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Wichtige Themen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes immer noch weitgehend unbekannt

14/2017, 18.04.2017

BfR veröffentlicht vierten Verbrauchermonitor zur Wahrnehmung gesundheitlicher Risiken

Fragt man Verbraucherinnen und Verbraucher nach den aus ihrer Sicht größten gesundheitlichen Risiken, so sind dies nach wie vor Rauchen, Klima- bzw. Umweltbelastung, ungesunde oder falsche Ernährung sowie Alkohol. Erst danach werden auch ungesunde oder belastete Lebensmittel sowie mögliche Probleme genannt, die sich durch die Landwirtschaft ergeben können. Dies ist ein Ergebnis des vierten BfR-Verbrauchermonitors, einer repräsentativen Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Obwohl eine knappe Mehrheit der Befragten der Ansicht ist, dass die Qualität und Sicherheit unserer Lebensmittel eher zunehmen bzw. gleich bleiben, sorgen Themen wie Antibiotikaresistenzen, gentechnisch veränderte Lebensmittel und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln weiterhin für Beunruhigung in der Öffentlichkeit. „Es zeigt sich aber nach wie vor, dass Verbraucherinnen und Verbraucher auch Risiken unterschätzen, die aus Sicht der Risikobewertung wichtig sind, wie z.B. Pyrrolizidinalkaloide im Tee, Acrylamid in Lebensmitteln oder die Lebensmittelhygiene im eigenen Haushalt“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Weitgehend unbekannt ist den Menschen in Deutschland eine neue, derzeit in der Wissenschaft intensiv diskutierte Methode zur Genveränderung - das sogenannte „Genome Editing“.

Als repräsentative Befragung von über 1.000 Personen liefert der BfR-Verbrauchermonitor in halbjährlichem Abstand Antworten auf die Frage, wie die Bevölkerung Themen aus dem Bereich des gesundheitlichen Verbraucherschutzes wahrnimmt.

Wie schon im Vorjahr sehen Verbraucherinnen und Verbraucher Rauchen als größtes gesundheitliches Risiko an, gefolgt von der Klima- bzw. Umweltbelastung und einer ungesunden Ernährung sowie Alkohol. Ungesunde oder belastete Lebensmittel werden in dieser offenen Befragung nur von knapp jedem Zehnten als Risiko genannt, gleiches gilt für Probleme, die sich durch die Landwirtschaft ergeben können. In einer gestützten Abfrage gaben auch knapp mehr als die Hälfte der Befragten an, dass die Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln eher zunimmt bzw. gleich bleibt.

Verbraucherinnen und Verbraucher sind weiterhin über Antibiotikaresistenzen und die angenommenen Risiken durch gentechnisch veränderte Lebensmittel sowie Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln beunruhigt. Dies sind zusammen mit dem Thema Lebensmittelbetrug/-fälschung auch die Themen, die die Bekanntheitsskala in einer gestützten Abfrage anführen. Beim Bekanntheitsgrad von Gesundheits- und Verbraucherthemen zeigen sich nach wie vor große Unterschiede. Während das Thema Glyphosat in Lebensmitteln vermutlich durch die große Präsenz in den Medien im Vergleich zur Vorjahresbefragung deutlich aufgeholt hat und nun der Mehrheit der Befragten ein Begriff ist, hat nur ein gutes Drittel der Befragten bereits etwas von Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertees und Tees gehört. Auch ist nur ein sehr geringer Teil der Befragten über dieses Thema beunruhigt, obwohl deren gesundheitsschädigendes Potenzial wissenschaftlich unbestritten ist. Ebenfalls relativ unbekannt ist die in der Wissenschaft derzeit diskutierte neuartige Methode des „Genome Editings“ zur zielgerichteten Veränderung des Erbguts, die auf dem letzten Platz der Bekanntheitsskala rangiert.

Ein Thema, dem aus wissenschaftlicher Sicht von Verbraucherinnen und Verbrauchern deutlich zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird, ist die Lebensmittelhygiene zu Hause. Über sie ist wie schon in den Vorjahren in der gestützten Abfrage nur eine kleine Minderheit beunruhigt. Im Gegensatz dazu sind 34 % über die Lebensmittelhygiene in der Gastronomie besorgt.

Die Sicherheit von Produkten wie Textilien, Spielzeug und Kosmetika betrachten die Befragten mit Skepsis. So bewertet knapp die Hälfte der Befragten Textilien und Spielzeug als nicht sicher, bei Kosmetika ist der Anteil etwas geringer. Die Sorge um die Sicherheit von Spielzeug hat aber im Vergleich zum Vorjahr zugenommen.

Das Vertrauen in den Staat, die Gesundheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu schützen, ist zwar etwas geringer als im Vorjahr, jedoch nach wie vor beim Großteil der Bevölkerung gegeben. Fragt man nach der generellen Einstellung zum gesundheitlichen Verbraucherschutz, so wünscht sich nach wie vor eine knappe Mehrheit mehr staatliche Maßnahmen zum Schutz vor gesundheitlichen Risiken. Für ein gutes Drittel wäre die Bereitstellung von wissenschaftlich gesicherten Informationen zur eigenen Entscheidungsfindung ausreichend. Nur ein Zehntel der Befragten glaubt, auch ohne staatliche Einrichtung gesundheitliche Risiken einschätzen zu können.

Die Ergebnisse des aktuellen Verbrauchermonitors zeigen, wie wichtig es ist, Erkenntnisse und überprüfbare Resultate aus der Forschung stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Mit diesem Ziel haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum March for Science aufgerufen, der weltweit am 22. April 2017 stattfindet. In 14 deutschen Städten, darunter Berlin, finden Kundgebungen statt, um für wissenschaftlich fundierte Fakten und gegen postfaktische Auffassungen als Diskussionsgrundlage öffentlicher Debatten zu demonstrieren.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

In diesem Jahr feiert das BfR sein 15-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hat das BfR eine Jubiläumsbroschüre herausgegeben, die unter http://www.bfr.bund.de/de/publikation/broschueren-660.html kostenlos heruntergeladen oder bestellt werden kann.

March for Science am 22. April 2017 in Berlin: http://marchforscienceberlin.de/

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BfR-Verbrauchermonitor 2017
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Publikationen - BfR-Verbrauchermonitor

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Booklet
BfR-Verbrauchermonitor 2017 465.2 KB
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