der Kontaktszenarien und der Verantwortlichkeiten der Beteiligten.
Die dokumentierten vielfältigen Ansichten über Mikroplastik in der Bevölkerung weisen auf die Notwendigkeit hin, die Kommunikationsbemühungen durch die Bereitstellung fundierterer Informationen zu verstärken. Insbesondere war die Wahrnehmung von Mikroplastik durch eine Verflechtung von menschlicher Gesundheit und Umwelt gekennzeichnet. Daher sollten die Empfehlungen für einzelne Maßnahmen beide Bereiche gleichermaßen einbeziehen.
Darüber hinaus sollte sich die Kommunikation nicht auf technische Informationen beschränken, die Expertinnen und Experten für wichtig halten, sondern die Art der Argumentation der Menschen berücksichtigen. Während die Risikobewertung noch nicht abgeschlossen ist, erscheint es von großer Bedeutung, proaktiv über den aktuellen wissenschaftlichen Stand des Mikroplastiks zu kommunizieren. Die länderspezifischen Unterschiede legen nahe, dass die Kommunikation auf bestimmte Länder ausgerichtet sein sollte, anstatt einen Einheitsansatz zu verfolgen.