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Avoparcin-Verbot in Deutschland durch BgVV initiiert

C/1996, 09.12.1996

Behörde weist Anschuldigungen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" als falsch zurück

Unter dem Titel "Tödliches Risiko" erhebt der Spiegel in seiner heutigen Ausgabe (50/96) schwere Anschuldigungen gegen das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, BgVV, in Berlin. Die Behörde soll das Verbot des Futterzusatzstoffes Avoparcin 'verschleppt' haben, das für die Ausbildung von Resistenzen in der Humanmedizin verantwortlich gemacht wird.

Falsch ist die Behauptung, das BgVV habe das Verbot von Avoparcin verzögert. Richtig ist, daß das BgVV das Verbot von Futterzusatzstoffen nicht verzögern kann, da die für ein Verbot zuständige Behörde das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BMELF) ist.

Falsch ist außerdem, daß das BgVV die Rücknahme der Zulassung verschleppt habe. Richtig ist vielmehr, daß die Bundesrepublik bereits im Jahre 1994 als erster Mitgliedstaat aufgrund einer Publikation aus dem RKI auf Initiative des BgVV die zuständigen Gremien der Europäischen Union veranlaßt hat, die europaweite Zulassung von Avoparcin zu überprüfen.

Richtig ist weiterhin, daß die übrigen Mitgliedstaaten und die Kommission der EU die Einwände der Bundesrepublik als nicht relevant einschätzten. Im Jahr 1995 setzte Dänemark in einem nationalen Alleingang die Zulassung von Avoparcin aus. Das BgVV organisierte daraufhin im Juni 1995 zusammen mit dem RKI eine wissenschaftliche Anhörung mit den führenden Experten auf diesem Gebiet um herauszufinden, inwieweit die vorliegenden Daten eine mögliche Gefahr der Resistenzausbreitung über Bakterien vom Tier auf humanpathogene Erreger belegen. Die Ergebnisse dieser Anhörung sind publiziert. Sie erbrachten keine konkreten Hinweise für eine Gefährdung des Menschen.

Richtig ist weiterhin, daß das BgVV dennoch unter Einbeziehung zusätzlicher Daten aus dem skandinavischen Raum ein umfangreiches Gutachten erarbeitet hat, um ein europaweites Verbot von Avoparcin zu erreichen. Auf der Basis dieses Gutachtens erließ das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die sofortige nationale Aussetzung der Zulassung.

Seit Januar 1996 darf Avoparcin in Deutschland nicht mehr legal angewendet werden.

Nicht unerwähnt bleiben darf, daß der zuständige wissenschaftliche Ausschuß der EU die Begründung der Bundesrepublik Deutschland zur Aussetzung der Zulassung von Avoparcin mit großer Mehrheit zurückgewiesen hat und die Zulassung in anderen Mitgliedstaaten weiter besteht. In der Bundesrepublik bleibt die Anwendung von Avoparcin verboten.

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