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Pyrethroide - Basis-Informationen

A/1995, 29.03.1995

Schädlingsbekämpfungsmittel werden eingesetzt, um lebende Organismen wirkungsvoll zu bekämpfen. Damit sind sie bei unsachgemäßer Anwendung grundsätzlich auch für den Menschen gefährlich. Der falsche Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln bringt eine Reihe von Problemen mit sich. Neben der potentiellen Vergiftungsgefahr für Anwender und Verbraucher ist vor allem die Resistenzentwicklung bei den Schädlingen zu nennen. Da die meisten der eingesetzten Mittel keiner Zulassungspflicht unterliegen, sind sie ohne staatliche Prüfung auf Wirksamkeit und Unbedenklichkeit auf dem Markt. Fehlende gesetzliche Regelungen haben gezielte Maßnahmen zum Verbraucherschutz in der Vergangenheit erschwert. Inzwischen ist eine EG-weite Richtlinie zum Inverkehrbringen von bioziden Produkten in Vorbereitung. In der Übergangszeit soll eine "Verordnung über Verbote und Beschränkungen bestimmter Schädlingsbekämpfungsmittel" den Verbraucher besser schützen. Der Entwurf berücksichtigt langjährige Forderungen des BGA und BgVV für mehr Sicherheit in der Anwendung dieser Mittel. Er sieht neben Anwendungsbeschränkungen, insbesondere für verbrauchernahe Produkte, Warnhinweise und eine verbesserte Qualifikation der professionellen Schädlingsbekämpfer vor.

Pyrethroide werden als Schädlingsbekämpfungsmittel, auch in privaten Haushalten, eingesetzt. Es handelt sich um einen Sammelbegriff für synthetisch hergestellte Stoffe, die dem in Chrysanthemen vorkommenden Pyrethrum ähnlich, gegenüber diesem aber wirksamer und langlebiger sind. Grundsätzlich sind Schädlingsbekämpfungsmittel mit Langzeitwirkstoffen gesundheitlich kritischer zu bewerten als solche mit kurzwirkenden Stoffen, weil ihre Rückstände in Innenräumen gesundheitliche Probleme verursachen können.

In den letzten Jahren wurden dem BGA und jetzigen Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) immer wieder gesundheitliche Beschwerden und Erkrankungen nach der Verwendung von Pyrethroiden im Rahmen der Meldepflicht für Vergiftungen mit Chemikalien gemeldet. Die meisten sind auf unsachgemäße Anwendung zurückzuführen: Schädlingsbekämpfungsmittel werden zu oft, zu leichtfertig und immer wieder falsch eingesetzt. Und das obwohl das ehemalige BGA wie das jetzige BgVV, Schutzmaßnahmen und Empfehlungen für eine sachgerechte Schädlingsbekämpfung formuliert und veröffentlicht haben.

Pyrethroide wirken über eine Veränderung der Erregbarkeit auf das Nervensystem von Insekten und Säugetieren. Hieraus werden auch die Wirkungen auf den Menschen verständlich. Bei empfindlichen Personen führen schon geringe Konzentrationen von Pyrethroiden zu Gesundheitsstörungen. Im Vordergrund stehen dabei Reizungen der Schleimhäute, der Atemwege und der Augen. Es kann zu Mißempfindungen und Taubheitsgefühlen der Haut, gelegentlich zu Benommenheit und Kopfschmerzen kommen. Die beobachteten Symptome gelten als reversibel; bleibende Nervenschäden wurden nicht beschrieben. Pyrethroide werden hauptsächlich über die Haut aufgenommen, z.B. bei Kontakt mit Hausstaub oder anderen Materialien, die bei der Anwendung kontaminiert wurden. Die Resorption im Magen-Darm-Trakt ist eher schlecht, die Ausscheidung erfolgt zu etwa gleichen Teilen über Urin und Kot. Die Halbwertzeiten liegen für die verschiedenen Pyrethroide zwischen 7 und 55 Stunden in Blut bzw. Plasma und 17 Stunden bis 30 Tagen im Fettgewebe. Eine Anreicherung im Gehirn erfolgt nicht.

Grundsätzlich sind Pyrethroide wissenschaftlich gut untersucht; ihre potentiellen Wirkungen sind bekannt, sodaß Anwendungsempfehlungen und Schutzmaßnahmen formuliert werden konnten. Dies muß bei einer Neubewertung und Diskussion über alternative, möglicherweise weit weniger gut untersuchte Stoffe bedacht werden. Während die kurzlebigen Pyrethroide wirkungsvolle und in ihren potentiellen Risiken kalkulierbare Schädlingsbekämpfungsmittel darstellen, gehören Langzeitpyrethroide wegen der Rückstandsproblematik im Innenraum nach Ansicht des BgVV nicht in die Hand des Laien.

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