Im Rahmen dieses Projekts wurden Insekten- und Futtermittelproben auf 16 Mykotoxine untersucht, die in Mengen oberhalb der in Futtermittelproben gefunden wurden, die zuvor auf 76 Mykotoxine untersucht worden waren. Von den 16 mittels LC-MS/MS gemessenen Mykotoxinen waren Beauvericin (BEA), Deoxynivalenol (DON) und Zearalenon (ZEN) die drei häufigsten Mykotoxine, die in allen Futtermittelverhältnissen und in allen Insektenproben, die Mykotoxin-haltigen Futtermittelmischungen ausgesetzt waren, gefunden wurden. Die am häufigsten vorkommenden korrespondierenden modifizierten Formen und Metaboliten waren Deoxynivalenol-3-Acetat (DON-3-Ac), Deoxynivalenol-15-Acetat (DON-15-Ac) und Zearalenol-alpha (ZEL α). In unkontaminiertem Mais und reinen Marktabfällen konnte kaum eine Mykotoxinkontamination festgestellt werden. Aber kontaminierter Mais, der mit Marktabfällen vermischt war, wies deutlich höhere Mykotoxinkonzentrationen auf als Mischungen mit sauberem Mais. Somit könnten die Marktabfälle ein Substrat für das Pilzwachstum bieten, das zur Mykotoxinbildung führt, während der kontaminierte Mais verschiedene Sporen oder Pilze der Gattungen
Beauveria und
Fusarium enthalten könnte. Als zentrales Ergebnis für DON, DON-3-Ac, DON-15-Ac und ZEN zeigten die BSF-Larven eine signifikante Verringerung des Toxingehalts im Vergleich zum Futter, während für die lipophilere Verbindung BEA eine Anreicherung beobachtet wurde. Interessanterweise führte eine Mischung aus 75 % Marktabfällen und 25 % kontaminiertem Mais zu einer Akkumulation des Metaboliten ZEL-α in BSF. Dieser Befund könnte durch die Metabolisierung der entsprechenden Mutterverbindung in den Insekten oder durch Übertragung aus dem Futter in die Insekten verursacht worden sein.
Zusätzlich dazu wurden Proben von wildgefangenen Termiten, Grillen, Mistkäfern, Heuschrecken und Schwarzen Soldatenfliegen, zum Teil auch bereits zubereitet, auf 17 relevante PCDD/F und 12 dioxinähnlichen PCB (dl-PCB) sowie auf 6 nicht-dioxinähnlichen PCB (ndl-PCB) mittels hochauflösender Gaschromatographie gekoppelt mit hochauflösender Massenspektrometrie (HRGC-HRMS) untersucht. In der EU sind keine Höchstgehalte für Dioxine und PCB in Insekten festgelegt. Um die Ergebnisse besser einordnen zu können, wurden die ermittelten Gehalte mit den Höchstgehalten für Fischereiprodukte und Kleinkind- bzw. Säuglingsnahrung verglichen. Eine tatsächliche Bewertung der Gehalte kann darüber jedoch nicht erfolgen. Hierfür müssten weitere Untersuchungen, in Bezug auf den Anteil solcher Insekten in der täglichen Ernährung über unterschiedliche Bevölkerungsgruppen hinweg, erfolgen.
Die Gehalte für die Summe WHO-PCDD/F-PCB-TEQ ub lagen bei < 1 pg/g Frischgewicht (FG). Damit liegen sie weit unter dem Höchstgehalt für Fischereiprodukte. Die Gehalte der ndl-PCB liegen nach Zubereitung nahe oder unterhalb der analytisch bestimmbaren Konzentration (
LOQkurz fürLimit of quantification (Grenze der Quantifizierbarkeit)). Proben, welche nicht zubereitet wurden, zeigen vereinzelt höhere Gehalte an ndl-PCB (bis zu 10 ng/g FG). Diese liegen jedoch auch weit unterhalb der Höchstgehalte für Fischereiprodukte.
Für Säuglings- und Kleinkindnahrung ist ein Höchstgehalt für WHO-PCDD/F-PCB-TEQ ub von 0,2 pg/g FG festgelegt, der von einigen der untersuchten Proben überschritten wurde. Dies gilt vor allem für Termiten, welche, bereits zubereitet, auf lokalen Märkten gekauft wurden. Hier konnten Gehalte für WHO-PCDD/F-PCB-TEQ ub bis 0,3 pg/g FG nachgewiesen werden.
Für die Analyse der PAK-Gehalte wurden Insektenproben priorisiert, deren Zubereitungsart eine vermehrte Bildung dieser Kontaminanten erwarten ließ. Die Ergebnisse der Gehaltsbestimmungen ergaben für zwei Proben von geräucherten Heuschrecken höhere PAK-Gehalte (Summe der 16 EPA PAK: 912 bzw. 1114
µgkurz fürMikrogramm/
kgkurz fürKilogramm, Summe der
EFSAkurz fürEuropean Food Safety Authority (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) PAK 4: 62 bzw. 113
µgkurz fürMikrogramm/
kgkurz fürKilogramm), welche europäische Höchstgehalte für andere geräucherte Lebensmittel um das Zwei- bis Dreifache übersteigen. Gebratene Heuschrecken waren mit
EFSAkurz fürEuropean Food Safety Authority (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) PAK 4-Gehalten im einstelligen oder unteren zweistelligen
µgkurz fürMikrogramm/
kgkurz fürKilogramm-Bereich weniger belastet. Nur in einer der Proben von gebratenen Termiten konnten
EFSAkurz fürEuropean Food Safety Authority (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) PAK 4 quantifiziert werden (5
µgkurz fürMikrogramm/
kgkurz fürKilogramm). Die Kontamination mit den 16 EPA PAK war hier ebenfalls am geringsten. Der deutlich geringere PAK 4 Höchstgehalt für Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke, die für Säuglinge und Kleinkinder bestimmt sind (1
µgkurz fürMikrogramm/
kgkurz fürKilogramm), wurde von allen untersuchten Heuschreckenproben überschritten. Es gilt zu beachten, dass die erhobenen Daten zu PAK-Gehalten nicht repräsentativ und daher nur eingeschränkt aussagekräftig sind.