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Fragen und Antworten zu Bisphenol A in verbrauchernahen Produkten

Aktualisierte FAQ des BfR vom 23. Mai 2012

Die chemische Substanz Bisphenol A (BPA) ist in Produkten aus Polycarbonat enthalten, unter anderem auch in Behältern und Flaschen, die zur Verpackung oder Aufbewahrung von Lebensmittel verwendet werden. Auch für die Herstellung von Innenbeschichtungen von Getränke- und Konservendosen wird BPA eingesetzt. Eine weitere Quelle für BPA sind Thermopapiere, auf die beispielsweise Kassenbons, Fahrkarten oder Parktickets gedruckt werden.

Die Risikobewertung der Industriechemikalie BPA ist seit Jahren weltweit Gegenstand kontroverser wissenschaftlicher Diskussionen. In regelmäßigen Abständen greifen die Medien das Thema auf und fragen, ob von dem Stoff eine Gefahr für Verbraucher, insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder ausgeht.

Im Folgenden beantwortet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die Fragen, die ihm zu BPA am häufigsten gestellt werden.

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Fragen

Was ist Bisphenol A?

Bei BPA handelt es sich um die Industriechemikalie 2,2-Bis(4-hydroxyphenyl)propan, die als Ausgangssubstanz für die Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen und Kunstharzen verwendet wird.

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Wo kommt Bisphenol A vor?

Die Substanz kann in Gegenständen aus Polycarbonat enthalten sein, auch in solchen, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Beispiele dafür sind Trinkflaschen (früher auch Babyfläschchen) oder Geschirrteile. BPA kann auch in der Innenbeschichtung von Getränke- und Konservendosen enthalten sein. Außerdem wird BPA als Farbbildner in sogenannten Thermopapieren für Thermodrucker und -faxgeräte eingesetzt.

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Wie wirkt Bisphenol A?

Die Substanz hat eine geringe akute Giftigkeit. BPA gehört aber zu einer Gruppe von Substanzen, die hormonähnlich (u.a. östrogenartig) wirken können. Diese Substanzen werden wissenschaftlich als „endokrine Disruptoren“ bezeichnet. Solche Substanzen können prinzipiell auf alle hormonabhängigen Prozesse, insbesondere auf die Entwicklung von Organismen, einwirken. Bisher sind aber keine gesundheitsschädlichen BPA-Wirkungen für Menschen nachgewiesen worden. Im menschlichen Körper wird BPA schnell in ein Stoffwechselprodukt umgewandelt, das keine östrogene Wirkung mehr hat und über die Nieren ausgeschieden wird.

Um die möglichen fortpflanzungsschädlichen Wirkungen von BPA zu erfassen, wurden Mehrgenerationsstudien an Mäusen und Ratten über einen großen Dosisbereich durchgeführt. Aufgrund der Daten aus diesen Studien ist das gesundheitliche Risiko von BPA auf europäischer Ebene bewertet und ein sicherer Grenzwert festgelegt worden. Experten des BfR wurden in diese Bewertung mit eingebunden.

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In welchem Zusammenhang ist das BfR mit dem Thema Bisphenol A befasst?

Das BfR hat unter anderem den gesetzlichen Auftrag, stoffliche Risiken von verbrauchernahen Produkten zu bewerten, darüber zu kommunizieren und Handlungsoptionen für deren Minimierung zu unterbreiten. Vor diesem Hintergrund ist das Institut auch mit der Bewertung von BPA in Geschirr, Konservendosen und anderen Produkten befasst.

Im Rahmen der REACH Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 ist das BfR als Bewertungsstelle „Gesundheit und Verbraucherschutz“ für Fragen zu gesundheitlichen Aspekten von BPA und für die Bewertung von Risikominderungsmaßnahmen zuständig.

Das Institut informiert die Behörden, die der Gesetzgeber für die Regulierung benannt hat, und die Öffentlichkeit über die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Bewertung. Ein Verbot für den Einsatz von BPA könnte das BfR hingegen nicht aussprechen.

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Zu welchen Bewertungsergebnissen kommt die EFSA mit Blick auf Bisphenol A?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte im Jahr 2010 experimentelle Studien aus den Jahren 2006 bis 2010 bewertet und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Daten keine Veränderung der tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge (TDI-Wert) für BPA erforderlich machen. Den TDI-Wert hatte die EFSA 2006 abgeleitet, er liegt bei 0,05 mg pro Kilogramm Körpergewicht.

Die EFSA weist in ihrem Gutachten darauf hin, dass für die Bewertung einiger entwicklungstoxikologischer Wirkungen zu BPA neue Daten mit bisher unklarer Relevanz für die menschliche Gesundheit vorliegen. Es handelt sich hierbei um Studien zur Beeinflussung des Immunsystems, zu biochemischen Veränderungen im zentralen Nervensystem und zur Frage, inwieweit BPA zur Sensibilisierung gegenüber der Brustkrebsentstehung beitragen könnte.

Jeden Monat wird eine Fülle von neuen Daten zu BPA publiziert. Die EFSA erfasst und bewertet diese Daten regelmäßig. Derzeit erarbeitet die EFSA eine Neubewertung von BPA, die bis Mai 2013 abgeschlossen sein soll. Diese Bewertung wird vor allem auch neue Erkenntnisse über die möglichen Wirkungen von BPA-Dosen unterhalb des TDI berücksichtigen. Ebenso werden aktuelle Daten zur Aufnahme von BPA über die Nahrung und aus anderen Quellen in die Bewertung einfließen.

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Nehmen Säuglinge und Kleinkinder gesundheitsgefährdende Mengen an Bisphenol A auf?

Für BPA wurde auf europäischer Ebene ein „TDI-Wert“ festgelegt. Dieser Wert beziffert die Menge, die ein Mensch ein Leben lang täglich aufnehmen kann („tolerable daily intake“), ohne dass unerwünschte gesundheitliche Wirkungen auftreten.

Der TDI-Wert für BPA liegt bei 0,05 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht (das entspricht 3,0 mg für einen 60 kg schweren Menschen) und beinhaltet einen Sicherheitsfaktor von 100. Um sicherzustellen, dass der Wert nicht überschritten wird, dürfen Produkte, die BPA enthalten, nur begrenzte Mengen von dieser Substanz freisetzen.

Für die tägliche Aufnahme von BPA durch Säuglinge aus Polycarbonatflaschen plus Milchnahrung aus Dosen wurde von einem Expertengremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2010) ein oberer Wert („Worst case-Annahmen“) von 0,005 Milligramm/kg Körpergewicht berechnet. Für Kinder im Alter von 3 bis 11 Jahren hat das Umweltbundesamt (2009) eine mittlere tägliche BPA-Aufnahme von 0,00006 Milligramm/kg Körpergewicht ermittelt. Beide Angaben liegen sehr deutlich unter dem von der EFSA abgeleiteten TDI-Wert und zeigen, dass für Säuglinge und Kleinkinder mit großer Sicherheit davon ausgegangen werden kann, dass keine Gesundheitsgefahren bestehen.

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Warum hat die EU-Kommission Bisphenol A in Babyfläschchen verboten?

Aufgrund der kontrovers diskutierten Fragen zu BPA haben die EU-Mitgliedsstaaten Dänemark und Frankreich im Jahr 2010 BPA in Babyflaschen verboten. Das Verbot wurde ausschließlich aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes erlassen. Um eine einheitliche Rechtslage in der EU zu schaffen, hat die Europäische Kommission daraufhin die Verwendung von Bisphenol A bei der Herstellung von Babyflaschen und das Inverkehrbringen von Babyflaschen, die mit Bisphenol A hergestellt wurden, in den EU-Mitgliedsstaaten untersagt. Das Verbot gilt seit März bzw. Juni 2011. Sobald die wissenschaftliche Datenlage zu möglichen gesundheitsschädlichen Wirkungen von BPA mit größerer Sicherheit geklärt worden ist, soll das Verbot auf EU-Ebene erneut diskutiert werden.

Da die Verwendung von BPA auf europäischer Ebene geregelt ist, ist die EU-Kommission die zuständige Behörde, die Einschränkungen für die Verwendung des Stoffes festlegen kann.

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Gibt es Alternativen zu Babyflaschen aus Bisphenol A?

Es gibt verschiedene Kunststoff-Alternativen zu Polycarbonat, z.B. werden Babyflaschen aus Polypropylen und Polyethersulfon  angeboten, die als BPA-frei beworben werden. Allerdings gibt Polypropylen deutlich mehr Substanzen an Lebensmittel ab als Polycarbonat. Die alternativ zur Herstellung von Babyfläschchen verwendeten Kunststoffe müssen den gesetzlichen Anforderungen entsprechen, die für ihre Verwendung im Lebensmittelkontakt gelten.

Eltern, die grundsätzlich auf Trinkflaschen aus Kunststoff verzichten möchten, haben die Möglichkeit auf Glasflaschen auszuweichen. Zu berücksichtigen ist hierbei allerdings die  Bruchgefahr.

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Kann Bisphenol A auch in Babysaugern aus Latex oder Silikon enthalten sein?

Für die Herstellung dieser Materialien ist kein BPA notwendig. Der Stoff kann aber im Kunststoffschild des Schnullers enthalten sein, wo er fest eingebunden ist. Ein Übergang von Stoffen aus dem Kunststoffschild in den Sauger ist nach bisherigem Kenntnisstand unter normalen Anwendungsbedingungen nicht zu erwarten.

Das BfR hat 2009 in eigenen Laboranalysen 18 Beruhigungssauger verschiedener Hersteller und Marken aus Latex und Silikon auf BPA untersucht. Ziel war es zu ermitteln, wie viel BPA beim Gebrauch von den Saugern abgegeben wird. Lediglich in einem Sauger wurde eine Freisetzung von BPA in Höhe von 0,0002 Milligramm pro Sauger und Stunde bestimmt. Dieser Wert ist als gesundheitlich unbedenklich anzusehen. Alle anderen 17 Sauger gaben kein BPA ab. Diese Untersuchungsergebnisse stimmen mit Ergebnissen der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und verschiedener Überwachungslaboren überein.

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Besteht ein gesundheitliches Risiko für Kinder, die über längere Zeit Schnuller benutzen?

Die Untersuchungsergebnisse des BfR, der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und anderer amtlicher Labore zeigen, dass über Babysauger keine gesundheitlich relevante BPA-Aufnahme erfolgt.

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Warum enthalten Innenbeschichtungen von Konserven- und Getränkedosen Bisphenol A?

BPA kommt als Verunreinigung aus dem Herstellungsprozess in Epoxylacken (Epoxidharzen) vor, die auch zur Innenbeschichtung von Lebensmittel- und Getränkedosen verwendet werden. Eine solche Beschichtung ist notwendig, um zu verhindern, dass das Blech korrodiert und sich im Kontakt mit Lebensmitteln Metalle lösen, die eine Kontamination des Lebensmittels sowie Verfärbungen und geschmackliche Beeinträchtigungen hervorrufen würden.

BPA-freie Beschichtungssysteme stehen für diese Anwendung bisher nur sehr begrenzt zur Verfügung und bedürfen zum Teil noch der gesundheitlichen Bewertung.

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Woran können Verbraucher erkennen, ob Innenbeschichtunge von Konserven- und Getränkedosen Bisphenol A enthalten?

Eine Kennzeichnungspflicht für Dosen, die mit Epoxidharzen beschichtet sind, gibt es nicht.

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Warum kann Bisphenol A in Kassenbons, Fahrkarten oder Parktickets enthalten sein?

Eine weitere Quelle von BPA stellt sogenanntes Thermopapier dar. Thermopapier wird bei Thermodrucksystemen verwendet, die in Registrierkassen, Fahrkartenschaltern, Parkticketautomaten oder Druckern für Quittungen und Bankauszüge eingebaut sind. Dort wird der Stoff als Farbbildner verwendet.

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Wie hoch ist der Gehalt an Bisphenol A in diesen Thermopapieren?

Nach Untersuchungen verschiedener Laboratorien enthalten Thermopapiere zwischen 0,5 und 3,2 Prozent freies BPA. „Frei“ bedeutet, dass der Stoff nicht fest im Material gebunden ist.

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Stellt Bisphenol A aus Thermopapieren ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher dar?

Verlässliche Daten zur BPA-Belastung der Verbraucher über Thermopapiere liegen derzeit noch nicht vor. Da Verbraucherinnen und Verbraucher in der Regel nur kurzzeitig über die Hände mit BPA-haltigen Papierprodukten wie Tickets oder Quittungen in Kontakt kommen, ist davon auszugehen, dass sie, wenn überhaupt, bei bestimmungsgemäßem Gebrauch aus diesen Quellen nur sehr geringe Mengen des Stoffes aufnehmen würden. Allerdings sollte aus Gründen des vorsorgenden Gesundheitsschutzes darauf geachtet werden, dass Kinder nicht mit Kassenzetteln, Quittungen und Fahrscheinen aus Thermopapieren spielen. Gerade bei kleineren Kindern ist nicht auszuschließen, dass sie diese beim Spielen in den Mund nehmen und so BPA aus dem Papier oral aufnehmen könnten.

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Stellungnahmen

 (2 Dokumente)
Datum Titel Größe
22.12.2005
Stellungnahme Nr. 048/2005 des BfR
Eine neue Studie zur östrogenen Wirkung von Bisphenol A und ihre Relevanz für die Risikobewertung 42.2 KB
PDF-Datei
17.04.2003
Stellungnahme des BfR
Erbgutveränderungen durch Bisphenol A - Studie von Hunt et al. 14.9 KB
PDF-Datei

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Information

 (1 Dokument)
Datum Titel Größe
19.09.2008
Information Nr. 036/2008 des BfR
Neue Studien zu Bisphenol A stellen die bisherige Risikobewertung nicht in Frage 34.5 KB
PDF-Datei

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Fragen und Antworten

 (1 Dokument)
Datum Titel Größe
23.05.2012
Aktualisierte FAQ
Ausgewählte Fragen und Antworten zu Bisphenol A in verbrauchernahen Produkten 44.9 KB
PDF-Datei

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Video über das BfR

"Wissenschaft im Dienst des Menschen" - lautet das Leitmotiv des BfR. Dieser Film gibt einen Einblick in die Arbeit des Institutes.