Umleitungen
Fehl- und Desinformation im gesundheitlichen Verbraucherschutz – Wie können wissenschaftliche Institutionen damit umgehen?
FAQ
Fehlinformationen entstehen oft durch Irrtümer – jemand gibt etwas Falsches weiter, ohne von seinem Irrtum zu wissen. Desinformation dagegen wird absichtlich verbreitet, um Menschen zu täuschen oder zu verunsichern. Nicht nur eindeutig „falsche“ Inhalte spielen eine Rolle, sondern auch korrekte Informationen, die aus dem Zusammenhang gerissen werden.
Fehl‑ und Desinformationen können dazu führen, dass Menschen gesundheitliche Entscheidungen auf falschen Annahmen oder einer unvollständigen Wissensgrundlage treffen und sich dann selbst oder anderen gesundheitlich schaden. Gesundheitliche Risiken können unter‑ oder überschätzt werden. Unsicherheiten können entstehen. In Gesundheitskrisen können Unsicherheiten wiederum dazu führen, dass Krisen langsamer bewältigt werden, weil bestehende Maßnahmen von der Bevölkerung als unwirksam empfunden und dadurch nicht im erforderlichen Maß umgesetzt werden.
Wissenschaftskommunikation kann Desinformation vorbeugen und ihr begegnen, indem sie verständlich erklärt, wie wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen, und Menschen dabei unterstützt, Informationen besser einzuordnen. Dazu gehört der Aufbau von Medien‑ und Wissenschaftskompetenz, damit irreführende Inhalte eher erkannt werden. Eine weitere Möglichkeit ist das sogenannte Prebunking: Dabei wird frühzeitig informiert und auf typische Formen von Desinformation hingewiesen, bevor sie sich verbreiten. Wenn sich falsche Informationen bereits verbreitet haben, kann durch Debunking sachlich erklärt werden, warum sie nicht zutreffen – möglichst klar, kurz und ohne die Falschinformation unnötig zu wiederholen. Wichtig ist außerdem, dort präsent zu sein, wo Desinformation häufig auftaucht, etwa in sozialen Medien, und den Dialog mit den Zielgruppen zu suchen.
Forschungsergebnisse zeigen, dass Faktenchecks und Korrekturen Fehl‑ und Desinformation insgesamt wirksam entgegenwirken können. Menschen orientieren sich nach einer Richtigstellung im Durchschnitt stärker an überprüfbaren Fakten. Der Effekt ist jedoch meist eher moderat und hängt davon ab, wie kommuniziert wird. Besonders wirksam sind klare, verständliche und eindeutige Korrekturen. Weniger wirksam sind sie in stark polarisierten Debatten oder wenn Menschen bereits sehr feste Überzeugungen haben.
In Krisen sind viele Menschen verunsichert und suchen schnell nach Informationen. Gerüchte oder Falschmeldungen verbreiten sich so besonders leicht und können großen Einfluss auf die Gesellschaft und die öffentliche Meinung haben. In Krisenzeiten kann eine Flut an Informationen unterschiedlicher Akteure, eine sogenannte „Infodemie“ (Weltgesundheitsorganisation [WHO]), zusätzlich für Unsicherheiten sorgen. Denn in dieser Informationsmenge können sich, insbesondere in sozialen Medien, auch falsche oder irreführende Aussagen verbergen.
Das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung hat den gesetzlichen Auftrag, über mögliche, identifizierte und bewertete Risiken zu informieren, die Lebensmittel, Stoffe und Produkte für Verbraucherinnen und Verbraucher bergen können. Der gesamte Bewertungsprozess ist für alle transparent darzustellen. Durch eine umfassende, vollständige und nachvollziehbare Risikokommunikation macht das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung Wissenschaft für Verbraucherinnen und Verbraucher sichtbar, nutzbar und anwendbar. Dieser Auftrag spielt besonders in Situationen mit großer Unsicherheit eine entscheidende Rolle, um verlässliche Informationen bereitzustellen. Wie das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung seine Unabhängigkeit und Transparenz sicherstellt, ist hier dargelegt.
Das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung beobachtet fortlaufend die Medienberichterstattung zu relevanten Themen, ausgewählte soziale Netzwerke und wissenschaftliche Quellen. Darüber hinaus erreichen das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung pro Jahr durchschnittlich mehrere hundert Anfragen aus der Presse und der Bevölkerung, aus denen sich ebenfalls Beobachtungen zu aufkommenden Trendthemen und Narrativen erkennen lassen. Zudem betreibt das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung eigene sozialwissenschaftliche Forschung zur Risikowahrnehmung, ‑ früherkennung ‑ und ‑ folgenabschätzung in der Bevölkerung. Diese Erkenntnisse nutzt das Institut auch zur strategischen Ausrichtung seiner kommunikativen Aktivitäten.
Eine Bewertung oder Einordnung kann nicht zu jeder einzelnen Darstellung oder Debatte erfolgen. Wenn jedoch verkürzte, widersprüchliche oder falsche Aussagen zu BfR‑relevanten Themen eine größere öffentliche Relevanz erlangen, gleicht das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung diese mit dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse ab. Das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung bewertet auf Basis internationaler anerkannter wissenschaftlicher Standards. Für seine gesundheitlichen Bewertungen hat das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung einen Leitfaden entwickelt, um eine gleichmäßig hohe fachliche Qualität zu garantieren.
So hat das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung in den vergangenen Jahren mitunter auch eine ausführlichere gesundheitliche Einschätzung bzw. fachliche Einordnung zu weit verbreiteten, aber teils unvollständigen Medienberichten über ermittelte Pflanzenschutzmittelrückstände vorgenommen, darunter in Getreide, Erdbeeren, Glühwein oder Weihnachtsbäumen. Auch adressiert es situativ populär‑wissenschaftliche Fragestellungen wie „Isst der Mensch eine ‚Kreditkarte‘ Mikroplastik pro Woche?“ oder veranschaulicht wichtige Einordnungen wie den Unterschied zwischen Gefahr und Risiko in seiner Kommunikation.
Das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung forscht u. a. zur Risikowahrnehmung in der Bevölkerung. Ein Instrument hierbei ist der BfR‑Verbrauchermonitor, eine regelmäßige, repräsentative Bevölkerungsbefragung. Mittels Fragebögen erhebt das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung Einstellungen, Kenntnisse und die Risikowahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger zu verschiedenen Themen im Bereich der Lebensmittelsicherheit, des gesundheitlichen Verbraucherschutzes und angrenzender Gebiete. Diese Einblicke in aktuelle Trends und Veränderungen in der öffentlichen Wahrnehmung zeitnah zu identifizieren, ist wichtig für die Arbeit des BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung. So kann es seine Risikobewertungen und Risikokommunikationsstrategien bedarfsgerecht ausrichten und potenzielle Unterschiede zwischen wissenschaftlicher Expertise und öffentlicher Meinung erkennen und auch seine Risikokommunikation daran ausrichten.
Geforscht wird zudem zu Fragen der Wissens‑ und Wertekonflikte. Denn ob wissenschaftliche Daten anerkannt und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen berücksichtigt werden, hängt nicht nur vom eigenen Wissensstand ab, sondern eben auch von eigenen Werten und Überzeugungen. Problematisch ist nicht immer die Verbreitung sachlich falscher Information, sondern auch eine selektive Verbreitung nur jener Informationen, die den eigenen Werten und Ansichten entsprechen.
Im Forschungsfeld der Medieninhalte untersucht das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung die Darstellung von Nahrungsergänzungsmitteln, wie beispielsweise Vitamin‑D‑ oder Zinkpräparate, und die Verwendung gesundheitsbezogener Werbeaussagen (Health Claims) auf Social‑Media‑Plattformen. Erste Studien verweisen darauf, dass in sozialen Medien vielfach Nahrungsergänzungsmittel mit irreführenden oder falschen Gesundheits‑ und Wirkungsversprechen und ohne Hinweis auf mögliche Risiken der Einnahme beworben werden. Dieses Vorgehen verstößt gegen die EU‑Health‑Claims‑Verordnung, da gesundheitsbezogene Werbeaussagen nur dann getätigt werden dürfen, wenn sie wissenschaftlich fundiert sind und von der EU geprüft wurden.
Das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung veröffentlicht auf seiner Webseite wissenschaftliche Stellungnahmen, (Presse-)Mitteilungen, FAQ, Wissenschaftsberichte sowie Broschüren und Merkblätter. Das Institut bereitet die Informationen für diverse Social-Media-Kanäle in unterschiedlichen Bild- und Videoformaten auf. Zudem produziert das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung mit dem „BfR2GO“ ein eigenes Wissenschaftsmagazin, mit „Risiko“ einen Podcast, eine Wissenscomic-Reihe und hat ein Kinderbuch-Format entwickelt. Darüber hinaus arbeitet das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung über seine aktive Pressearbeit den anfragenden Medien so umfassend wie möglich mit Fachinformationen in schriftlicher oder audiovisueller Form zu. So erreichen die fachlichen Informationen viele unterschiedliche Zielgruppen. Die Inhalte werden anlassbezogen aktualisiert, sodass jeweils der neueste Stand des Wissens abgebildet wird.
In Formaten wie den FAQ oder in dem zusammenfassenden „Worum es geht“-Kasten von Stellungnahmen oder Mitteilungen werden komplexe Sachverhalte so formuliert, dass diese auch ohne Vorwissen verständlich sind, Fachbegriffe werden erklärt und Zusammenhänge dargestellt. Ergebnisse aus der sozialwissenschaftlichen Forschung belegen, dass klare Sprache und nachvollziehbare Begründungen das Vertrauen stärken kann, auch wenn Forschungslücken und wissenschaftliche Unsicherheiten dargestellt werden. Ein gesundheitliches Risiko kann immer nur auf dem aktuellen Stand des Wissens bewertet werden. Die Bewertung kann deswegen mit Unsicherheiten behaftet sein. Deshalb legt das BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung bei seinen Bewertungen transparent dar, wie aussagekräftig die jeweilige Studien- und Datenlage ist.
Nutzen Sie Informationskanäle und Social‑Media‑Auftritte offizieller Gesundheitseinrichtungen wie beispielsweise des BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung, des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) oder des Robert‑Koch‑Instituts (RKI).
Fragen Sie direkt nach, wenn Sie unsicher sind. So erhalten Sie Antworten von Expertinnen und Experten, die wissenschaftlich fundiert sind.
Prüfen Sie Informationen, indem Sie (1) die Quellen anschauen und (2) für Sie wichtige Inhalte prüfen, indem Sie die Einschätzung mehrerer seriöser Quellen abfragen.
Teilen Sie eher Informationen von Quellen, die über wissenschaftliche Expertise verfügen, und bleiben Sie im sachlichen Austausch. Hilfreiche Fragen hierfür sind:
- Wer ist der Absender?
- Woher stammen die Behauptungen?
- Ist die Informationsquelle zuverlässig?
Allgemein:
- Externer Link:https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/schwerpunkte/DE/desinformation/tipps-zum-erkennen-von-falschen-informationen.html
- Externer Link:https://www.bpb.de/themen/medien-journalismus/desinformation/
- Externer Link:https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/soziale-netzwerke/fake-news-im-netz-wem-kann-ich-vertrauen-90397
- Externer Link:https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundheitsinformationen-verstehen/fake-news-erkennen
Für Kinder:
- Externer Link:https://www.digitalcheck.nrw/digital-weiterwissen/uebersicht/wie-kann-ich-social-media-fake-news-erkennen
- Externer Link:https://www.klicksafe.de/desinformation-und-meinung/fake-news
- Externer Link:https://www.br.de/nachrichten/faktenfuchs-faktencheck,QzSIzl3
- Externer Link:https://www.ndr.de/ratgeber/medienkompetenz/Fake-News-erkennen-lernen-Unterrichtsmaterial-fuer-die-Schule,fakenews218.html
- Externer Link:https://www.schau-hin.info/sicherheit-risiken/fake-news-umgang-mit-falschmeldungen
Weitere Informationen zu Risikokommunikation
- Themenseite Risikokommunikation am BfRkurz fürBundesinstitut für Risikobewertung Zur Seite