Konsiliarlabor Yersinien

Yersinia enterocolitica und Yersinia pseudotuberculosis sind enteropathogene Bakterien-Spezies, die als Yersiniosen bezeichnete Krankheitsbilder verursachen. Yersiniosen treten nach Aufnahme kontaminierter Nahrung (insbesondere rohe Schweinefleischprodukte, z.B. Mett) meist sporadisch auf, Ausbrüche sind eher selten.

Am stärksten betroffen sind in der Regel Kleinkinder bis zum Alter von 3 Jahren, bei denen die Yersinien eine selbstlimitierende akute Magen-Darm-Entzündung mit Fieber, wässrigem bis blutigem Durchfall und Erbrechen hervorrufen. Bei Schulkindern und Jugendlichen kommt meist zu einer schmerzhaften Entzündung im Bauchbereich (mesenteriale Lymphadenitis), die eine Blinddarmentzündung vortäuschen kann. Bei Erwachsenen kommen auch Symptome wie bei grippalen Infekten vor. Liegen Grunderkrankungen vor, (z.B. Diabetis mellitus, Leberzirrhose, Immunsuppression) können Erkrankungen wie Leberabszesse, Herzinnenhaut-, Herzbeutel oder Brust- oder Rippenfellentzündungen auftreten. Als Spätfolgen sind Gelenkentzündungen (reaktive Arthritis), eine dauerhafte Entzündung des Dünndarms (Pseudocrohn) und akute Entzündungen des Unterhautfettgewebes (Erythema nodosum) bekannt.

Yersiniosen stellen in Deutschland die dritthäufigste bakteriell verursachte Magen-Darm-Erkrankung dar (ca. 2.700 gemeldete Fälle im Jahr 2012). Die allermeisten dieser Infektionen werden durch Y. enterocolitica verursacht, wobei das Hausschwein das größte natürliche Reservoir für die Bakterien darstellt. Y. pseudotuberculosis hingegen kommt häufiger in Wildtieren (Nager, Vögel, Wildschweine) vor. Die minimale Infektionsdosis für eine enteritische Yersinia-Infektion ist nicht genau bekannt, könnte aber bei ca. 106 Kolonie-bildenden Einheiten liegen. Yersinien sind in der Lage, bei Kühlschrank-Temperaturen zu wachsen, daher kann es in kontaminierten Lebensmitteln zu einer Anreicherung der Bakterien auch unter diesen Bedingungen kommen. Während Schweinefleischprodukte häufig mit Y. enterocolitica belastet sind und zu Infektionen führen, wurde bei Erkrankungen durch Y. pseudotuberculosis über den Verzehr von rohem Gemüse (Karotten, Salat) berichtet, wobei nicht bekannt ist, wie diese Lebensmittel kontaminiert wurden.

In Deutschland sind Darminfektionen des Menschen mit Y. enterocolitica meldepflichtig, wogegen die selten auftretenden Krankheitserscheinungen, die an anderen Organen als dem Magen-Darm-Trakt auftreten, durch Y. enterocolitica (z.B. Blutvergiftung) und Infektionen mit Y. pseudotuberculosis bislang nicht der Meldepflicht unterliegen.

Arbeitsschwerpunkte des Konsilarlabors

Zu den Arbeitsschwerpunkten des Konsiliarlabors gehören:

  • Nachweis und Differenzierung der Erreger aus Lebensmitteln und tierischen Untersuchungsproben mit Hilfe kultureller (Selektivanreicherung), biochemischer (Bunte Reihe), serologischer (Agglutinationstest) und molekularer (Polymerase-Kettenreaktion, PCR) Verfahren.
  • Optimierung der Methoden zum kulturellen Nachweis von Yersinien in Lebensmitteln
  • Beratung zu Fragen der mikrobiologischen Diagnostik (Erregernachweis und Serodiagnostik) und Erregertypisierung
  • Kultivierung von Yersinien und Stammsammlung
  • Forschung zum horizontalen Gentransfer und Erregerwandel bei Yersinien

Diagnostik

Enteropathogene Yersinien können über eine Reihe kultureller, molekularer und immunologischer Methoden nachgewiesen und differenziert werden. Nach der Methode L00.00-90 der amtlichen Sammlung von Untersuchungsverfahren nach §64 LFGB, welche identisch ist mit der DIN EN ISO 10273 (ISO, 2003), erfolgt der kulturelle Nachweis zunächst über eine Anreicherung der Bakterien in Flüssigmedien mit nachfolgendem fraktionierten Ausstrich auf festen Selektivmedien (z. B. CIN-Agar). Allerdings hat sich gezeigt, dass auf diesen Selektivmedien auch andere Bakterien (insbesondere apathogene Yersinia-Spezies) wachsen können, was die Identifizierung pathogener Yersinien erschwert. Ein Yersinia-Nachweis kann auch mit Hilfe von PCR-Verfahren durchgeführt werden. Zur Identifizierung pathogener Stämme werden hier meist Virulenzgene, die auf dem Virulenzplasmid oder im Chromosom der Bakterien lokalisiert sind, nachgewiesen. Jedoch geben die durch PCR erhaltenen Ergebnisse keine Auskunft über die Zahl an lebenden Erregern, da diese nur indirekt über ihre Nukleinsäuresequenzen detektiert werden.

Die Differenzierung von Yersinia-Isolaten erfolgt in der Regel über Bio- und Sero-Typisierung. Hierbei werden spezifische biochemische Eigenschaften der Bakterien (z.B. Synthese bestimmter Enzyme) bzw. ihre Oberflächenstrukturen (O-Antigen des LPS) getestet. Eine Feindifferenzierung der Bakterien kann auch durch „Multilocus Variable-Number Tandem-Repeat Analysis“ (MLVA) und Pulsfeldgelelektophorese (PFGE) vorgenommen werden.

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Leiter:
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Email
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Stellvertreter:
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