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Kurze Beschreibung bedeutender durch Zecken übertragener Krankheiten

A/2001, 26.04.2001

Hintergrundinformationen für die Presse

Zu den wichtigsten durch Zecken übertragenen Krankheiten gehören in Deutschland die Lyme-Borreliose, die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die Ehrlichiose, das Q-Fieber und die Babesiose, wobei die gesundheitliche Bedeutung der letzten drei Krankheiten noch weitgehend unbekannt ist.

Lyme-Borreliose

Die Lyme-Borreliose ist die am häufigsten vorkommende zeckenübertragene Erkrankung des Menschen in Europa und den USA. Erreger der Lyme-Borreliose ist ein spiralförmiges Bakterium (Borrelia burgdorferi (B.b.)). Der "Gemeine Holzbock" - die Schildzecke Ixodes ricinus - überträgt den Erreger auf den Menschen. 10-30 Prozent der Zecken sind infiziert. Sie finden sich überall in Deutschland, spezielle Risikogebiete gibt es deshalb nicht. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen in der Bundesrepublik wird auf 50.000 bis 60.000 geschätzt.

Das Erythema chronicum migrans (eine Hautrötung um die Einstichstelle) tritt bei 40 bis 60 Prozent der Betroffenen einige Tage oder Wochen nach dem Zeckenstich auf und gilt als besonders typische Manifestation der Krankheit. Die Hautrötung blasst im weiteren Krankheitsverlauf zentral ab und imponiert dann als ringförmiges Erythem, das nach Wochen bis Monaten auch ohne Behandlung abklingt. Daneben können Allgemeinsymptome wie Fieber, Myalgien, Kopfschmerzen und Lymphknotenschwellungen auftreten.

Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich kann die Erkrankung in ein Stadium eintreten, das durch eine lymphozytäre Meningoradikulitis mit brennenden Nervenschmerzen und zum Teil Lähmungserscheinungen gekennzeichnet ist. Die Lähmung des Fazialisnerven gilt als weiteres Leitsymptom. Daneben kann es auch zu einer Entzündung des Herzmuskels kommen und schließlich, Monate bis Jahre nach der Infektion, zu Gelenkentzündungen - der Lyme-Arthritis - die vorwiegend das Kniegelenk betrifft. Chronische Erkrankungen von Hirn und Rückenmark können Lähmungen zur Folge haben. Eine seltene Spätmanifestation ist die chronische Hauterkrankung.

Die Diagnostik basiert auf einer sorgfältigen Anamnese und dem klinischen Bild. Sie wird ergänzt durch den Nachweis spezifischer Antikörper im Serum und Liquor. Gelingt es, Borrelien aus Patientenmaterial anzuzüchten, gilt der Beweis für eine Infektion als erbracht.

Bis heute steht in Europa keine Impfung gegen die Borreliose zur Verfügung. Eine prophylaktische Impfung, die in den USA seit 2 ½ Jahren zur Verfügung steht, ist erfolgversprechend, deckt das deutsche Erregerspektrum aber nicht ab. Das gilt auch für den Impfstoff, der für Hunde angeboten wird. Auf einen zusätzlichen Schutz vor Zecken durch geeignete zeckenabwehrende Mittel sollte der Tierbesitzer deshalb nicht verzichten.

Mit Antibiotika ist die Krankheit gut zu behandeln, wenn sie früh erkannt wird. Je schneller die Diagnose gestellt und mit der Therapie begonnen wird, desto erfolgversprechender ist sie. Cephalosporine, Cefuroxime, Doxycycline, Penicillin G und Amoxicillin gelten als Mittel der Wahl und sollten oral über 14-21 Tage verabreicht werden. Makrolidantibiotika sind weniger wirksam.

Eine Meldepflicht besteht für einige Bundesländer.

FSME

Anders als bei der Lyme-Borreliose existieren für die virusübertragene FSME sogenannte Risikogebiete, in denen bis zu fünf Prozent der Zecken infiziert sein können. Zu den Risikogebieten zählen ganz Baden-Württemberg und Bayern. Hier besonders die Region um Passau, aber auch die Gegenden an der Donau und ihren Nebenflüssen. Etwas geringere Risiken gibt es auch im Bereich des Odenwalds und in Rheinland-Pfalz. Wie bei der Lyme-Borreliose ist es auch bei FSME die Schildzecke Ixodes ricinus, die den Erreger überträgt.

Besonders infektionsgefährdet sind Bewohner von Endemiegebieten und alle Personen, die während der Zeckensaison in Endemiegebiete reisen, dort wandern, campen oder sich wegen anderer Freizeitaktivitäten viel in der Natur aufhalten.

Jährlich kommt es zu ca. 150 bis 200 Neuerkrankungen in Deutschland. Rund 70 Prozent derjenigen, die von einer infizierten Zecke gestochen werden, zeigen geringe oder gar keine Symptome. Bei ungefähr 30 Prozent treten aber schwere Erkrankungen auf. Nach 7 bis 14 Tagen kommt es in einer ersten Phase zu grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Brechreiz, Schwindel und/oder gastrointestinalen Symptomen. Das zweite Stadium zieht (bei bis zu 10 Prozent der Infizierten) das zentrale Nervensystem in Mitleidenschaft und kann zu polioähnlichen Lähmungen führen. Ein bis zwei Prozent dieser Menschen sterben im Verlauf der Infektion.

Die Diagnose erfolgt anhand der Anamnese (Aufenthalt in einem Risikogebiet, Zeckenstich, Erkrankung mit grippeähnlichen Symptomen, Meningitis, Enzephalitis oder Myelitis) sowie serologisch anhand spezifischer IgM- und IgG-Antikörper.

Eine kausale Therapie gibt es nicht, es wird symptomatisch behandelt. Der Immunprophylaxe kommt deswegen eine besondere Bedeutung zu. Für die aktive Schutzimpfung stehen Impfstoffe mit inaktivierten FSME-Viren zur Verfügung. In Österreich liegt die Durchimpfungsrate inzwischen bei über 90 Prozent. Die Zahl der FSME-Fälle konnte damit von über 1.000 auf weit unter 100 gesenkt werden. Hier hat sich insbesondere die Impfung von Kindern bewährt. Während früher bis zu 25 Prozent aller FSME-Fälle bei Kindern unter 14 Jahren auftraten, sind es heute nur noch 4, 5 Prozent. In Deutschland steht derzeit für Kinder leider kein Impfstoff zur Verfügung. Eltern muss deshalb geraten werden, Risikogebiete mit Kinder - sofern sie dort nicht wohnen - möglichst zu meiden. Ansonsten empfiehlt das BgVV die Impfung für alle Personen, die in Risikogebieten leben oder sich in Risikogebieten (beruflich oder während des Urlaubs) aufhalten.

Ehrlichiose

Die Ehrlichiose wird in Europa durch (noch unbenannte) rickettsienartige Bakterien hervorgerufen und durch Zecken übertragen. Die Bedeutung der Infektion ist in Deutschland noch weitgehend ungeklärt. Es handelt sich bei der Ehrlichiose um eine Multiorganerkrankung, die in den meisten Fällen mild verläuft. Zu den charakteristischen Symptomen gehören plötzlich auftretendes hohes Fieber, heftige Kopfschmerzen, Muskel-, Gelenk- und Rückenschmerzen sowie unspezifische Symptome wie Übelkeit und Erbrechen. In Gebiet des Oberrheins trugen rund drei Prozent der untersuchten Zecken den Erreger. Bei fünf bis 15 Prozent der Bewohner Baden-Württembergs wurden Antikörper nachgewiesen.

Q-Fieber

Auch für das durch Rickettsien verursachte Q-Fieber wird eine Übertragung durch Zecken diskutiert. Die mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen und Myalgien einhergehende Erkrankung kann mit Antibiotika behandelt werden.

Babesiose

Die Babesiose ist als zeckenübertragene Erkrankung bei Tieren bekannt und gewinnt zunehmend auch als Zoonose an Bedeutung. Der Erreger (Babesia divergens) wird durch die Schildzecke Ixodes ricinus übertragen. Die malariaähnliche Infektion geht mit Fieber, Anämie, Hämoglobinurie und Ikterus einher. Alle bislang in Europa beschrieben Fälle haben sich bei splenektomierten Menschen ereignet und endeten nach Nierenversagen meist tödlich. Die Behandlung der Krankheit erfolgt symptomatisch.

Prophylaxe zeckenübertragener Krankheiten

Für alle zeckenübertragenen Krankheiten gilt:

Zecken lieben Landschaften mit langem, hohem Gras, Farnen und dichtem Unterholz, wie sie am Rand von Waldwegen oder an Wildwechseln, in Gärten oder Parks vorkommen. Dort sitzen sie auf den Spitzen von Gräsern und Sträuchern - nicht aber auf Bäumen, wie oft angenommen wird. Die Zecken sind zwischen März und Oktober aktiv, am wahrscheinlichsten sind Infektionen aber zwischen April und Juli. Haben die Zecken ihren Wirt erst einmal "gefunden" bevorzugen sie Körperstellen mit möglichst dünner, feuchter und warmer Haut (Leistengegend, Achselhöhlen).

Da die Infektionswahrscheinlichkeit mit der Aufenthaltsdauer der Zecke in der Haut steigt, sollten Zecken umgehend mit einer Pinzette entfernt werden. Die Drehrichtung ist egal. Auf keinen Fall sollte man Wachs, Nagellack oder Ähnliches auf die Zecke tupfen, weil sie darauf mit verstärktem Erregerausstoß reagieren kann. Viele Schutzmittel sind entweder unwirksam oder wirken nur für eine begrenzte Zeit. Die Stiftung Warentest hat verschiedene Repellentien untersucht. Die Ergebnisse wurden in Heft 4/2001 der Zeitschrift "Test" veröffentlicht.

Geeignete Kleidung (helle Sachen, auf denen man die Zecken leicht sieht, lange Hosen, lange Ärmel) stellt einen wirksamen Schutz vor Zeckenbissen dar, wenn man Zeckenbiotope nicht völlig meiden will oder kann.

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