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Stichwort Codex Alimentarius

C/2001, 26.11.2001

Hintergrundpapier zur 23. Sitzung des Komitees für Ernährung und diätetische Lebensmittele

Die Codex Alimentarius Kommission wurde 1962 als gemeinsame Einrichtung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegründet. Sie hat zum obersten Ziel, durch die Erarbeitung von internationalen Lebensmittelstandards die Gesundheit der Verbraucher zu schützen und redliche Praktiken im internationalen Verkehr mit Lebensmitteln sicherzustellen.

Der Codex Alimentarius ist eine Sammlung von Definitionen und Sicherheitsanforderungen an Lebensmittel. Die Codexnormen besitzen einen hohen Stellenwert bei Streitschlichtungsverfahren im Rahmen der neuen Welthandelsordnung, die ihren Niederschlag im Übereinkommen zur Errichtung der Welthandelsorganisation (WTO - World Trade Organisation) gefunden hat.

Im Rahmen der Codex Alimentarius Arbeiten werden Fragen der Standardisierung und der Sicherheit von Lebensmitteln bzw. des gesundheitlichen Verbraucherschutzes in verschiedenen Komitees diskutiert. In diesen Komitees sind Delegationen der Mitgliedsstaaten von WHO und FAO vertreten. Die Delegationen setzen sich aus Regierungsvertretern und Vertretern der verschiedenen Interessengruppen (Verbraucher, Industrie Landwirtschaft etc.) zusammen.

Vorschläge für einen Standard, eine Richtlinie bzw. eine Definition durchlaufen ein Stufenverfahren, bis sie vom Komitee und der Kommission im Konsensverfahren als verbindlich verabschiedet und in das Regelwerk des Codex Alimentarius aufgenommen werden.

BgVV und Codex Alimentarius

Die Bundesrepublik Deutschland ist Gastgeberland für das seit 1966 bestehende Codex Komitee "Ernährung und diätetische Lebensmittel" und damit für die Ausrichtung der im einjährigen Turnus stattfindenden Sitzungen verantwortlich. Die Bundesregierung hat das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) außerdem mit dem Vorsitz des Komitees betraut.

Einige Schwerpunkte der 23. Sitzung des Codex Komitees für Ernährung und diätetische Lebensmittel

1. Überarbeitung der Standards für Säuglingsanfangsnahrung und Getreidebeikost

Als Säuglingsanfangsnahrung wird die Nahrung bezeichnet, die die Muttermilch von Geburt an ersetzen kann. Wie Muttermilch ist Säuglingsanfangsnahrung als alleiniges Lebensmittel für die ersten (vier bis sechs) Lebensmonate geeignet. In Deutschland und in der Europäischen Union gibt es vier Arten von Säuglingsanfangsnahrungen, solche

  • auf der Basis von Kuhmilcheiweiß mit Milchzucker als einzigem Kohlenhydrat
  • auf der Basis von Kuhmilcheiweiß mit weiteren Kohlenhydraten neben Milchzucker
  • auf der Basis von Sojabohneneiweißisolat
  • auf der Basis von teilhydrolysiertem (gespaltenem) Eiweiß (Bezeichnung HA).

Diese Anfangsnahrung ist für nicht-gestillte Säuglinge aus Allergikerfamilien gedacht.

Innerhalb des Codex Komitees steht zur Diskussion, wie die Säuglingsanfangsnahrung für Säuglinge, die nicht gestillt werden oder werden können, zusammengesetzt sein muss. Dabei geht es sowohl um den Gehalt als auch um die Qualität von Nährstoffen wie Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralstoffe etc. Diskutiert wird auch, ob und welche Zusatzstoffe Säuglingsanfangsnahrung enthalten darf. Ein weiterer Punkt sind die hohen Anforderungen hinsichtlich Hygiene, Rückständen und Kontaminanten.

Ein weitere Diskussionspunkt ist die Frage, ob Säuglingsanfangsnahrung auch die Nahrung für kranke Kinder umfasst (bilanzierte Diäten), die auf Grund ihrer Krankheit weder Muttermilch noch normale Säuglingsanfangsnahrung bekommen dürfen oder diese nur in eingeschränkter Menge vertragen.

Getreidebeikost bezeichnet Nahrung, die zusätzlich zur Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung ab dem (5. bis 7.) Monat gegeben wird. Es handelt sich zum Beispiel um Brei auf der Basis von Getreide. Einer der wesentlichen Diskussionspunkte ist die Empfehlung, ab welchem Alter der Säugling Getreidebeikost erhalten sollte, bereits ab dem 5. Monat oder erst ab dem 7. Monat. Auch für diese Lebensmittel sind die Anforderungen hinsichtlich der Hygiene und des Gehalts an Rückständen und Kontaminanten besonders hoch.

2. Erarbeitung einer Richtlinie für Nahrungsergänzungsmittel (Supplements)

Als Nahrungsergänzungsmittel bezeichnet man Lebensmittel, die einen oder mehrere Nährstoffe, z.B. Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, essentielle Aminosäuren etc. in konzentrierter und isolierter Form enthalten, die zusätzlich zur Nahrung in nicht lebensmitteltypischer Form (als Tablette, Kapsel, Pulver, Drink etc) aufgenommen werden sollen, um Nährstoff-Defizite auszugleichen. Nahrungsergänzungsmittel sind bisher in den einzelnen Staaten unterschiedlich definiert. Die Diskussion geht unter anderem darum, welche Produkte unter Nahrungsergänzungsmittel fallen, wie sie gekennzeichnet werden sollten und ob es sinnvoll ist, hier Grenzen bei der Dosierung für einzelne Stoffe festzulegen, um den gesundheitlichen Verbraucherschutz zu gewährleisten.

An der 23. Sitzung des Komitees für Ernährung und diätetische Lebensmittel nehmen Delegationen aus ca. 50 Ländern teil. Die Zahl der Teilnehmer liegt über 230. Als Beobachter sind ca. 20 internationale Organisationen anwesend.

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