Kompakt erklärt: „Ewigkeitschemikalien“ PFAS in der Bratpfanne Neues BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung-Podcast-Format startet
Darum geht es:
Gesundheitsinformationen kurz und knapp auf den Punkt. Das bietet das neue Podcast-Format „Risiko kompakt“. In acht bis zehn Minuten werden komplexe Fragen rund um echte und vermeintliche Gesundheitsrisiken präzise und gut verständlich erklärt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung) erweitert damit sein Audio-Angebot: Während der bereits etablierte „Risiko“-Podcast in Gesprächsform ein Thema unterhaltsam in vielen Facetten beleuchtet, konzentriert sich das neue Format auf den Kern des Themas. Mit Okurz fürSauerstoff-Tönen von Expertinnen und Experten werden die wichtigsten Fragen und Hintergründe erklärt. Immer sachlich und unaufgeregt – als schnelles Informationsangebot für zwischendurch und unterwegs. In der Auftakt-Folge geht es um gesundheitliche Risiken durch die sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ PFAS in der Bratpfanne.
Die „poly- und perfluorierten Alkylsubstanzen“ (PFAS) sind eine Stoffgruppe von mehr als 10.000 Substanzen. Sie sind außerordentlich langlebig und wasser- und fettabweisend. Viele Substanzen der Gruppe halten außerdem extrem hohen Druck und hohe Temperaturen aus. Wegen dieser besonderen Eigenschaften werden PFAS in zahlreichen Alltagsprodukten eingesetzt. „Ganz bekannt ist die Antihaftbeschichtung in der Bratpfanne, die man unter dem Handelsnamen Teflon kennt“, erklärt Biologin Dr. Claudia Lorenz im „kompakt“-Podcast. „Andere typische Beispiele sind der Touchscreen vom Smartphone oder die Beschichtung von Outdoor-Gegenständen wie Zelten oder Jacken.“ Aber auch in vielen medizinischen Produkten wie Blutbeuteln oder Implantaten werden PFAS eingesetzt – ebenso in Industrieanlagen und technischen Geräten wie Motoren.
Die Langlebigkeit der PFAS-Substanzen ist bei diesen Anwendungen meist hochwillkommen. Für die Umwelt ist die hohe Stabilität der Substanzen jedoch ein großes Problem: „Denn, wenn PFAS in die Umwelt gelangen, bauen sie sich dort nur sehr, sehr langsam ab“, erklärt Lorenz. „Sie reichern sich also in der Umwelt an. Deswegen hört man auch oft den Begriff Ewigkeitschemikalien.“
Die Stoffe verteilen sich weltweit über Luft- und Wasserströme. So gelangen sie auch in die Nahrungskette und werden von Pflanzen und Tieren aufgenommen. Um die Anreicherung von PFAS in der Umwelt zu reduzieren, läuft auf EU-Ebene ein Beschränkungsverfahren, um die Verwendung von PFAS weitgehend einzuschränken. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), das Umweltbundesamt (UBAkurz fürUmweltbundesamt) und das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung haben dafür mit Partnerbehörden aus mehreren anderen EU-Staaten ein Dossier erarbeitet, das Argumente und Rahmenbedingungen vorschlägt. Statt Regelungen zu einzelnen Substanzen und Verwendungen zu erlassen, soll demnach die gesamte Gruppe der PFAS und ihre Verwendungen betrachtet werden. „Damit soll verhindert werden, dass ein verbotenes PFAS einfach durch ein anderes PFAS ersetzt wird“, erklärt Lorenz. Ausnahmen und lange Übergangsfristen soll es für Bereiche und Verwendungen geben, in denen es zu PFAS bisher keine brauchbare Alternative gibt.
Beim Einkauf von Küchenzubehör könnte sich ein Verbot dagegen vergleichsweise schnell bemerkbar machen. Schließlich basieren die klassischen Antihaftbeschichtungen, beispielsweise in der Bratpfanne, in der Regel auf PTFE, einem Stoff, der ebenfalls zur Gruppe der PFAS gehört. Pfannen, Töpfe und andere Küchenutensilien mit einer entsprechenden Beschichtung könnten deshalb nach einer Übergangsfrist vom Markt verschwinden bzw. durch andere Produkte ersetzt werden.
Wer so eine Pfanne hat, kann sie aber beruhigt weiterbenutzen. Denn beim geplanten Verbot von PFAS geht es in allererster Linie um die Auswirkungen von PFAS auf die Umwelt. Gesundheitliche Risiken durch die Antihaftbeschichtung in der Bratpfanne sind dagegen ziemlich unwahrscheinlich. Schließlich ist die Beschichtung „reaktionsträge“, das heißt, sie reagiert nicht mit den Lebensmitteln in der Pfanne. „Der Stoff kommt normalerweise gar nicht in meinen Körper, weil er nicht ins Essen geht, in mein Lebensmittel, das ich brate oder zubereite“, erklärt Lorenz. Selbst wenn sich beim Kratzen in der Pfanne kleine Krümel aus der Beschichtung lösen und doch im Essen landen sollten, sind keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten: Die „reaktionsträgen“ chemischen Eigenschaften sorgen dafür, dass diese Krümel meist einfach wieder ausgeschieden werden: Oben rein, unten raus. Problematisch wird es nur, wenn Töpfe oder Pfannen extrem überhitzt werden. Bei Temperaturen von über 360 Grad Celsius können nämlich gesundheitsschädliche Dämpfe entstehen. „Deshalb sollten beschichtete Pfannen und Töpfe niemals leer auf die Herdplatte gestellt werden“, rät Lorenz.
Link zur vollständigen Podcast-Folge:
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Über „Risiko“ und „Risiko kompakt“
Tageszeitungen, Nachrichtenportale und Social-Media-Posts warnen ständig vor neuen Gesundheitsgefahren: Weichmacher in Sonnencremes, Mikroplastik im Körper oder angebliche Schadstoffe in Lebensmitteln. Was ist tatsächlich dran an diesen angeblichen Gefahren? Wie groß ist das Risiko für mich persönlich? In unseren Podcast-Formaten „Risiko“ und „Risiko kompakt“ gehen wir solchen Themen auf den Grund. Unaufgeregt, wissenschaftlich fundiert und gut verständlich. Bei „Risiko“ passiert das in lockeren, halbstündigen Gesprächen. „Risiko kompakt“ konzentriert sich dagegen auf den Kern einer Geschichte und erklärt mit Okurz fürSauerstoff-Tönen von Expertinnen und Experten die wichtigsten Fakten und Hintergründe.
Über das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). Es schützt die Gesundheit der Menschen präventiv in den Tätigkeitsbereichen des Public Health und des Veterinary Public Health. Das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung berät die Bundesregierung und die Bundes-länder zu Fragen der Lebens- und Futtermittel-, Chemikalien- und Produkt-sicherheit. Das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.