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Deutschland ist immer noch ein Jodmangelgebiet

09/1997, 28.04.1997

Durch konsequente Verwendung von jodiertem Speisesalz kann Jodmangelkrankheiten erfolgreich vorgebeugt werden

Deutschland ist noch immer ein Jodmangelgebiet. Untersuchungen des BgVV belegen eine bundesweite Unterversorgung. Es bestehen weder ein Nord-Süd-Gefälle noch signifikante Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern. Von 780 untersuchten männlichen Jugendlichen im Alter zwischen 17 und 21 Jahren waren nur 13 Prozent ausreichend mit Jod versorgt. 49 Prozent wiesen einen geringfügigen, 33 Prozent einen mittleren, und immerhin fünf Prozent einen erheblichen Jodmangel auf. Weitere Informationen zum Jodversorgungsstatus der Bevölkerung werden von einer Jod-Monitoring-Studie erwartet, die derzeit im Auftrag des Bundesministers für Gesundheit bundesweit durchgeführt wird. Da der Jodmangel durch die Verwendung von jodiertem Speisesalz erfolgreich ausgeglichen werden kann, empfiehlt das BgVV Verbrauchern, Lebensmittelherstellern und Betreibern von Gemeinschaftsverpflegungen erneut die konsequente Verwendung von jodiertem Speisesalz.

Die Weltgesundheitsorganisation beziffert den Minimalbedarf an Jod für Erwachsene mit 60 bis 120 Mikrogramm pro Tag (µg/d). Einige Lebensmittel enthalten jedoch Substanzen, die die Jodaufnahme hemmen und dadurch den Jodbedarf erhöhen können. Hierzu gehören z.B. Blumenkohl und Rettich. Aber auch Nitrat, Rauchen oder bestimmte Arzneimittel haben einen hemmenden Einfluß. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, DGE, empfiehlt deshalb eine tägliche Jodaufnahmemenge von 200 µg. Über unbearbeitete heimische Lebensmittel werden hiervon nur rund 60 µg aufgenommen, wenn kein jodiertes Speisesalz verwendet wird. Wichtigste Folgeerkrankung des resultierenden chronischen Jodmangels ist der Kropf, eine meßbare Schilddrüsenvergrößerung, von der ca. 30 Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen sind.

Jod ist ein essentieller Nährstoff, der für den körpereigenen Aufbau der Schilddrüsenhormone benötigt wird. Diese sind an der Steuerung von Wachstum, Knochenbildung, Stoffwechsel und Gehirnentwicklung beteiligt. Mit der Vergrößerung der Schilddrüse versucht der Körper einen Jodmangel auszugleichen und die Hormonsynthese aufrechtzuerhalten. Bei Schwangeren und stillenden jungen Müttern kann Jodmangel besonders gefährlich sein. Zu den Jodmangelstörungen in der Fetal- und Neugeborenenphase gehören ein Anstieg der Mißbildungsrate, Fehl- oder Totgeburten. Der endemische Kretinismus als Vollbild eines schweren Jodmangels kommt heute in Deutschland nicht mehr vor. Aber auch milde Formen eines ernährungsbedingten Jodmangels können schon einen nachteiligen Einfluß auf die körperliche und geistige Entwicklung haben. Sie können auch Fruchtbarkeitsstörungen verursachen. Ein bestehender Jodmangel sollte deshalb in jedem Fall bereits vor der Schwangerschaft korrigiert werden.

Während der Pubertät treten Schilddrüsenvergrößerungen besonders häufig auf. Bei Schulkindern können Sie mit Lern- und Merkschwierigkeiten einhergehen. Bei Erwachsenen können bei mäßigem Jodmangel u.a. verlangsamte Reflexe, eine erhöhte Neigung zum Frieren oder Konzentrationsschwächen beobachtet werden. Als Folge eines länger andauernden Jodmangels kann es insbesondere bei älteren Menschen in der Schilddrüse zu Knotenbildungen kommen, die eine Überfunktion der Schilddrüse nach sich ziehen. Zu den typischen Symptomen zählen Nervosität, Herzklopfen, Schweißausbrüche, ein gesteigertes Hungergefühl bei bestehender Gewichtsabnahme, Durchfall und Schlafstörungen. Die Kosten, die der Volkswirtschaft jährlich durch Diagnostik und Therapie von Jodmangelkrankheiten entstehen, werden auf ca. 2 Mrd. DM geschätzt.

Der Jodgehalt natürlicher Lebensmittel ist in Deutschland mit Ausnahme von Seefisch und anderen Meeresfrüchten niedrig, das Risiko für einen ernährungsbedingten Jodmangel dadurch hoch. Die konsequente Verwendung von jodiertem Speisesalz im Haushalt, in der Gemeinschaftsverpflegung sowie bei der gewerblichen und industriellen Herstellung von Lebensmitteln ist eine einfache und wirkungsvolle Prophylaxe-Maßnahme. Die alleinige Verwendung von Jodsalz im Haushalt reicht in der Regel allerdings nicht aus, da sie die Jodaufnahme nur um etwa 20µg/Tag anhebt und einen Jodmangel damit kaum ausgleichen kann.

Säuglingsfertignahrung ist heute aufgrund gesetzlicher Vorschriften mit Jod angereichert. Schwangere und Mütter, die ihre Säuglinge stillen, sollten auf eine ausreichende, ergänzende Versorgung mit rund 200 µg Jod pro Tag achten, um den Bedarf in dieser sensiblen Entwicklungsphase zu decken. Dies ist in der Regel nicht über die Nahrung, sondern nur über Jodtabletten möglich. Sie sind auch eine gute Alternative für Menschen, die sich salzarm ernähren müssen.

Erst bei sehr hohen Jodmengen, die z.B. durch den Verzehr jodreicher Meeresalgenerzeugnisse oder durch Einnahme von jodhaltigen Medikamenten erreicht werden können, kann es zu negativen Reaktionen, wie Hautausschlägen oder einer Blockade der Jodaufnahme in der Schilddrüse und nachfolgender Schilddrüsenunterfunktion kommen. Jodüberempfindlichkeiten oder allergische Reaktionen sind hiervon abzugrenzen. Sie können z.B. als Reaktion auf Desinfektionsmittel oder jodhaltige Röntgenkontrastmittel auftreten. Erfolgt die Jodzufuhr auf der Basis der DGE-Empfehlung, kann ein negativer Einfluß sicher ausgeschlossen werden.

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