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Fragen und Antworten zu Mineralölbestandteilen in Schokolade aus Adventskalendern und anderen Lebensmitteln

Aktualisierte FAQ des BfR vom 26. November 2015

Die Stiftung Warentest hat Schokolade aus Adventskalendern getestet und Mineralölbestandteile nachgewiesen. Auf Grundlage der übermittelten Untersuchungsdaten hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine erste Einschätzung vorgenommen, ob von Mineralölbestandteilen in Schokolade ein gesundheitliches Risiko ausgehen kann. Vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass Mineralölbestandteile in Lebensmitteln vorkommen können, stellen die Ergebnisse der Untersuchungen der Stiftung Warentest für den Verbraucher keine grundsätzlich neue Belastungssituation dar.

In diesem Zusammenhang weist das Institut seit Jahren darauf hin, dass der Übergang von Mineralölbestandteilen aus recyclierten Kartons auf Lebensmittel möglich und zu erwarten ist, da für die Herstellung unter anderem bedrucktes Altpapier verwendet wird, das Mineralölbestandteile aus Zeitungsdruckfarben enthalten kann. Der Übergang dieser Substanzen wurde bisher insbesondere bei trockenen Lebensmitteln mit großer Oberfläche, beispielsweise Reis oder Gries, nachgewiesen.

Die Verunreinigung von Lebensmitteln mit Mineralölbestandteilen aus Verpackungen ist unerwünscht. Dass es möglich ist, den Übergang von aromatischen Kohlenwasserstoffen (MOAH) zu vermeiden und den von gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH) zu verringern, bestätigen auch die aktuellen Untersuchungsergebnisse der Stiftung Warentest.

Im Folgenden hat das BfR häufig gestellt Fragen und Antworten zu Mineralöbestandteilen, die aus Verpackungen in Lebensmittel übergehen können, zusammengefasst:

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Fragen

Wie können Mineralölbestandteile in Lebensmittel gelangen?

Für die Herstellung von Karton aus recycliertem Altpapier wird auch bedrucktes Zeitungspa-pier benutzt. In den meisten herkömmlich verwendeten Zeitungsdruckfarben sind Mineralöle enthalten. Diese können bisher im Recyclingprozess nicht ausreichend entfernt werden und gelangen so in die Lebensmittelverpackungen aus Recyclingkarton. Andere mögliche Eintragsquellen sind auch Schmierstoffe aus Anlagen zur Lebensmittelherstellung, Abgase von Erntemaschinen oder Mineralöle, die bei Herstellungs- und Verpackungsprozessen als Schmier- oder Trennmittel eingesetzt werden.

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Was versteht man im Zusammenhang mit Lebensmitteln unter dem Begriff „Mineralöl“?

Die nachgewiesenen Mineralölgemische bestehen aus gesättigten Kohlenwasserstoffen sowie aus aromatischen Kohlenwasserstoffen.

Chemisch betrachtet handelt es sich bei den gesättigten Kohlenwasserstoffen um ketten- und ringförmige Kohlenwasserstoffe (MOSH). Die Abkürzung MOSH steht für „mineral oil saturated hydrocarbons“. Aromatische Kohlenwasserstoffe bezeichnet man als MOAH - „mineral oil aromatic hydrocarbons“. Die MOAH-Fraktion besteht aus einer komplexen Mischung aus überwiegend alkylierten aromatischen Kohlenwasserstoffen.

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In welche Lebensmittel können Mineralölbestandteile aus Verpackungen übergehen?

Daten zum Übergang von Mineralölbestandteilen aus den Verpackungen auf verschiedene Lebensmittel liegen bisher nur vereinzelt vor. Das BfR geht davon aus, dass besonders bei trockenen Lebensmitteln mit einer großen Oberfläche wie z.B. Mehl, Gries, Reis, Semmelbrösel oder Frühstückscerealien ein Übergang der Mineralöle aus der Verpackung auf das Lebensmittel zu erwarten ist.

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Wann hat das BfR auf das Problem des Übergangs von Mineralölbestandteilen aus Verpackungen auf Lebensmittel aufmerksam gemacht?

Im Jahr 2009 hat das BfR - basierend auf Untersuchungsergebnissen des schweizerischen Kantonalen Labors Zürich - auf das Problem des Übergangs von Mineralölbestandteilen in Lebensmittel aufmerksam gemacht.

Das Labor hatte in Reis, der in einer Faltschachtel 8 Monate gelagert war, ein Mineralölgemisch nachgewiesen. Es ist davon auszugehen, dass der gemessene Übergang zu einem wesentlichen Anteil durch das Ausgasen der Mineralöle aus dem Karton erfolgte.

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Welche Gesundheitsrisiken durch Mineralöl sind bekannt?

Kürzerkettige gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH) werden vom Körper aufgenommen und können in einigen Organen gespeichert werden. Aus tierexperimentellen Studien ist bekannt, dass derartige Mineralölgemische zu Ablagerungen und Schäden in der Leber und den Lymphknoten führen können. Die genaue Zusammensetzung der Stoffgemische in Druckfarben, insbesondere der Fraktion, die aromatische Kohlenwasserstoffverbindungen (MOAH)  enthält, ist nicht bekannt. Zu der die MOAH-Fraktion ausmachenden komplexen Mischung aus überwiegend alkylierten aromatischen Kohlenwasserstoffen können auch krebserzeugende Substanzen gehören.

Grundsätzlich sind solche Kontaminationen von Lebensmitteln unerwünscht. Aus Sicht des BfR sollten daher die Übergänge von Mineralöl aus Recyclingpapier und -pappe auf Le-bensmittel minimiert werden.

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Sind MOSH und MOAH die einzigen Mineralöl-Kohlenwasserstoffe, die in Lebensmitteln auftreten können?

Neben MOSH und MOAH können in Lebensmitteln auch aus Polyolefinen stammende Oligomere, sogenannte POSH („polyolefin oligomeric saturated hydrocarbons“) enthalten sein, wenn diese in Behältern aus bestimmten Kunststoffen aufbewahrt werden oder mit bestimmten Kunststofffolien verpackt sind.

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Was sind POSH?

Polyolefin oligomeric saturated hydrocarbons (POSH) sind gesättigte Kohlenwasserstoffe, welche als Oligomere in bestimmten Kunststoffen, den Polyolefinen (z. B. Polyethylen, Polypropylen) enthalten sind. Werden solche Materialien als Verpackung oder zur Aufbewahrung von Lebensmitteln verwendet, können POSH in geringen Mengen auf die Lebensmittel übergehen.

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Welches gesundheitliche Risiko geht von POSH in Lebensmitteln aus?

Dem BfR liegen keine toxikologischen Daten zu POSH vor. Eine gesundheitliche Bewertung dieser Stoffe konnte daher bislang nicht vorgenommen werden.

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Welche Menge an Mineralölbestandteilen aus Verpackungen nehmen Verbraucher über Lebensmittel auf?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)  hat abgeschätzt, das man täglich über Lebensmittel zwischen 0,03 und 0,3 mg gesättigte Kohlenwasserstoffen (MOSH) je Kilogramm Körpergewicht aufnimmt, bei Kindern kann die Aufnahme auch höher sein. Die Aufnahme an aromatischen Kohlenwasserstoffen (MOAH) liegt nach Schätzungen der EFSA bei etwa 20 % der Werte für MOSH, also zwischen 0,006 und 0,06 mg je Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Das bedeutet für ein 10 kg schweres Kind eine tägliche Aufnahme bis zu 0,6 mg.

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Wie schätzt das BfR das gesundheitliche Risiko von Mineralölbestandteilen in Schokolade ein?

Anhand der von Stiftung Warentest übermittelten Daten hat das BfR eine vorläufige Einschätzung des gesundheitlichen Risikos von Mineralölbestandteilen in Schokolade vorgenommen. Nimmt man den „Worst Case“ an und berechnet den Gehalt des einzelnen Schokoladeteilchens aus den Kalendern mit den höchsten Gehalten von ca. 7 Milligramm je Kilogramm Schokolade, so ergibt sich ein Gehalt von 0,022 Milligramm aromatischer Kohlenwasserstoffe je Schokoladenteilchen. Aus diesem Gehalt ergibt sich unter der Annahme des Verzehrs von einem Schokoladenteilchen pro Tag nur ein sehr geringer zusätzlicher Anteil zu der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA 2012) abgeschätzten täglichen Aufnahme von aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen über die Nahrung. Der Anteil an der Hintergrundbelastung ist zwar gering, dennoch sind aromatische Kohlenwasserstoffe in Lebensmitteln unerwünscht, weil von einem krebserregenden Potenzial der Substanzen ausgegangen werden muss.

Vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass Mineralölbestandteile in Lebensmitteln vorkommen können, stellen die Ergebnisse der Untersuchungen der Stiftung Warentest für den Verbraucher keine grundsätzlich neue Belastungssituation dar.

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Können Mineralölbestandteile auch auf Tiefkühlkost, die in Kartonverpackungen angeboten werden, übergehen?

Zum Übergang von Mineralölbestandteilen auf Tiefkühlkost liegen bislang kaum Daten vor. Allerdings ist bei Tiefkühltemperaturen nicht mit einem entsprechenden Übergang zu rechnen, weil die Mineralölbestandteile unter solchen Bedingungen nicht ausgasen.

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Gibt es gesetzliche Grenzwerte für Mineralölbestandteile, die aus Verpackungen in Lebensmitteln übergehen?

Derzeit gibt es keine gesetzlichen Vorgaben, die die Gehalte an Mineralölbestandteilen in Lebensmitteln regulieren. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erarbeitet derzeit eine Verordnung, in der der Übergang dieser Substanzen in Lebensmittel geregelt werden soll.

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Welche Grenzwerte für aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH) und gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH) empfiehlt das BfR für Lebensmittel?

Toxikologische Daten zur Bewertung und zur Ableitung von Grenzwerten für MOAH stehen nicht zur Verfügung. Die Auffassung des BfR, dass ein mögliches krebserzeugendes Potenzial der aromatischen Kohlenwasserstofffraktion nicht ausgeschlossen werden kann, wurde durch ein Gutachten der Europäischen Behören für Lebensmittelsicherheit (EFSA) aus diesem Jahr bestätigt.  Deshalb sollte kein nachweisbarer Übergang von MOAH auf Lebensmittel stattfinden.

Für die Bewertung von MOSH in dem aus Recyclingkarton übergehendem Molekulargewichtsbereich stehen keine ausreichenden Daten zur Verfügung. Deshalb hat der gemeinsame FAO/WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA) in diesem Jahr den temporären ADI (acceptable daily intake) zurückgezogen. Ein ADI-Wert gibt an, welche Menge eines Stoffes ein Mensch sein Leben lang täglich aufnehmen kann, ohne dass mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu rechnen ist.

Das BfR hat für MOSH mit Kohlenstoffkettenlängen von C10 bis C16 einen Richtwert für den Übergang auf Lebensmittel in Höhe von 12 mg/kg abgeleitet. Gegenwärtig wird  über einen Richtwert für MOSH bis zu C20 beraten. Für MOSH mit größeren Kettenlängen gibt es Belege für eine Anreicherung im menschlichen Körper. Daher sollten der Übergang diese Substanzen soweit wie technisch möglich minimiert werden.

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Was empfiehlt des BfR, um den Übergang von Mineralölbestandteilen aus Kartonverpackungen auf Lebensmittel zu minimieren?

Der Übergang von Mineralölbestandteilen wird nicht nur durch ihrem Gehalt im Verpackungsmaterial, sondern auch durch die Lagerbedingungen und die Art des Lebensmittels beeinflusst. Er kann durch den Einsatz von Frischfaserkartons, die Verwendung von mineralölfreien Druckfarben bzw. durch die Einbeziehung von funktionellen Barrieren in den Verpackungsaufbau verhindert werden. Dabei muss nicht nur die direkte Lebensmittelverpackung betrachtet werden, sondern auch die Möglichkeit des Übergangs aus Umverpackungen.

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Fragen und Antworten

 (1 Dokument)
Datum Titel Größe
26.11.2015
Aktualisierte FAQ des BfR
Fragen und Antworten zu Mineralölbestandteilen in Schokolade aus Adventskalendern und anderen Lebensmitteln 37.6 KB
PDF-Datei

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Presseinformationen

 (1 Dokument)
Datum Titel Schlagworte
28.11.2012
41/2012
Mineralöle in Schokolade und anderen Lebensmitteln sind unerwünscht Bedarfsgegenstände, Mineralöl, Schokolade, Verpackungsmaterial

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