Der bisher bei der Risikobewertung überwiegend verwendete tierzentrierte Ansatz wurde in den letzten Jahren aufgrund einer Reihe von Mängeln in Bezug auf Leistung, Konsistenz, Übertragbarkeit der Ergebnisse, Nachhaltigkeit, Kosten und ethische Gründe in Frage gestellt. Alternativen zu Tierversuchen, die unter dem Begriff NAM (New approach methodologies) zusammengefasst werden, haben zwar das Potenzial, fundierte, kosteneffiziente, zeitnahe und zuverlässige Informationen zu liefern, aber ihre rechtliche Akzeptanz ist noch nicht gesichert. Die Hauptgründe dafür sind zumeist methodische Hindernisse, insbesondere bei der Behandlung komplexer Endpunkte wie der Toxizität bei wiederholter Verabreichung, die Frage der Übertragung des Konzepts der Schädlichkeit auf NAMs sowie Zweifel der Interessengruppen an der durch NAMs gewährleisteten chemischen Sicherheit. Mit dem Ziel, einen aktuellen Überblick über die wichtigsten konzeptionellen und methodischen Entwicklungen im Bereich der Toxikologie zu geben, wurden vom Bundesinstitut für Risikobewertung (
BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung) und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung am 15. und 17. November 2021 in Berlin ein Symposium und ein Workshop veranstaltet. Die Konferenz mit dem Titel "Challenges in Public Health Protection in the 21st Century: Jahrhundert: Neue Methoden, Omics und neuartige Konzepte in der Toxikologie" brachte hochrangige Wissenschaftler mit Vertretern aus der Industrie und den Aufsichtsbehörden zusammen. Die Organisation, das Tagesgeschäft und die Berichterstattung über die wichtigsten Ergebnisse der Veranstaltung in einem Positionspapier standen im Mittelpunkt des aktuellen EU-FORA-Arbeitsprogramms der
EFSAkurz fürEuropean Food Safety Authority (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit). Die Aufgaben im Zusammenhang mit der "Verwendung von NAMs und omics-Daten in der Risikobewertung" wurden unter der gemeinsamen Aufsicht der Referate "Prüf- und Bewertungsstrategien für Pestizide" und "Wirkungsbasierte Analytik und Toxikogenomik" des Bundesinstituts für Risikobewertung durchgeführt.