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Nicht besser, aber schmackhafter? - Produkte aus dem ökologischen Landbau im Vergleich

17/1995, 19.09.1995

Bioprodukte schmecken zumindest Tieren offenbar besser, sind Produkten aus konventionellem Anbau nach ernährungsphysiologischen Kritierien aber ansonsten kaum überlegen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, BgVV, in deren Verlauf die Ergebnisse aus 150 Vergleichsuntersuchungen zur Qualität ökologisch und konventionell erzeugter Lebensmittel ausgewertet wurden. Beantwortet werden sollte die Frage, ob sogenannte "Bioprodukte", die zur Zeit rund ein Prozent der vermarkteten Lebensmittel ausmachen, von Verbrauchern zu Recht als gesünder, schmackhafter und umweltfreundlicher produziert eingestuft werden. Da den ausgewerteten Vergleichsuntersuchungen unterschiedliche Verfahrensweisen z.B. bei der Probengewinnung zugrunde lagen, kann der Gesundheitswert der Erzeugnisse beider Anbaurichtungen kaum abschließend beurteilt werden. Es läßt sich jedoch eindeutig sagen, daß keine spektakulären Unterschiede in der Qualität der Lebensmittel nachzuweisen sind.

Lebensmittelqualität läßt sich als Grad der Übereinstimmung eines Produktes mit der Verbraucher-Erwartung definieren. Diese ist gegenüber "Bioprodukten" deutlich höher ausgeprägt als gegenüber solchen aus konventionellem Anbau. Unter Bioprodukten sind Lebensmittel zu verstehen, die unter den kontrollierten Anbaubedingungen der 1991 in Kraft getretenen EG-Verordnung über den ökologischen Landbau produziert werden.

In der Studie, die keine eigenen experimentellen Untersuchungen umfaßte, wurden folgende Produktgruppen hinsichtlich wertgebender und wertmindernder Inhaltsstoffe, in Bezug auf Pflanzenschutzmittelrückstände, Umweltkontaminanten, sensorische Prüfungen und Tierfütterungsversuche erfaßt: Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Obst, Wein, Bier, Backwaren, Milch, Fleisch, Eier und Honig sowie die daraus hergestellten Erzeugnisse.

Unterschiede waren noch am ehesten bei Gemüse und hier beim Nitratgehalt nachweisbar: Konventionell angebautes bzw. mineralisch gedüngtes Gemüse wies in der Regel einen deutlich höheren Nitratgehalt auf als ökologisch erzeugtes, bzw. organisch gedüngtes. Dies gilt insbesondere für Blatt-, Wurzel- und Knollengemüsearten.

Gemüse aus ökologischem Anbau enthielt tendenziell geringere Mengen an Rückständen zugelassener Pflanzenschutzmittel; allerdings lagen auch die Werte bei konventionell angebauten Produkten fast ausschließlich unterhalb der gesetzlich festgesetzten Höchstmengen.

Der Gehalt an polychlorierten Biphenylen unterschied sich bei den verschiedenen Anbauarten nicht, da PCB als Umweltkontaminate nahezu ubiquitär vorkommt und der Eintrag ins Lebensmittel durch die Anbauweise nicht beeinflußt werden kann.

Auch hinsichtlich der Belastung an Schwermetallen waren keine wesentlichen Unterschiede zu verzeichnen.

Dasselbe gilt hinsichtlich aller anderen ernährungsphysiologischen Parameter. Auch hier waren keine wesentlichen Unterschiede zu beobachten. Interessant vielleicht, daß Tiere in Futterwahlversuchen zwischen Nahrungsmitteln aus den verschiedenen Landbausystemen unterscheiden und solche aus ökologischem Anbau bevorzugen. Möglicherweise ein Hinweis auf eine bessere geschmackliche Qualität.

Die Studie ist in einer umfangreichen zweiteiligen Version in der Reihe der BgVV-Hefte (Hefte 4/95 und 5/95) erschienen und liegt ab Herbst als stark verkürzte Verbraucherbroschüre vor (BgVV-Heft 7/95). Die Hefte 4/95 und 5/95 kosten jeweils 45,-- DM, Heft 7/95 15,-- DM. Alle drei sind über die Pressestelle des BgVV erhältlich.

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