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Wie kann man die schädliche Wirkung von Stoffen auf das werdende Leben verlässlicher prüfen?

04/2020, 19.02.2020

10. Berliner Workshop zur Entwicklungstoxikologie (DevTox) widmet sich neuen entwicklungstoxikologischen Testverfahren

Bestimmte Stoffe können die Entwicklung des Kindes im Mutterleib stören und schwere Schäden hervorrufen. Am bekanntesten sind hier die Fälle, die das Schlafmittel Contergan verursachte. Aus diesem Grund muss die entwicklungsschädigende Wirkung von Chemikalien, Pestiziden und Arzneimitteln zuverlässig und international harmonisiert geprüft werden. Neue, versuchstierfreie Methoden zur Prüfung schädlicher Einflüsse von Chemikalien auf die Entwicklung des Nervensystems und die Knochenentwicklung im Mutterleib stehen im Fokus der wissenschaftlichen Diskussion des 10. Berliner Workshops für Entwicklungstoxikologie (DevTox) vom 19. bis 20. Februar 2020 im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin. Außerdem wird an einer besseren Nutzbarkeit und der Erweiterung der DevTox-Datenbank gearbeitet. „Es geht vor allem um international einheitliche Begriffsbestimmungen sowie um Strategien zur Entwicklung von tierversuchsfreien Testsystemen für eine verbesserte Risikobewertung“, sagt Dr. Roland Solecki, Vizepräsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). „Wissenschaftler aus Europa, den USA, China, Brasilien und Japan stellen dafür notwendige Grundlagen auf dem Workshop vor.“ Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden über diese sowohl hinsichtlich ihrer Aussagekraft als auch der Anwendung in der regulationstoxikologischen Praxis diskutieren.

Vorgestellt werden auf dem 10. DevTox-Workshop Neuerungen in der DevTox-Datenbank (www.devtox.org), die sich aus der internationalen Zusammenarbeit des BfR mit Partnern in China sowie den zuständigen Fachgesellschaften in Europa, Japan und den USA ergeben. Ein weiterer Schwerpunkt sind Alternativmethoden für die Risikobewertung, die im Bereich Entwicklungsneurotoxizität und Knochenentwicklung eingesetzt werden können. So werden zum Beispiel neue „Organ on the Chip“-Systeme mit Knochenzellen präsentiert, mittels derer zukünftig eventuell die schädliche Wirkung von Stoffen auf die Entwicklung des Skelettes untersucht werden kann.

Ein zentrales Anliegen des Workshops besteht in der Klärung der Frage, inwieweit solche neuen versuchstierfreien Testsysteme soweit standardisiert und validiert werden können, dass sie für die Generierung neuer Studien mit Akzeptanz in der regulatorischen Toxikologie genutzt werden können. Ziel ist es, die Testsysteme so weiter zu entwickeln, dass bislang notwendige Tierversuche künftig eingeschränkt oder nach Möglichkeit ganz abgelöst werden können.

Das DevTox-Projekt wurde vor 25 Jahren in Berlin begonnen und wird vom BfR seit seiner Gründung zusammen mit den Partnern Charité in Berlin und Fraunhofer Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin in Hannover kontinuierlich weitergeführt. Kern der Projektarbeit ist die Schaffung und Weiterentwicklung eines Lexikons mit einer weltweit einheitlichen Terminologie, um Fehlbildungen (Anomalien) zu bezeichnen und Laborbilder in einer webbasierten Bilddatenbank für die Versuchsauswertung, für die Forschung sowie die Lehre zur Verfügung zu stellen. Dabei geht es besonders um kritische Fragen der harmonisierten Bewertung von Fehlbildungen der Gliedmaßen und Organe unter dem Einfluss von natürlichen und synthetischen Substanzen im Mutterleib. Die Datenbank enthält neben Bildern zu typischen Fehlbildungen auch Informationen zu deren international abgestimmter Beschreibung und Kategorisierung.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

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