Was im Essen steckt: Lebensmittelrisiken künftig leichter erkennbar BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung stellt auf der Internationalen Grünen Woche die erste Total-Diet-Studie für Deutschland vor
Wie sicher sind unsere Lebensmittel? Diese Frage ist künftig mit Hilfe der ersten Total-Diet-Studie für Deutschland leichter zu beantworten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellte heute auf dem BfR-Forum zur Internationalen Grünen Woche in Berlin Konzept und Ziele der Studie vor. „Zum ersten Mal wird in Deutschland großflächig untersucht, welche Gehalte an unerwünschten Stoffen unsere Lebensmittel nach deren Verarbeitung und Zubereitung aufweisen“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Damit leistet die Studie einen wichtigen Beitrag für den gesundheitlichen Verbraucherschutz in Deutschland.“ Die gerade gestartete, erste deutsche Total-Diet-Studie läuft unter dem Namen BfR-MEAL-Studie (Mahlzeiten für die Expositionsschätzung und Analytik von Lebensmitteln).
Die Total-Diet-Studie (TDS) ist eine international anerkannte Methode, die ermittelt, in welchen Konzentrationen Stoffe durchschnittlich in verzehrfertigen Lebensmitteln enthalten sind. Die Ergebnisse dienen unter anderem als Grundlage, mögliche chronische Risiken durch stark belastete Lebensmittel zu erkennen. So lassen sich zum Beispiel Verzehrsempfehlungen für empfindliche Bevölkerungsgruppen oder hinsichtlich bestimmter Lebensmittel ableiten. Da die BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-MEAL-Studie bei der Analyse von Stoffen möglichst geringe Nachweisgrenzen vorsieht, liefern die Ergebnisse genauere Daten zu Hintergrundbelastungen als bisher vorliegen. So können künftig für mehr Stoffe vor allem chronische Risiken zuverlässiger bewertet werden. Die Ergebnisse können darüber hinaus auch zur Einordnung akuter Risiken - etwa im Falle einer lebensmittelbedingten Krise - genutzt werden. Bisher waren viele Stoffe in Lebensmitteln nicht nachweisbar oder wurden nur in unverarbeiteten Lebensmitteln untersucht.
Erstmals in Deutschland untersucht die BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-MEAL-Studie großflächig, welche Risiken unter anderem durch Stoffe bei der Verarbeitung und Zubereitung von Lebensmitteln entstehen können. Dazu werden die fertigen Mahlzeiten auf Zusatzstoffe und Prozesskontaminanten, also auf Stoffe, die bei der Zubereitung entstehen, untersucht. So lässt sich zum Beispiel auch ermitteln, welche Gehalte an Acrylamid durchschnittlich in Keksen oder Pommes Frites enthalten sind, die gekauft oder im Haushalt zubereitet werden.
Die Studie berücksichtigt die gesamte Lebensmittelpalette und analysiert die Speisen jeweils in dem Zustand, in dem sie typischerweise verzehrt werden. Zu diesem Zweck werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung in den kommenden Jahren ca. 50.000 bis 60.000 Lebensmittel im Einzelhandel einkaufen und in einer eigens dazu eingerichteten Küche zubereiten. Diese Proben werden anschließend in Laboren auf verschiedene Stoffgruppen analysiert, sowohl auf gesundheitlich nützliche als auch auf unerwünschte Stoffe. Neben Zusatzstoffen und Prozesskontaminanten gehören dazu Stoffe aus der Umwelt (Umweltkontaminanten wie z.B. Dioxin), Schimmelpilzgifte (Mykotoxine), Nährstoffe, Pflanzenschutzmittel, Tierarzneimittel und Stoffe, die aus Verpackungen in die Lebensmittel gelangen. Darüber hinaus wird auch untersucht, inwiefern sich die durchschnittliche Belastung mit Stoffen in einzelnen Lebensmitteln je nach Region, Saison oder Produktionsart (z. B. nach biologischem oder konventionellem Anbau) unterscheidet. Erste Ergebnisse für einzelne Stoffgruppen liegen voraussichtlich im Jahr 2018 vor.
Total-Diet-Studien werden derzeit in mehr als 50 Ländern weltweit durchgeführt. Das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung erhielt vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMELkurz fürBundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) den Auftrag, 2015 die erste TDS für Deutschland zu starten. Die BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-MEAL-Studie ist auf sieben Jahre angelegt.
Auf dem BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-Forum zur Internationalen Grünen Woche diskutierten Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung, Professor Dr. Helmut Heseker, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE), Dr. Oliver Lindtner, Leiter der BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-MEAL-Studie am BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung, und Dr. Gerald Moy, Internationaler Experte und Editor des Buches „Total Diet Studies“.
Das Programm zur Veranstaltung findet sich unter:
http://www.bfr.bund.de/cm/343/was-im-essen-steckt-die-bfr-meal-studie.pdf
Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMELkurz fürBundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.